Auto : Gib’ Gas

… und zwar guten Gewissens: Die LPG-Version des Opel Insignia belegt, wie sich die Alternative Autogas rechnen kann.

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Keine Angst!
Keine Angst!

Lassen wir Visionen mal beiseite, auch wohlfeile Ankündigungen und unfinanzierbare Exoten. Halten wir uns für einen Moment an die Wirklichkeit im Sommer 2012: Die Verbrennungsmotoren sind die Regel; echte, bezahlbare Alternativen wie die Elektroautos werden reichlich besprochen, aber mangels Angebot und Kaufkraft kaum gefahren. Zugleich gehen die Spritpreise auf Bergtour, klar, in den Ferien ist das immer so, der kollektive Urlaub motiviert die Ölmultis. Dieses Dilemma will Opel sich zunutze machen – mehr denn je.

Zwar ist das, was die Rüsselsheimer im Kampf gegen die teure Realität anzubieten haben, ein alter, alternativer Hut: LPG , in der Umgangssprache gerne auch Auto- oder Flüssiggas genannt. Aber bemerkenswert ist die Konsequenz, mit der Opel die bekannte Energie aus der Umrüst-Nische herauszuholen versucht: Nach Corsa, Meriva und Astra bietet die Marke jetzt auch das Mittelklasse-Modell Insignia als Autogas-Variante an – als Limousine steht es für mindestens 28 150 Euro in der Liste. Der 1.4 Turbo LPG ecoFlex ist damit rund 2000 Euro teurer als der „normale“ 1,4-Turbo.

Ob sich diese Investition lohnt? Nicht nur Opel sagt mit Blick auf Vielfahrer „Ja“. Für Kunden etwa, die mit LPG um die 30 000 Kilometer im Jahr fahren, amortisiert sich die Investition nach nicht einmal zwei Jahren. Die Rechnung dahinter ist ebenso schlicht wie einleuchtend: Autogas tankt der Kunde für knapp die Hälfte gegenüber des Benzinpreises, weil der Staat sich mit 9,7 Cent Mineralölsteuer je Liter begnügt. Zum Vegleich: Beim Liter Benzin schluckt der Fiskus 65 Cent. Für private Vielfahrer und scharf rechnende Flottenmanager könnte Opels LPG-Offensive den entscheidenden Ausschlag geben, nun endlich auf eine verfügbare Aternative umzusteigen. Dass LPG-Autos bis zu 20 Prozent mehr Sprit verbrauchen, ist in der Amortisationsrechnung berücksichtigt. Zu Umweltsündern werden Autogas-Fahrer dennoch nicht. Wegen des geringeren Kohlenstoffanteils wird deutlich weniger CO2 emittiert (beim Corsa zum Beispiel 127 g/km statt 146 g/km). Andere Vorurteile, die über LPG kursieren, lassen sich leicht widerlegen: Man verliert keinen Platz (der Tank sitzt in der Mulde fürs wegfallende Reserverad); man fährt genauso sicher (die Technik überstand alle Crashtests und im Brandfall öffnet sich ein Sicherheitsventil, sodass LPG kontrolliert entweicht) und schließlich: Man muss mit seinem Auto nicht öfter in die Werkstatt als mit einem konventionellen Benziner – also alle 30 000 Kilometer. Für eine LPG-Lösung ab Werk spricht zudem: Zum einen gibt es anders als bei Umrüst-Lösungen die volle Garantie.

Was also spricht für Vielfahrer dagegen, auf LPG umzusteigen? Vielleicht die maue Leistung. Aufgrund seiner geringeren Energiedichte sind flüssiggas-betriebene Autos müde Gesellen. Anders als Erdgas-Autos (CNG-Modelle, die Opel auch im Programm hat), ziehen sie halt nicht so, wie man das gewohnt ist. Dafür hat man beim Tanken weniger Probleme: Während Erdgas-Tankstellen nur mit der Lupe zu finden sind, bieten 42 Prozent aller Tankstellen in Deutschland inzwischen auch LPG-Zapfsäulen an. Mit ein bisschen Koordination sollten selbst große Reisen also kein Problem darstellen – und an das Geschraube am Einlass-Stutzen gewöhnt man sich irgendwann. Sollte es mit der Tour-Planung doch mal schief gehen, bleibt einem das Benzin im herkömmlichen Tank. Der bleibt erhalten – was beim Insignia zu einer Reichweite von 1700 Kilometern führt, von der Elektroautos und Verbrenner nur träumen können. Das Umschalten zwischen LPG- und Benzinantrieb geschieht automatisch oder mit einem Schalter am Armaturenträger. Eine LED-Anzeige im Schalter zeigt den Flüssiggasbetrieb an. Sobald auf Benzinantrieb umgeschaltet wird, erlischt sie. Da die Gastanks des Insignia platzsparend in der Reserveradmulde eingebaut werden, bleibt laut Opel die volle Zuladung erhalten.

Wem gleichmäßiges Fahren ohnehin mehr liegt als Spurten, und wem der Bick ins Portemonnaie wichtiger ist als auf vorbeirennende Verbrenner, der macht mit LPG nichts falsch. Günstiger kann man 2012 nicht fahren: 76 Cent je Liter.

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