Auto : Gleiche Liga, andere Welt

Die beiden Neuen könnten unterschiedlicher nicht sein – schon, weil der Mini Paceman mehr als das Dreifache vom Dacia Sandero kostet.

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Darf man die in eine Geschichte packen? Einmal der Paceman. Siebter Ableger des Mini. Die Inkarnation des Lifestyle. Und dann die zweite Generation des Dacia Sandero. Eine Ausgeburt der Bescheidenheit, der blanke Verzicht. Zufällig rollen die Töchter von BMW und Renault ihre Neulinge beinahe zeitgleich ins Rampenlicht. Spannend ist das schon deswegen, weil sich die beiden Wägelchen an den Polen der Kleinwagen-Klasse bewegen: Dacia ist stolz auf den günstigsten Neuwagen Deutschlands (nackte Basis ab 6990 Euro); Mini preist seinen Hochpreisling als Erfindung einer neuen Gattung: Der Paceman (ab 23 800 Euro) sei ein Sports Activity Vehicle Coupé. Klingt nett – verwirrt Fachfremde aber spätestens dann, wenn sie einen Blick auf den Mini-Hof werfen: Da tumnmeln sich nämlich schon sechs Versionen; der „normale“ Mini, das Cabrio, der kombiähnliche Clubmann, der Roadster, das Coupé und der rustikale Countryman. Der ist erst seit einigen Monaten unterwegs, offeriert vier Türen und bietet nach einem Besuch auf der Streckbank für Mensch und Ladung mehr Platz als man ihm zutraut. Das kommt gut an, grenzt aber wegen der arg betonten SUV- Optik all jene Kleinfamilien aus, die finden, dass ein Mini vor allem sportlich anzumuten hat. Genau hier setzt Mini Nummer sieben an: Der Pacemann ist breiter gezeichnet, hat nur zwei Türen, sein abfallendes Dach und das abgeschrägte Heck erinnern an ein Coupé. Ansehnlich, keine Frage. Sieht man vom Zustieg ab, hat die Schönheitsoperation den Fondspassagieren nicht unbotmäßig geschadet. Die Entwickler haben die Sitze etwas abgesenkt.

Auch Dacia hat bei seinem Kleinsten Hand angelegt und aus dem blass-schüchternen Sandero I einen gefällig-selbstbewussten Sandero II gemendelt. Die Basis blieb unverändert – aber das, was man sehen, anfassen, fahren kann ist deutlich besser geworden. Das fängt bei der Dämmung an, geht weiter beim flotten, aber sparsamen Dreizylinder aus dem neuen Clio und gipfelt in Materialien, die denen im Paceman nicht nachstehen. Ja, richtig gelesen: Minis Kunststoffe sind bei allem Premium-Gerede genauso so hart und genauso schlicht wie die im Dacia.

Inzwischen haben auch die Rumänen gelernt, wie man mit ein bischen Chrom hier und einem schicken Drehregler dort das Einfachste kaschiert. Das Teuer nicht automatisch Besser bedeutet, belegt das günstige Media-Nav: Mit USB-Buchse, Bluetooth-Freisprecher und großem Farbbildschirm kostet das einwandfrei arbeitende Teil 180 Euro. Schier unglaublich, bedenkt man, dass Mini und fast alle anderen Hersteller dafür an die 2000 Euro aufrufen – bei nahezu gleicher Leistung. Allein diese Demokratisierung eines nützlichen Luxus hat den Oskar verdient.

Ein Narr also, wer den Mini nimmt, dafür aber drei Sandero stehen lässt? Natürlich nicht. Zwischen den Sitzen, den Aufrüst-Optionen, dem Motoren-Angebot und vor allem dem Fahrwerk liegen Welten. Vielen ist das lieb und deshalb auch teuer. Insofern: Sorry. Die x-te Variante eines leistungsstarken Go-Karts und die Optimierung eines weitgehend spaßfreien Brot-und-Butter-Autos passen am Ende dann doch nicht in eine Geschichte.

Was die beiden Modelle im Einzelnen bieten, lesen Sie unten auf dieser Seite.

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