Ford Mustang kommt nach Europa : Das beste Pferd im Stall

Ford bringt nach fast 50 Jahren endlich den Mustang nach Europa. Stilechter und günstiger geht Sportwagen kaum.

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Seit 1966 ist der Ford Mustang der Inbegriff des amerikanischen Sportwagens. Nach bald 50 Jahren kommt er endlich nach Europa.
Seit 1966 ist der Ford Mustang der Inbegriff des amerikanischen Sportwagens. Nach bald 50 Jahren kommt er endlich nach Europa.Foto: Hersteller

Das gibt’s doch gar nicht: Die Leute sind ja wie aus dem Häuschen, als sie uns in dem gelben Ford sehen. Begeistert winken sie uns zu. Was? Na klar, dieser Ford ist ein ganz besonderer. Fast 50 Jahre gab es ihn quasi nicht in Europa. Offiziell, versteht sich. Die wenigen Exemplare auf Deutschlands Straßen waren „schwarze Schafe“, sogenannte Grauimporte amerikanischer Modelle aus den USA, für die deutsche Mustang-Fans viel auf sich nahmen. Fast 50 Jahre ging das so. Nun ist Mitte Juli die Stunde Null – und Ford hat einen Hauptgewinn gelöst. Der „echte“ Ford Mustang kommt, das galoppierende Traditionsmodell, bei dem Fans feuchte Hände kriegen. In über 3000 Filmen hat der Mustang „mitgespielt“, erinnert sei nur an die legendäre Verfolgungsfahrt von 1968 mit Steve McQueen in San Francisco im Film Bullit. Da standen dem damals 18-jährigen Autoren die Haare zu Berge.

Heute, 47 Jahre später, tun sie es wieder. Denn er sitzt nun im wirklich neuen Ford Mustang. Nicht in einem dieser Grauimporte, sondern in einem echten von Ford höchstselbst. Einen Sportwagen, den man in Europa vorzeigen kann und der auch keinen Vergleich mit etablierten Marken scheuen muss. Denn es ist etwas anderes, ob man in den USA auf schnurgeraden und tempolimitierten Highways schnürt oder in Deutschland auf kurvigen Autobahnen fährt, wo kein Tempolimit den eigenen Vortriebswunsch begrenzt. Die Techniker in Dearborn haben den Ford Mustang extra „europäisiert“, ohne ihm seine uramerikanischen Wurzeln zu ziehen. Nur ein Beispiel: Die alte hintere Starrachse flog raus, und eine aufwendige Integrallenker-Hinterachse zog ein. Doch die erwies sich bei Fahrversuchen mit Prototypen als zu gut für die bestehende Vorderachse. Die musste daraufhin auch aufwendig verändert werden. Das Auto wurde zusätzlich drei Zentimeter tiefergelegt, und außerdem bekommen die Europäer serienmäßig das sogenannte Performancepaket geliefert, welches bei Bedarf beim scharfen Galopp auch eine härtere Gangart ermöglicht. Die Gratwanderung zwischen amerikanischem Freiheitstraum und europäischem Anspruchsdenken ist letztlich gelungen.

Ford Mustang überzeigt mit gnadenloser Richtungsstabilität

Man könnte es also krachen lassen. Das Fahrwerk ist richtig gut geworden, und hat man sich erst mal an den langen Vorbau gewöhnt, lässt sich der Mustang spielerisch leicht bewegen. Er geht viel besser ums Eck, als seine schiere Größe von 4,78 Meter Länge und 1,91 Meter Breite vor dem Einsteigen befürchten ließ. Vor allem überzeugt die gnadenlose Richtungsstabilität. Die Lenkung könnte auch im Porsche-Entwicklungszentrum von Weissach abgestimmt worden sein, so gut ist sie geworden. Wie der Fünfliter-V8 das 1,6 Tonnen schwere Wildpferd gleichmäßig nach vorn wuchtet, das beeindruckt. In 4,5 Sekunden ist man auf Tempo 100, bei 250 km/h wird – wie üblich – abgeriegelt. Lässt man es fliegen, bewegt sich der Normverbrauch von 13,9 allerdings rasch Richtung 20 Liter pro 100 Kilometer. Damit die Fuhre im Falle der Fälle schnell zum Stehen kommt, besitzt der V8 vorn 38 Zentimeter breite und sechs Zentimeter dicke Brembo-Scheibenbremsen.

Richtig stilecht ist der Ford Mustang mit dem fünf Liter großen V8. Aber auch mit Vierzylinder geht der Ami-Sportler gut.
Richtig stilecht ist der Ford Mustang mit dem fünf Liter großen V8. Aber auch mit Vierzylinder geht der Ami-Sportler gut.Foto: Hersteller

Aber man muss ja gar nicht ständig die Sau rauslassen. Auf einer normalen Landstraßentour lässt sich das Alutriebwerk mit weniger als zehn Litern auf 100 Kilometer fahren. Der Drehzahlmesser erreicht kaum die 2000er-Marke. Runterschalten aus dem fünften Gang im dichten Stadtverkehr? Überflüssig. Der Mustang schwelgt im Überfluss seines Drehmoments von 530 Newtonmetern. Und so kann der fette V8 auch ganz brav und lieb sein, wenn er nicht getreten wird.

Ford Mustang auch mit Vierzylinder

Ein Achtzylinder für 40 000 Euro? Das ist kein Witz, sondern der offizielle Preis vom Ford Mustang. Und diese Summe wirkt wie ein rotes Tuch für europäische Hersteller, denn ihre V8-Sportler sind alle viel teurer.

Auch als Cabrio ist der Ford Mustang zu haben. Der Aufpreis beträgt moderate 5000 Euro.
Auch als Cabrio ist der Ford Mustang zu haben. Der Aufpreis beträgt moderate 5000 Euro.Foto: Hersteller

Ein Mustang muss acht Töpfe – und einen fetten Sound haben. Klar. Doch die Welt ist heute eine andere, vor allem in Europa. Zu Zeiten, wo Mercedes und BMW Dreizylinder anbieten, was vor wenigen Jahren noch als Geschäftsschädigung angesehen worden wäre, reiht sich auch Ford in die „Nachhaltigkeitsschiene“ ein – und bringt im Mustang einen Vierzylinder. Ein Frevel? Ja, und nein. Sehen wir es zunächst einmal rational: Mit dem (unstandesgemäßem) Vierzylinder (2,3-Liter-EcoBoost-Turbo, 317 PS stark und 432 Newtonmeter) ist der Ford Mustang mit 4,9 Sekunden gerade mal eine Sekunde langsamer beim Sprint von Null auf Tempo 100 als der V8, und bei der Höchstgeschwindigkeit fehlen ihm nur 16 Kilometer pro Stunde auf den V8. Rechtfertigt das einen Aufpreis von 5000 Euro? Da muss man nun die Gefühle ins Spiel kommen lassen, die Historie, den Sound, das Bauchkribbeln. Beim Vierzylinder kommt das sonore Motorblubbern aus dem Lautsprecher. Natürlich ist es nicht die gänsehauterzeugende Geräuschkulisse, die der Fünfliter-V8 von Haus aus bietet, aber so schlecht klingt dieser Vierzylinder-Turbo nun auch wieder nicht. Das erfreut umso mehr, weil die Qualität enorm gestiegen ist. Da findet man neben dem liebevoll per Gravur festgehaltenen Geburtsdatum des Mustang (das Jahr 1964) auch noch die mit Leder bespannten Armaturen, die in der Struktur von gebürstetem Alu gehaltenen Applikationen oder einen acht Zoll großen Touchscreen.

Gute Basisaustattung

Der Preis des Vierzylinder-Mustang ist ein echter Knaller. Hierzu ein unüblicher Vergleich Birnen gegen Äpfel: VW verlangt beim VW Scirocco für die 280-PS-Version stramme 36 825 Euro. Für sage und schreibe 1825 Euro weniger bekommt man bei Ford den Mustang mit 313 PS – und einer gratis gelieferten Historie. Und bereits dieser Basis-Mustang für 35 000 Euro ist nahezu komplett ausgestattet: Audiosystem, Sync-2-Sprachsteuerung mit Touchscreen, Klimaanlage, Lederausstattung, Xenonscheinwerfer, Rückfahrkamera, 19-Zoll-Räder.

Das Wildpferd auf dem Kühlergrill und darunter - Der Ford Mustang ist eine Sportwagenikone.
Das Wildpferd auf dem Kühlergrill und darunter - Der Ford Mustang ist eine Sportwagenikone.Foto: Hersteller

Und wer hätte das gedacht: Dieser Mustang ist so alltagstauglich wie ein stinknormaler Kompakter. Er ist kein harter Hund, sondern überraschend komfortabel. Mit 408 Litern Volumen schluckt der Mustang-Kofferraum überdies mehr als der des VW Golf! Und die serienmäßigen Parkpiepser transformieren die US-Größe geschickt ins Europäische Format. Wer will, kann auch offen fahren. Es gibt ein Cabrio mit puristischem Stoffverdeck, das 4000 Euro mehr kostet als der Fastback. Und auch mit dem Vierzylinder fährt sich der offene Mustang ordentlich.

1800 Vorbestellungen für den Mustang

Bereits jetzt haben in Deutschland 1800 Leute einen Kaufvertrag unterzeichnet, ohne das Auto vorher jemals angefasst zu haben. 3500 Verkäufe sollen es in diesem Jahr noch werden, im nächsten Jahr über 4000. Rabatte gibt es keine, sagt Ford. Wer keinen der von Ford vorbestellten Mustangs haben, sondern sich „sein“ Pony individuell zusammenstellen möchte, muss mit drei Monaten Wartezeit rechnen.

PS: Ford wird Ende des Jahres noch einen drauflegen. Dann startet der Ford GT. Die Produktion läuft Ende 2015 an, ein Jahr später wird er in ausgewählten Märkten angeboten. Das Verkaufsjahr 2016 erinnert an das 50. Jubiläum des unvergessenen Dreifachsiegs der Ford-GT-Rennsportwagen bei den 24 Stunden von Le Mans im Jahre 1966.

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