G-Klasse von Mercedes : Die unendliche Geschichte

Die G-Klasse von Mercedes trotzt den üblichen Zeitläuften – wir haben uns die neue AMG-Version näher angeschaut.

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Die Kante lebt: Auch nach mehr als 30 Jahren ist der G von Mercedes eine Klasse für sich.
Die Kante lebt: Auch nach mehr als 30 Jahren ist der G von Mercedes eine Klasse für sich.Foto: Hersteller

Israel und Ägypten beenden ihren seit 1947 andauernden Kriegszustand und erkennen sich gegenseitig an; Margret Thatcher wird neue britische Premierministerin; Michael Ende veröffentlicht seinen Bestseller "Die unendliche Geschichte" – und Mercedes bringt den G. Einfach G wie Geländewagen. Wir schreiben das Jahr 1979. Diesen Geländewagen gibt es noch heute. Optisch kaum verändert, steht er trotzig aufrecht im Wind wie die Eiger Nordwand. Mit seiner Ehrfurcht gebietenden Kantigkeit ragt der G heraus aus der glatt gebügelten Masse neuzeitlicher Autos - so wie der 125jährige Eiffelturm.

Mit stabilem Leiterrahmen und den Starrachsen, die sich so stark verschränken können, dass einem Angst und Bange wird, ist er ein echter Offroader. Einer, dem kaum ein anderer auf seinen abenteuerlich-abseitigen Wegen folgen kann. Einer, der Ungeübten richtig Angst machen kann, weil er dort rauf oder runter kommt, wo viele nicht mal hinschauen können.

Aufstieg statt Einstieg

Steigen wir ein. Einsteigen? Nein, das gestaltet sich angesichts der hohen Trittstufe zu einem Aufstieg. Ein dezenter Hinweis darauf, ein ganz besonderes Auto zu fahren. Jetzt sitzt man sozusagen in der dritten Etage und sieht Dinge, die man sonst nicht wahrnimmt. Der G ist ein Zauberer, der den Reiz des Klassischen ins Heute transferiert. Darin liegt die magische Anziehungskraft dieser Zeitmaschine – einer Zeitmaschine, die in Kombination mit AMG der von Orson Welles Konkurrenz macht.

Der brandneue G 63 AMG donnert aus dem Gestern unvermittelt ins Heute. Jeder der V8-Biturbo-High-Tech-Motoren ist ein Unikat, wird von nur einem Mechaniker von Anfang bis Ende in Handarbeit gefertigt und bekommt seine Namensplakette: In unserem Testwagen steckt der Motor von Michael Kuhl. 5,5 Liter Hubraum, 544 PS, 760 Newtonmeter bei 200 bis 5000 Touren. Verbrauch laut Mercedes 13,8 Liter. Theoretisch! Böse grollend faucht der V8 aus den vier Sidepipes. Das kann ja heiter werden. Wird es auch. Wo diese rollende Festung mit ihrem Donnerhall auftaucht, bleiben Passanten stehen und gucken. Interessiert. Entgeistert. Kopfschüttelnd. Begeistert. Dieser G lässt keinen kalt. Wie langweilig ist dagegen ein Ferrari. G-Fahren entpuppt sich als in Erinnerung bleibende Erfahrung. Wie spielerisch der V8-Biturbo mit den 2,55 Tonnen umgeht, registriert der Bauch, nicht aber der Kopf. Irreal.

Brav in den Kurven

Die Geländefähigkeiten des G sind außergewöhnlich. Der Preis allerdings auch.
Die Geländefähigkeiten des G sind außergewöhnlich. Der Preis allerdings auch.Foto: Hersteller

Allerdings können auch die AMG-Techniker nicht zaubern. Die beiden Starrachsen und die historische Kugelumlauflenkung sowie die Walzen vom Format 275/50 R 20 lassen sich nicht einfach so "wegkonstruieren": Die Lenkung des G 63 AMG vermittelt mit ihrer Schwergängigkeit und der Ungenauigkeit eher das Gefühl, einen Bus zu fahren. Da heißt es, sich in Kurven zu zähmen, um nicht vom rigide regelnden ESP einen Rüffel zu bekommen. Auch federt der G 63 AMG in ganz besonderer Weise; stramm hoppelnd bei Schleichfahrt, viel besser bei Schnellfahrt. Innen ist der Alte ganz neu. Mit dem Wählhebel aus dem Supersportwagen SLS, mit dem neuesten Infotainment-System Command Online, das sich per Smartphone mit dem Internet verbindet und mit jeder Menge hochmoderner Fahrassistenzsysteme aus S- und E-Klasse.

Das alles hat seinen Preis. 85.311 Euro kostet der billigste G mit 211 PS starkem V6-Diesel. Aber den wählen nur gut 20 Prozent. Die anderen entscheiden sich für die V8-Modelle. Das sind – ganz neu – der G 500 mit 388 PS für 99.948 Euro und der von uns gefahrene G 63 AMG mit 544 PS für 137.505 Euro. Übrigens; der Vorgänger G 55 AMG mit 507 PS hatte einen Anteil von 40 Prozent. 6600 G setzte Mercedes im vergangenen Jahr weltweit ab; das war eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 50 Prozent.

Ab sofort gibt es also die neuen Modelle. Und so geht die endlose Geschichte im Sinne von Michael Ende weiter. Mercedes wird die G-Modelle bei Steyr-Daimler-Puch in Graz vorerst bis 2020 produzieren. Doch der Leiter der Geländewagensparte von Daimler, Axel Harries, setzt schmunzelnd noch einen drauf: "Es gibt kein Enddatum!" Also kann es auch noch in vielen, vielen Jahren passieren, dass eines dieser Fossilien an einem auf der Autobahn vorbeidonnert.

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30.01.2014 12:54Mercedes bringt einen neuen SL auf den Markt. Das ist in der schnelllebigen Autowelt durchaus immer noch ein außergewöhnliches...

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