Auto : Gemischtwagenhandlung

Crossover sind Mode – wir haben ausprobiert, ob der FX von Infiniti trotzdem etwas Besonderes ist

von
Neue Figur. Die rundlichen Formen setzen sich im Inneren fort. Die Tasten für das Navi „liegen“ vor dem Bildschirm – typisch für Infiniti und die Mutter Nissan. Fotos: promo
Neue Figur. Die rundlichen Formen setzen sich im Inneren fort. Die Tasten für das Navi „liegen“ vor dem Bildschirm – typisch für...

Die trauen sich was! Mitten in der Krise hat Infiniti seine Zelte in Deutschland aufgeschlagen und damit ein neues Kapitel für Nissan: Von deren Edelmarke ist hier die Rede; wir kennen so eine Brüderschaft aus Japan bereits, Toyota und Lexus haben es mit zuletzt mäßigem Erfolg vorgemacht. Infiniti setzt weniger auf alternative Antriebe, dafür auf Emotion. Das Design der Marke fällt aus dem Rahmen, mehr noch: es polarisiert – aber genau das könnte der Schlüssel zum Erfolg sein.

Nehmen wir den FX: Der offeriert fett ausgewölbte Kotflügel, feiste Lüftungsschlitze, scharfzüngige Scheinwerfer und insgesamt eine Linienführung, die den Stempel Crossover brutalstmöglich auf den Asphalt drückt. Unten SUV, oben Sportwagen. Versucht haben das vom Mazda CX-7 bis zum BMW X6 schon einige. Aber derart auf die Spitze getrieben hat es noch keiner. Infiniti setzt damit auf eine einfache 50-Prozent-Chance wie beim Roulette: Entweder das Teil zwingt einen auf der Stelle, sich näher damit zu befassen. So war es beim Autor dieser Geschichte. Oder es gibt Hiebe auf den ersten Blick – so wie bei der mitfahrenden Freundin, die das Puristische dem Verschnörkelten unerbittlich vorzieht.

Und nach dem Einsteigen? Da sind sich beide einig. Das Innere hat Schwung – auch wenn dem vielen Leder wie immer bei den Asiaten die letzte Noblesse fehlt und uns die Kunststoffe weniger schmeicheln als in einem Audi. Der Wagen ist geräumig, auch hinten; der Kofferraum mit 410 Litern Volumen dürftig. An Bord ist serienmäßig vieles, was bei Konkurrenten die Das-kostet-aber-extra-Liste verlängert. Dazu zählt das Festplatten-Navi genauso wie das Bi-Xenon-Licht und die Assistenten fürs Spur- und fürs Abstandhalten. Vorsicht also bei der Prospektschau: Kaliber wie der Q7 oder der BMW X5 schneiden im Vergleich zur günstigsten Infiniti-Version GT (57 350 Euro) um zwei-, dreitausend Euro besser ab. Bei gleicher Ausstattung können sie aber gut und gerne einen Zehntausender teurer sein.

Billig fühlt sich der Allrad unterwegs deshalb nicht an, im Gegenteil: Der 238 PS starke Sechszylinder-Diesel läuft derartig samten und vibrationsfrei, dass einem das Herz aufgeht. Gut, unten rum merkt man dem FX seine 2,2 Tonnen an; und ja, vergleichbare Turbos aus Bayern haben noch mehr Schmackes. Aber untermotorisiert ist der Fernost-Drumm keineswegs. Seine Stärke ist fraglos das druckvolle Gleiten – wobei die Karosse bei jedwedem Tempo bis 212 km/h satt und sicher liegt. Wer den Infinity-Werbern folgt und den FX für die Kurvenhatz bucht, dem sei die aktive Hinterradlenkung empfohlen, die in der S-Ausstattung ebenso dazugehört wie die breiten und demnach weniger komfortablen 21-Zöller.

Auf unseren Probierstrecken verbrauchte der FX-Diesel bei durchaus zügiger Fahrweise knapp 11 Liter. Wer zu einem der beiden Benziner mit 320 PS (V6/ab 57 550 Euro) oder 390 PS (V8/ab 74 650 Euro) greift, muss natürlich mit Schlimmerem rechnen – doch kaufentscheidend ist das in dieser Liga längst nicht. Eines der ersten Infiniti-Zentren in Deutschland steht in Berlin: Am Salzufer.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben