Ford Focus CC : Jetzt machen sie ihm Beine

Runter mit dem Dach und raus in die Sonne. Der Focus CC verkauft sich nicht besonders – mit dem Facelift hofft Ford auf die Wende. Drei Modelle, wie gemacht für ein so warmes Wochenende.

Susanne Leimstoll

Mit dem Focus CC ist das so eine Sache. Das Auto ist zwar schon seit Herbst 2006 auf dem Markt, ist aber nie so richtig in Fahrt gekommen. Warum? Weil Ford als Letzter einen Vertreter der Gattung Cabrio-Coupé an den Start brachte? Weil der Focus trotz unbestreitbarer Qualitäten ein Langeweiler-Image hat? Jedenfalls hat Ford den CC schon nach gut anderthalb Jahren aufgehübscht und äußerlich den übrigen Focus-Modellen angepasst: mit einem weit weniger piefigen Gesicht als früher und einem netteren Cockpit. „Kinetic-Design“ nennen sie das. Der Focus macht mit tief in die Karosserie gezogenen Scheinwerfern schmale Augen und atmet Kühlluft durch ein trapezförmiges Mäulchen. Innen ist die Mittelkonsole übersichtlicher gestaltet. Ein besser proportionierteres, eleganteres Auto als bislang. Und preislich attraktiv: 23575 Euro kostet der 1,6-Liter-Basisbenziner.

Cabrio-Coupé heißt der Focus übrigens deshalb, weil man sich in der Offenfahrer-Glaubensfrage „Blech oder Stoff?“ bei Ford für Ersteres entschieden hat. Also gegen die wegfaltbare Plane zwischen Cabrio-Puristen und Himmel, gegen ganz viel Fahrtwind und gegen die volle Ladung Heuschnupfen. Und damit für den Kompromiss: Stahldach statt Softtop, hoch gezogene Frontscheibe. Frischluft, okay, aber im Winter bitte nichts, was nach Sommerkutsche aussieht. Damit reiht sich der offene Focus ein neben VW Eos oder Peugeot 307 CC.

Die Motoren-Palette ist eher übersichtlich: Zwei Benziner – der 1,6 Liter-Vierzylinder, 100 PS, und der Zwei-Liter mit Fünfganggetriebe oder Automatik, 145 PS. Wer wirklich sportlich unterwegs sein will, nimmt gleich den Turbo-Diesel mit zwei Liter Hubraum und 136 PS. Der macht richtig Spaß, ist spritzig, geht schon in den unteren Drehmomenten richtig los, während sein Benziner-Kollege unausgeschlafen bei durchgetretenem Gas Schwung holen muss, als habe er noch mit den Winterreifen zu kämpfen. Sparsam ist der Diesel obendrein: Durchschnittlich 5,9 Liter soll er verbrauchen.

Der Focus oben ohne ist ein solides Auto, bietet alle Vorteile, die die italienischen Entwickler von Pininfarina schon dem Vorgänger mitgegeben hatten: verwindungssteifes Chassis, präzise Lenkung, serienmäßig ESP sowie Antriebsschlupfregelung und Scheibenbremsen mit Sicherheits-Bremsassistent, die nicht nur Sicherheitsfetischisten ins Schwärmen geraten lassen. Die Technik fürs zweiteilige zusammenfaltbare Dach ist die alte: Fünf Hydraulikzylinder, drei Elektromotoren und elf Sensoren räumen das 30 Kilo leichte Ding in 29 Sekunden ordentlich in den Kofferraum. Der ist übrigens nach wie vor der eigentliche Knaller des Focus-Cabrios: mit eingefahrenem Dach haben locker zwei Trolleys unter der Abdeckung Platz, bei geschlossenem Verdeck ganze 534 Liter Ladung. Das ist mehr als manche Limousine bietet.

Ford preist sein neues, altes Cabrio noch immer ungerührt als Viersitzer an. Die Sitzhöhe hinten ist zwar um 20 Millimeter reduziert, so dass mehr Platz für den Kopf ist, aber an die Beine hat keiner gedacht. Das macht VW beim Eos besser.

Und, Achtung: Absolut wasserdicht soll das Focus Coupé-Cabrio in der neuen Version jetzt endlich auch sein. In seiner Wassertest-Anlage ließen die Ingenieure es 40 Minuten wie aus Kübeln aufs Stahldach schütten. Jede einzelne Dichtung, jede Drainage, tönt der Hersteller, sei unter die Lupe genommen worden. „Kein Tropfen Wasser kommt mehr durch“, lautet die Diagnose nach gelungener Operation. Das will man doch auch hoffen für um die 25000 Euro.

5500 Fahrzeuge dieses Typs will der Konzern binnen Jahresfrist deutschlandweit an die Käufer bringen, 3000 schaffte das Vorgängermodell. Da hat man die Erwartungen vom Start im Jahr 2006 schon ordentlich heruntergeschraubt. Damals lag das Verkaufsziel noch bei 7000 Cabrios. Vielleicht gelingt das ja dank der Premiumausführung „Titanium“ mit 17-Zoll-Alus (28000 Euro) oder dem auf 600 Stück limitierten Editionsmodell „Black Magic“ (28100 Euro). Aber, pssst: Der schwarze Lackton macht das Focus Cabrio nicht schnittiger. In Silber oder Beigemetallic sieht es dynamischer aus. Von wegen „Kinetic Design“ und so.

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