Genfer Autosalon : Mehr Auto-Couture als Prêt-à-porter

Supersportwagen, Luxuskarossen und SUV soweit das Auge reicht – Der 86. Autosalon in Genf setzt auf altbekannte Themen und Tugenden.

Frank Wald
16 Zylinder und 1500 PS – untermotorisiert ist der Bugatti Chiron kaum zu nennen.
16 Zylinder und 1500 PS – untermotorisiert ist der Bugatti Chiron kaum zu nennen.Foto: Promo

Die ganze Autowelt spricht über Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung. Zu sehen gibt es davon auf dem diesjährigen Genfer Automobilsalon (03-.13. März) jedoch nur wenig. Super-Sportwagen und Luxuslimousinen mit teils unmoralischen Leistungen zu ebensolchen Preisen prägen das Bild in den Palexpo-Messehallen am Lac Leman. Und natürlich die SUV, die sich erfolgreich vermehren und immer neue Hersteller auf den Plan rufen.

Gleich mehrere Modelle der High-Wheels-Fraktion stehen in Genf erstmalig auf der Showbühne. Audi etwa präsentiert mit dem kantigen Q2 den neuen Einstieg in seine SUV-Familie. Das nur 4,19 Meter kurze SUV soll ab Herbst vor allem jüngere Kunden mit Infotainment und Konnektivität locken. Wo die Ingolstädter schon das fertige Serienmodell ins Rampenlicht fahren, begnügt sich die Wolfsburger Konzernmutter VW noch mit Fingerübungen für einen Polo-SUV. Die Cabrio-Studie T-Cross Breeze ist kaum mehr als ein Aufmerksamkeit heischender „Teaser für das kompakteste Sport Utility Vehicle, das es von Volkswagen geben wird“, sagt Designchef Klaus Bischoff. Auch Konzerntochter Skoda beschränkt sich beim kommenden Groß-SUV noch auf die 4,70 Meter lange Studie Vision S mit Plug-in-Hybridantrieb.

Bugatti Chiron mit 1500 PS und 420 km/h

Lange nur unbeteiligter Zuschauer, reiht sich dafür ab Herbst auch Seat mit dem Ateca in die SUV-Schar ein. Der 4,36 Meter kurze Spanier auf Basis des Tiguan soll zu Preisen ab 19 990 Euro Nissan Qashqai oder Renault Kadjar die Kunden streitig machen. Und selbst ein Maserati will jetzt mit dem Levante auf dem renditeträchtigen Markt gegen BMW X4, Porsche Cayenne und Jaguar F-Pace mitmischen. Der sportlich gestylte Italo-SUV wird von V6-Turbos mit Leistungen zwischen 350 und 430 PS angetrieben und soll ab 70 000 Euro kosten. Weiter auf der SUV-Welle schwimmen in Genf Neuauflagen wie der Ford Kuga, der aber erst Anfang 2017 kommt, der Opel MokkaX, ab Sommer mit neuem 150 PS-Turbobenziner sowie die Crossover-Studien Subaru XV Concept und Toyota C-HR.

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Das sind die Hingucker beim Autosalon in Genf
Das sind die Hingucker beim Autosalon in Genf

Traditionell gehören die Bühne in den Hallen der Palexpo allerdings den Supersportwagen und Luxuskarossen. Die neue Krone, bei den fahrbaren Serienmodellen, gehört hier dem Bugatti Chiron mit 16-Zylinder-Motor, schier unmoralischen 1500 PS und – elektronisch abgeregelten – 420 km/h Spitze. Die Serie ist auf 500 Exemplare limitiert, jedes für netto 2,4 Millionen Euro – ein Drittel ist schon weg. Dagegen erscheinen die neuesten Mitglieder im Zwölfzylinder-Club wie der Lamborghini Centenario mit 770 PS, der Ferrari GTC4Lusso mit 690 PS oder der Aston Martin DB11 mit 608 PS schon fast wie lahmes Geflügel. Zu den Sportwagen gesellen sich die kaum weniger potenten Luxuslimousinen wie das BMW-Topmodell, der M760Li Xdrive mit 610 PS starkem Zwölfzylinder oder der Bentley Mulsanne, gleich in drei Ausführungen mit 537 PS starkem V8-Motor.

Auch Maserati steigt mit einem Luxus-Geländewagen in den umkämpften Markt ein.
Auch Maserati steigt mit einem Luxus-Geländewagen in den umkämpften Markt ein.Foto: Promo

Der Vergleich mit den großen Modenschauen drängt sich auf. Schön schrill und abgefahren, aber wo sind in der glitzernden Auto-Couture die tragbaren Versionen für den Alltag? Doch es gibt auch die Prêt-à-porter-Modelle. Vor allem die vielen Kombis fallen auf. Kia hat mit dem Optima Sportswagon erstmals einen Mittelklasse-Kombi mit 553 Liter Kofferraum im Gepäck. Opel bringt mit dem Sportstourer die Rucksackversion des Astras, der in Genf zum „Car of the Year 2016“ gekürt wurde. Bei Renault räumt der neue Renault Mégane Grandtour 580 Liter Gepäck und bis zu 2,77 Meter lange Gegenstände hinter seine Heckklappe. Auch die vierte Generation des technisch davon abgeleiteten Kompaktvans Scénic schleppt bei voller Fünfer-Bestuhlung noch 572 Liter Gepäck mit. Und als besonders hübsches Highlight der Genfer Kombi-Nationen schließlich hat der Volvo V90 just vor Ort einen Designpreis für seine vollendete Linienführung einheimsen können. Ab Juli wird der Nachfolger des Schweden-Bestsellers V70 ausschließlich mit Vierzylinder-Motoren von 190 bis 320 PS zu Preisen ab 45 000 Euro ausgeliefert.

Helden des Alltags

Im Schatten der Genfer Glanzlichter finden sich noch weitere Helden des Alltags. Der Fiat Tipo etwa, als gut ausgestattete Limousine mit 520 Liter Kofferraum bereits für kleines Geld (ab 13 990 Euro) zu haben, soll demnächst auch als Schrägheck und Kombi folgen. Suzuki bringt zum Frühjahr den Baleno, ein kompaktes Fließheckmodell mit zwei Benzinmotoren. Und auch das baugleiche Transporter-Trio Toyota Proace, Peugeot Traveller und Citroen Space Tourer, in drei Längen eigentlich für Handwerk und Gewerbe gedacht, stellt mit speziell ausgerüsteten Pkw-Ausführungen für Familien mit großem Platzbedarf eine günstige Alternative zu VW Multivan und Mercedes V-Klasse dar.

Auch in Genf zu sehen: der Audi Q2, ein kompakter SUV.
Auch in Genf zu sehen: der Audi Q2, ein kompakter SUV.Foto: Promo

Am Ende blüht im hinteren Eck der Halle 1 doch noch ein grünes Pflänzchen, das nicht unerwähnt bleiben soll: der Hyundai Ioniq, eine gefällig-geräumige Fließhecklimousine, die mit drei alternativen Antrieben angeboten wird. Ab der zweiten Jahreshälfte soll sie in Deutschland wahlweise rein elektrisch mit Polymer-Akku und 250 Kilometer Reichweite oder als 141 PS starke Hybridversion zu haben sein. Ab 2017 soll noch eine Plug-in-Hybrid-Variante folgen. Grüner wird’s in Genf gerade nicht.

Der Volvo V90.
Der Volvo V90.Foto: Promo

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