Führerschein : Punktsieger durch freiwillige Seminare

Per Aufbauseminar kann man dem Verlust der Fahrerlaubnis vorbeugen.

Früher war das ganz einfach: Näherte sich der Punktestand in der Flensburger Kartei einer kritischen Marke und war man gerade schon wieder geblitzt worden, dann gab’s nur eins: Widerspruch einlegen. Selbst wenn das Geld kostete und völlig aussichtslos war, verzögerte man so die Rechtskraft der neuen Strafe. In der Zwischenzeit konnte man daran gehen, ein paar alte Punkte abzubauen. Allerdings geht das inzwischen nicht mehr: Autofahrer können nicht mehr wie früher auf Zeit spielen, um den drohenden Führerscheinentzug bei 18 Punkten zu verhindern. Denn nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig ist für die Vergabe von Punkten nun der Tag der Tat entscheidend und nicht mehr der Zeitpunkt der Rechtskraft der Ahndung eines Verstoßes. Das Leipziger Gericht fällte sein Urteil deshalb, weil es bisher gang und gäbe war, neue Punkte in kritischen Fällen durch Rechtsmittel hinauszuzögern. Diesem Spiel auf Zeit hat das Bundesverwaltungsgericht einen Riegel vorgeschoben. Für die gesetzliche Möglichkeit, Punkte durch Seminare und Beratung reduzieren zu können (Straßenverkehrsgesetz Paragraf 4, Absatz 4) sei ausschlaggebend, wann Verstöße begangen werden, und nicht, wann deren Ahndung rechtskräftig ist.

Allerdings bietet der Gesetzgeber trotzdem noch Möglichkeiten, sich rechtzeitig von einem Teil seiner Punkte zu befreien. Nur sollte man möglichst früh damit anfangen: Wer acht Punkte oder weniger auf dem Konto hat, kann durch die Teilnahme an einem freiwilligen Aufbauseminar immerhin vier Punkte streichen lassen. Solche Seminare werden von Organisationen wie TÜV oder Dekra und auch von einigen Fahrschulen angeboten. Der Rabatt wird allerdings um so geringer, je später man anfängt: Bei neun bis 13 Punkten gibt es schon Post vom Amt – mit Verwarnung und Hinweis auf die freiwillige Teilnahme an einem Aufbauseminar. Für die gibt es dann aber nur noch zwei Punkte Erlass. Zwischen 14 und 17 Punkten wird die Teilnahme an einem Aufbauseminar ohne jeden Punkterabatt angeordnet. Der Betroffene kann nur noch dann zwei Punkte gutmachen, wenn er an einer verkehrspsychologischen Beratung teilnimmt. Bei 18 Punkten ist die Fahrerlaubnis dann für mindestens ein halbes Jahr weg.

Erschwerend kommt dabei hinzu, dass im Gegensatz zu früher nicht mehr alle Bußgeldbehörden auf ihren Schreiben ausweisen, ob und wie viele Punkte für einen Verstoß zusätzlich zum Bußgeld in Flensburg eingetragen werden. Deshalb tun Vielfahrer und Führerscheininhaber, denen häufiger Verkehrsverstöße vorgeworfen werden, gut daran, immer wieder mal beim Kraftfahrt-Bundesamt nachzufragen und sich über den aktuellen Punktestand zu informieren. So behält man den Überblick und hat die Möglichkeit, rechtzeitig zu reagieren und Punkte abzubauen. Die Auskunft gibt’s schriftlich, Informationen zum genauen Verfahren stehen im Internet, unter www.kba.de .ddp

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