Führerscheinprüfung : Fahrschüler sollen Theorieprüfung am PC machen

Ab 2008 ersetzen Computer die Fragebögen für die theoretische Führerscheinprüfung. Ein Zufallsprinzip soll Leistungsdruck schaffen. Zuständig bleiben Dekra und Tüv, die die Prüfungen abnehmen.

Thorsten Metzner

BerlinAuf Fahrschüler in Berlin und Brandenburg kommen schwierige Zeiten zu. In beiden Ländern soll schon ab 2008, ein Jahr vor dem übrigen Bundesgebiet, die Führerschein-Theorieprüfung ausschließlich am Computer abgelegt werden. Das haben die beiden Verkehrsstaatssekretärinnen Maria Krautzberger (Berlin) und Dorette König (Brandenburg) am Montag gemeinsam mit der Prüforganisation Dekra angekündigt.

Nach einer Einführungsphase ab Januar wird es ab April 2008 die althergebrachten Papier-Fragebögen bei den theoretischen Fahrprüfungen nicht mehr geben, auf denen man bislang unter mehreren vorgegebenen Antworten sein Kreuz richtig setzen muss. Zuständig bleiben Dekra und Tüv, die die Prüfungen abnehmen. „Die PC-Prüfung ist absolut zeitgemäß. Wir können die Vorteile des Computers – wie vereinfachte Auswertung oder besseren Schutz vor Manipulationen – voll nutzen“, sagte Krautzberger. Ihre Brandenburger Kollegin König verspricht sich vor allem mehr Verkehrssicherheit, da Fahranfänger in Brandenburg überdurchschnittlich oft in schwere Unfälle verwickelt sind. Das Land ist ein Negativ-Spitzenreiter in der Verkehrsunfallstatistik. Obwohl die Altersgruppe Führerscheinneulinge nur acht Prozent der Bevölkerung ausmacht, verursacht sie rund 25 Prozent der Unfälle mit Verletzten.

Die Neuerungen treffen viele. Jedes Jahr machen in Berlin rund 55 000 Menschen, im Flächenland Brandenburg mit seinen weiten Wegen sogar 75 000 Menschen den Führerschein. Bislang gibt es für die Pkw-Theorieprüfung 30 verschiedene Fragebögen, die zumeist bekannt sind. Geheim sind die Lösungsschablonen. Die Reihenfolge der Auswahl-Antworten ist statisch. Bei der neuen PC-Prüfung wird das anders sein. Aus den 900 möglichen Fragen, die bundesweit gelten, werden dann nach Zufallsprinzip in individueller Reihenfolge die Fragen, vor allem aber auch die möglichen Antwortvorgaben zusammengestellt. Jeder Bogen auf dem Bildschirm wird dadurch anders.

„Wer bisher gut gelernt hat, wird nicht mehr tun müssen“, betonte Gerd Neumann, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH, die das System entwickelt hat. „Aber auswendig lernen, wo das Kreuz vor den möglichen Antworten zu stehen hat, lohnt künftig nicht mehr“. Wer das tue, den werde es treffen. Das könnte insbesondere für Fahranfänger in Brandenburg durchaus problematisch werden. Schon heute fallen hier rund 39 Prozent durch die theoretische Prüfung, nur in Mecklenburg-Vorpommern ist die Quote noch höher. In Berlin sind es 30 Prozent. Und die hohe Durchfall-Quote liegt, wie das Brandenburger Verkehrsministerium untersucht hat, nicht an den Fahrschulen: „Deren Qualität ist gut.“ Vielmehr werde die Theorieprüfung häufig zu leicht genommen. Dass die Hürden höher werden, ist Kalkül. „Leistungsdruck ist erforderlich, um die Qualität zu erhöhen“, betonte König. Sollte sich die Durchfallerquote erhöhen, müsse das in Kauf genommen werden.

Das neue System ist bereits in Cottbus und an drei Stellen in Berlin erprobt worden. Es erleichtere zudem fremdsprachige Fahrprüfungen, weil kein Dolmetscher mehr nötig sei, betonte Neumann. Einen Nachteil hat es allerdings: Die Kosten und damit die Gebühren für die Theorieprüfung steigen von bisher rund neun Euro auf etwa 20 Euro. Gemessen an den 1000 bis 2000 Euro, die für die Fahrschule insgesamt zu berappen sind, machen sie aber nur einen Bruchteil aus.

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