Scheckheft für Gebrauchtwagen : Wenn der Traum misstrauisch macht

Der Kauf eines Gebrauchten ist Vertrauenssache. Besonders, wenn er von einem privaten Anbieter kommt sind Interessenten aber oft froh um jeden Beleg, denn der Tacho hat durch den häufigen Betrug an Aussagekraft verloren. Eine mögliche Absicherung ist ein Servicescheckheft. Aber auch darauf sollten Käufer einen kritischen Blick werfen.

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Trau, schau wem: Das Scheckheft ist bei Gebrauchtwagen aus privater Hand eine wichtige Entscheidungshilfe. Wenn es denn vorhanden und sauber geführt ist.
Trau, schau wem: Das Scheckheft ist bei Gebrauchtwagen aus privater Hand eine wichtige Entscheidungshilfe. Wenn es denn vorhanden...Foto: dpa

Blitzblank steht er da, der BMW Z3. Silbern funkelt er in der Sonne, hat mit zehn Jahren keine 50 000 Kilometer auf der Uhr und für nur rund 6000 Euro soll er zu haben sein. „Ein Garagenwagen und ein typisches Sommerfahrzeug“, erklärt der Besitzer. Der Sommertraum vom eigenen Cabrio könnte endlich wahr werden. Doch irgendwie ist das Angebot zu günstig um wahr zu sein. Auch wenn der Lack tadellos ist, das abgegriffene Lenkrad und der marode Sitz sprechen eine andere Sprache. Und ein Scheckheft gibt es natürlich auch nicht.

Diese Situation erleben viele Gebrauchtwagenkäufer. Vor allem, wenn das Traumfahrzeug von einem privaten Anbieter erworben werden soll und schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. „Manipulationen am Tacho sind leider kinderleicht“, erklärt Thomas Pitschi vom ADAC. Der Kilometerstand gibt heute nur noch bedingt Aufschluss über das Alter eines Fahrzeugs. War früher wenigstens noch etwas technischer Sachverstand und eine Bohrmaschine mit Rückwärtslauf notwendig, so genügt heute oft schon ein Notebook mit passendem Stecker.

Enormer Schaden durch Tacho-Betrug

Auf sechs Milliarden Euro schätzt der Autoklub ADAC den jährlichen Schaden durch manipulierte Tachos. Das lässt erahnen, wie viel an Kilometerzählern von Gebrauchtwagen herumgedreht wird. Daher wächst, besonders mit zunehmendem Alter der Fahrzeuge, die Bedeutung des Servicescheckheftes. Diese können als Beleg für eine Fahrleistung herangezogen werden und sind nicht selten neben den Werkstattrechnungen die einzige Grundlage, auf der ein Käufer den Zustand eines Fahrzeugs erahnen kann.

„Verlassen sollte man sich darauf zwar nicht“, sagt Pitschi vom ADAC. „Auch ein Serviceheft kann manipuliert werden.“ Aber gerade mit steigendem Alter eines Fahrzeugs wachse dessen Bedeutung. Fahrzeuge im Alter bis fünf Jahre hätten nahezu alle eine lückenlose Dokumentation vorzuweisen. Danach komme es auf den Besitzer an. Viele vernachlässigen bei steigendem Alter das Serviceheft. Dabei kann auch ein älteres Fahrzeug mit dem Attribut "scheckheftgepflegt" im Wert etwas steigen.

Wichtiges Beweismittel

Umgekehrt kann nicht jeder Halter ein solches möglichst lückenlos geführtes Scheckheft vorweisen. Die guten alten Heftchen, die heute noch jeder Neuwagen mit auf seinen Lebensweg bekommt, gehen gerne mal verloren oder werden nicht sauber weitergeführt. Gleichwohl gelten sie immer noch als ein wichtiges Beweismittel, gerade auch bei Kulanzstreitfällen mit dem Hersteller.

Oft sieht der Traumwagen schön aus und lockt mit einem guten Preis. Aber gerade bei Privatverkäufen sollten Kunden lieber zweimal hinschauen.
Oft sieht der Traumwagen schön aus und lockt mit einem guten Preis. Aber gerade bei Privatverkäufen sollten Kunden lieber zweimal...Foto: dpa

Wem das zu altmodisch ist oder wer nur noch die Rechnungen der geleisteten Arbeiten vorweisen kann, der kann beim Autoservice auf digitale Wege beschreiten. Drivelog heißt ein Service, den Bosch anbietet und der sich als digitales Serviceheft versteht. Hier können Autobesitzer alle Arbeiten an ihren fahrbaren Untersatz eintragen und bekommen zusammen mit den Rechnungen ein Scheckheft in digitaler Form auf dem Computer oder aufs Handy.

Analog oder auch digital

„Wenn die Eintragungen nachvollziehbar sind und alle Rechnungen vorliegen, hat es auch Aussagekraft“, sagt Pitschi. Ob es zum Beispiel vor Gericht Bestand hat, kommt freilich auf den Einzelfall an. Aber bei Gebrauchtwagen kann es für beide Seiten hilfreich sein. Dem Verkäufer dient es als Beleg für das Geld, das er in sein Fahrzeug investiert hat und der potenzielle Käufer kann prüfen, ob Zustand und Fahrleistung plausibel sind. Und der Service, der auch als App für Smartphones verfügbar ist, kann Autobesitzer an anstehende Arbeiten, wie zum Beispiel einen Ölwechsel, erinnern.

Hundertprozentige Sicherheit bringt auch freilich auch ein Serviceheft nicht, egal ob digital oder analog. Denn leider sind selbst Werkstätten nicht selten an den Schummeleien mit Gebrauchtwagen beteiligt. „Ein Käufer sollte immer den gesunden Menschenverstand einschalten“, betont deshalb auch Thomas Pitschi vom ADAC. „Wenn es etwas nicht zusammen passt und nicht stimmig ist, dann lieber Hände weg.“ So wie bei dem BMW Z3 mit der sagenhaft geringen Laufleistung. Knapp 4000 Kilometer pro Jahr sind selbst für ein ausgesprochenes Sommerfahrzeug sehr wenig. Der Verkäufer konnte das Misstrauen letztendlich nicht ausräumen. So blieb zumindest dieser schöne Wagen wirklich nur ein Sommertraum.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


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