Geländewagen : Porsche Cayenne GTS: Bring’ den Dicken um die Ecke

Mit dem GTS hat Porsche einen Cayenne im Sportdress ins Angebot genommen.

Kai Kolwitz
Porsche Cayenne
In der Familie. Die GTS-Front trägt Elemente des großen Bruders Cayenne Turbo. -Foto: promo

Eigentlich geht das Ganze nicht zusammen: Da gibt es auf der einen Seite die Geländewagen – raue Burschen, schwer, wuchtig, mit viel Bodenfreiheit, hohem Schwerpunkt und entsprechender Seitenneigung in den Kurven. Und da gibt es die Sportler: breite Niederquerschnitts-Walzen, die Karosserie tief auf die Straße gezwungen, bis fast die Ölwanne kratzt – alles im Dienst möglichst hoher Kurvengeschwindigkeiten. Unterschiedliche Fahrzeuge für unterschiedliche Anwendungen also.

Aber wer so aufteilt, der vergisst, dass moderne SUVs meist wegen anderer Eigenschaften gekauft werden: Platz, Übersicht und das (manchmal trügerische) Gefühl von Sicherheit, das einem dicke Stoßstangen und jede Menge Blech an allen Ecken geben. Da kommt schnell die Frage: Wenn man mit so etwas sowieso nicht ins Gelände fährt, warum sollte man es dann nicht für den sportlichen Asphalteinsatz optimieren? Tuner, die Antworten liefern können, machen seit Jahren gute Geschäfte.

Bei Porsche will man diesen Markt nicht mehr allein den Nachrüstern überlassen – und hat deshalb mit dem GTS eine Modellvariante ins Programm genommen, die den Cayenne in Richtung Straßensport rücken soll. So trägt der jüngste Spross der Familie jede Menge Testosteron am Körper: Front und Heck sind vom Turbo geborgt, dazu kommen mächtig ausgestellte Radhäuser, die Platz bieten für breite 21-Zoll-Felgen mit 295er Reifen. Um die Fahreigenschaften zu verbessern und die Optik noch bulliger zu machen, liegt der GTS außerdem 2,4 Zentimeter tiefer auf der Straße als die „normalen“ Brüder, wer Luftfederung ordert, darf sich über weitere neun Millimeter freuen. Hinzu kommt eine „Sport“-Taste, durch die Motorsteuerung, Dämpferabstimmung und Schaltcharakteristik verändert werden. Außerdem dreht der Auspuff den Sound dann in Richtung kernig – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Da bleibt die Frage: Wie sportlich kann man denn unterwegs sein mit dem von der Abstimmung her sportlichsten aller Cayennes? Ziemlich, lautet die Antwort. Denn der Porsche kommt angesichts seiner SUV-Gene schon ziemlich beeindruckend um die Ecken. Vor allem dann, wenn elektronisch einstellbare Dämpfer und Wankstabilisierung an Bord sind, die die Seitenneigung des Brockens in Kurven minimiert.

Wer allerdings denkt, im GTS tiefergelegten 3er BMWs zeigen zu können, wo der Hammer hängt, der liegt schief. Denn die Physik lässt sich nur begrenzt überlisten: Immer noch liegt der Schwerpunkt höher als bei einer normalen Limousine, wer die Zuladung des Cayennes ausreizt, landet bei rund drei Tonnen Fahrzeuggewicht. Und das merkt man immer dann, wenn sich der Fahrzustand ändert: Ob beim Bremsen oder Einlenken, der GTS wirkt wie ein verdammt gut optimiertes, aber immer noch schweres und hohes Auto.

Über die Beschleunigung lässt sich ähnliches sagen: Zwar wurde der Achtzylinder aus dem Cayenne S für den Einsatz im GTS von 385 auf 405 PS Leistung gesteigert. Doch dabei darf man nicht vergessen, dass der Neue mächtig viel Fahrzeug in den Wind hält. Mit 6,1 Sekunden (Schaltgetriebe) ist der Wert für den Sprint von null auf 100 zwar hoch respektabel und bei einer Endgeschwindigkeit von 253 km/h dürften auf der Autobahn wenig Probleme auftauchen. Doch der gefühlte Vortrieb ist, vor allem dann, wenn man den Wagen nicht ausdreht, sehr sehr gut. Aber nicht atemberaubend.

Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen: Sollte irgendwann mal eine Rennserie nur für Sport-SUVs eingeführt werden, dann dürfte der Cayenne GTS vom Handling her fast alle anderen hinter sich lassen. Aber gelegentlich fragt man sich beim Fahren schon, warum man einem Offroader mit immensem konstruktiven Aufwand Fahreigenschaften anerzieht, die sich in Nicht-SUVs viel leichter erreichen ließen. Andererseits leben wir in einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft – und der Cayenne ist mit dem 911 gemeinsam weltweit Porsches wichtigster Umsatzbringer. Dass der Hersteller da die Sportvariante nachlegt, ist nichts anderes als natürlich.

Aber noch eine Frage lässt sich stellen: Warum trägt der am aggressivsten gestylte Cayenne eigentlich nicht auch die stärkste Maschine im Motorraum? Die Begründung ist einfach und heißt: Marketing. Sehr groß war die Lücke zwischen dem 66 000 Euro teuren Cayenne S und dem gut Turbo, für den Porsche 108 000 Euro aufruft. Da lag es nahe, mit dem 76 725 Euro teuren GTS noch ein Modell dazwischen zu schieben. Wer es kauft, der muss auch mit dem Benzingeld planen: 13,9 Liter beträgt der Normverbrauch des Geländesportlers laut Werk (332 g CO2/km), während des Tests auf nicht allzu extrem gefahrenen Landstraßen landeten wir bei 16,9 Litern. Und wer den GTS im reinen Kindergarten-Supermarkt-Einsatz betreibt, der muss sich selbst nach Werksangaben auf mehr als 20 Liter pro 100 Kilometer einstellen.

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