Auto : Gib mir ein E

Mitten in die Krise hinein präsentiert Mercedes die kommende E-Klasse. Der Neue gibt sich sparsamer und scharfkantiger

Ingo Hasewend

„E“ steht bei der Autoshow in Detroit in diesem Jahr eindeutig für Elektro. Doch es gibt noch ein E, das gleich am Eingang der Cobo-Messehalle mitten in der Motorstadt steht. Es ist ein ganz reales E und beschreibt die neue zentrale Klasse von Mercedes-Benz.

Im Rahmen der Messe ist sie erstmals präsentiert worden. Und schon beim Rausfahren aus dem Versteck auf die große Bühne ist klar geworden, dass die Zeiten härter werden. Der markanteste Unterschied zu seinem Vorgängermodell fährt vorneweg. Die Augen sind nicht mehr rundlich gemütlich, sondern technisch, kühl und modern. Das Vier-Augen-Prinzip ist nach knapp 15 Jahren bei Mercedes einer neuen Idee gewichen. Es könnte auch als Ausdruck von Stärke in einer zerfallenden Welt gesehen werden. Die Businessklasse darf sich wieder hart präsentieren. Das gesamte Design hat wieder mehr Ecken und Kanten. Damit kehrt Mercedes sichtbar zu seinen Ursprüngen zurück.

Doch die E-Klasse wäre in Detroit verkehrt am Platz, würde sich hinter der neuen harten Maske mit dem vorgestreckten Kühlergrill nicht auch ein weicher Faktor verbergen. Denn die Wagen sollen so sparsam wie nie sein, sagt der Hersteller. Mit einem Luftwiderstand von 0,25 bezeichnet Mercedes das neue Modell als die strömungsgünstigste Oberklasse-Limousine der Welt. Sie liegt damit vier Prozent besser im Wind als das Vorgängermodell. Bis deutlich über 20 Prozent weniger Spritverbrauch als die Vorgänger soll die E-Klasse damit erreichen. Allerdings schafft das dann ein Dieselmotor. Und diese Gattung genießt in den USA immer noch nicht den Zuspruch, der ihr gebührt. Öko ist in den USA gleich Elektro, Diesel fahren in der allgemeinen Wahrnehmung nur die Schmuddelkinder und die Trucks. Gerne verschwiegen wird dabei, dass Emissionen bei Elektromotoren im Kraftwerk entstehen, dass die in den USA oft mit Braunkohle betrieben werden und somit die CO2-Werte real sogar über denen vieler Benziner liegen. Daher betont Mercedes bei der Vorstellung, dass die Motoren der E-Klasse die EU5-Abgasvorschriften erfüllen. Beim E350 BlueTec liegen die Emissionen gar unter den für 2014 geplanten EU6-Limits.

Mercedes hat für die Senkung des Verbrauchs aber nicht nur an den Motoren gearbeitet. Zu den sogenannten „Blue-Efficiency“-Maßnahmen gehören neu entwickelte Reifen, die einen bis zu 17 Prozent geringeren Rollwiderstand haben. Generator, Kraftstoffpumpe, Klimakompressor und Lenkung wurden gegenüber dem Vorgängermodell verbessert. Außerdem hat der E200 CGI eine Start-Stopp-Funktion, die den Motor im Leerlauf abschaltet.

Neben dem Verbrauch zählen bei Mercedes-Kunden aber vor allem die Sicherheitsaspekte. Für die neue E-Klasse sind deshalb noch mehr Assistenzsysteme lieferbar als bisher schon. Mercedes kombiniert außerdem auf hohem Niveau Assistenten und Schutztechnik – bei den Stuttgartern spricht man von einem „denkenden Partner“. Viele der Systeme sind aus der S-Klasse bekannt, auch andere Hersteller konnten bisher schon mit einigen der Goodies dienen. So erkennt das Auto Schilder für Tempolimits und warnt den Fahrer. Bewegliche Objekte werden darauf untersucht, ob es sich bei ihnen um Fußgänger handeln könnte. Das Fernlicht wird automatisch angepasst und der tote Winkel erkannt. Beim Sekundenschlaf soll sogar das Abkommen des Autos von der Fahrbahn verhindert werden: Das Auto weckt den Fahrer. Und bei akuter Unfallgefahr soll ein radargestütztes System die Gefahr erkennen und automatisch eine Vollbremsung auslösen. Kommt es doch zum Unfall, dann sollen die Systeme bei den Insassen und auch bei den An- und Umgefahrenen die Folgen mildern. Erstmals setzt Mercedes deshalb eine „aktive Motorhaube“ ein. Sie hebt sich im Fall eines Unfalles in Millisekunden um 50 Millimeter an und kann so mehr Bewegungsenergie abbauen, vor allem den Aufprall eines Fußgängers mildern. Und, apropos Haube: Ganz so viel riskieren wie bei der C-Klasse mochten die Designer bei der E-Klasse wohl doch nicht. Alle Varianten tragen den Stern auf der Haube, auch die Avantgarde-Version, die beim kleinen Bruder unbesternt vorfährt.

Flottenkunden, Geschäftsfahrzeuge, Taxifahrer – mit der E-Klasse visiert Mercedes ein Marktsegment an, das von der Finanzkrise gebeutelt ist. Doch beim Hersteller gibt man sich optimistisch. Zumal die E-Klasse später noch als Kombi, als Cabrio und als Coupé kommen wird.Wer in Zeiten des scharfen Rechnens eine Hausnummer braucht: Gegenüber den Vorgängern sind die Preise leicht erhöht worden. Minimal kostet E-Klasse-Fahren zum Start gut 41 000 Euro, maximal 67 500 – ohne Extras.

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