Auto : Ganz groß in Mode

In der französischen Hauptstadt ist gerade zu sehen, was in der Autowelt als schick gilt: Ein Überblick.

Günther Weigel

„Die Zukunft heute“ lautet das Motto des diesjährigen Autosalons in Paris. Diese Zukunft tritt allerdings bescheiden auf und vermeidet große Versprechen. Pure Elektromobilität zum Beispiel, das Hype- Thema der letzten Jahre und Messen, findet natürlich statt, aber sie ist nicht mehr der Branche alleiniger Heilsbringer. Man ist gewissermaßen einen Schritt weiter, indem man einen Schritt zurückgegangen ist. So gewinnen die teilelektrifizierten Hybride wieder an Bedeutung.

Volkswagen zum Beispiel kündigt eine ganze Reihe von Plug-in-Hybriden an, angefangen mit dem teilelektrifizierten Panamera, der bereits im nächsten Jahr dazu beitragen soll, den CO2-Ausstoß der Marke zu minimieren. BMW zeigt mit dem Active Tourer nicht nur, wie künftige frontgeriebene Modelle der Marke aussehen können – durchaus schick übrigens – sondern auch, dass diese mittels Dreizylinder und E-Motor hybridisiert und an der Steckdose geladen werden. Auch der i3 nähert sich langsam seiner Endform. Er dürfte, wenn er im nächsten Jahr auf den Markt kommt, rund 35 000 Euro kosten und damit weniger als bislang kolportiert wurde. Damit läge er knapp unter dem Toyota Prius Plug-in, dessen Serienversion in Paris debütiert. Der Japaner kostet 36 950 Euro. Plug-ins könnten tatsächlich mehr als eine Zwischenlösung sein. Die bisher bekannten Modelle absolvieren die EU-Verbrauchsnorm mit CO2-Werten von 60 Gramm und weniger. Damit lassen sich Flottenverbräuche drastisch senken – zumindest auf dem Papier.

Ganz ohne elektrifizierten Antriebsstrang kommt der VW Golf aus. In seiner sparsamsten Version als Blue Motion emittiert er sogar lediglich 85 Gramm CO2 und verbraucht 3,2 Liter. Werte, die kleinere Autos auf dieser Messe nicht unbedingt schaffen. Dabei sind zwei der Kleinen die eigentlichen Stars der Messe und spielen auf ihrem jeweiligen Stand sogar jeweils eine Solorolle. Opel hat alle anderen Modelle von der Bühne geschubst und überlässt dieselbe dem schicken Kleinwagen Adam in vielen seiner möglichen Erscheinungsformen. Renault wiederum setzt alles auf die Karte Clio und präsentiert der Einfachheit halber nur diesen auf dem Messestand. „Reduce to the max“, der alte Werbespruch von Smart könnte als Motto dieses Verfahrens dienen. Jedenfalls lenken beide Hersteller Journalisten und Fachbesucher nicht unnötig mit Randthemen von ihrem Anliegen ab.

Eine Idee, die auch VW gefällt. Am Stand der Wolfsburger scheint alles Golf. Insgesamt gibt sich der Konzern dezenter als von anderen Auftritten gewohnt und setzt nebenbei auch auf die soziale Karte. Mitten in der Präsentation neuer Modelle erhalten Auszubildende Gelegenheit, das Konzept der Berufsausbildung im VW- Konzern in Europa vorzustellen. Ein cleverer Schachzug: Während andere europäische Hersteller über Werksschließungen und Stellenabbau sprechen, zeigt VW, dass man von derlei Widrigkeiten des Marktes nicht betroffen ist. VW logiert auf dem Pariser Salon inmitten seiner Konzernmarken – aber genau dazwischen hat die Regie Toyota und seine Nobeltochter Lexus platziert, die den Ausbau ihrer Hybridflotte vorstellen. Eine netter Gag am Rande, konkurrieren doch beide Konzern heute und in Zukunft um die Vorherrschaft auf den Automärkten der Welt. VW will in diesem Zusammenhang übrigens jetzt nicht mehr der größte, sondern der beste werden, ein kleiner aber feiner Unterschied, der auch jenseits des Atlantiks, bei General Motors vernommen werden dürfte.

Diesen Anspruch pflegt man auch bei Mercedes. Die Schwaben zeigen in Paris, welche Möglichkeiten die elektrische Mobilität bietet, wenn man auf Kosten keine Rücksicht nehmen muss. Für etwas weniger als eine halbe Million Euro lässt sich ein veritabler Supersportwagen der 750-PS-Liga auf die Räder stellen. Der SLS AMG Electric Drive ist kein Showcar, weil man ihn tatsächlich kaufen kann. Allerdings dürfte die Preisgestaltung einer Verbreitung jenseits von Sammlergaragen eher abträglich sein. Bislang nur ein Showcar ist die Kombiversion des Panamera von Porsche. Der Sport Turismo genannte Plug-in-Hybrid überzeugt stilistisch, zeigt, wie man das neue Thema Shooting Brake auch umsetzen könnte und dürfte dem normalen Panamera das Leben schwer machen, wenn er frühesten 2014 auf den Markt kommt, dann auch als Plug-in-Hybrid.

Einen solchen gibt es von einem anderen Star der Messe nicht. Mit dem Jaguar F-Type setzen die Briten ein Ausrufezeichen unter den Sportwagen. (siehe Beitrag rechts). Dass am Stand der Schwestermarke Land Rover nebenan ein neuer Range Rover debütiert, nimmt man dagegen nur am Rande wahr. SUV sind überhaupt nur ein Randthema dieser Messe. Paris setzt auf Vernunft und dazu passt der Chevrolet Traxx, das Schwestermodell des Opel Mokka. Gemeinsam mit diesem will der kleine Amerikaner das bislang kaum besetzte subkompakte SUV-Segment aufmischen. Eine Stufe darüber rangiert der Volvo Cross Country, der SUV-artige Ableger des V40. Der verspricht neben Geländegängigkeit ein hohes Maß an Sicherheit, was der Verbraucher in unruhigen Zeiten sicher goutiet.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben