Auto : „Glückliche Phase“

Wie verkauft man Autos im Reich der Mitte? Wir haben den Chef von Audi China gefragt.

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Foto: Metzler
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DIETMAR VOGGENREITER ÜBER DIE

DIMENSION DES AUTOMARKTES CHINA

„Hier in China wurden im letzten Jahr mehr als 12,3 Millionen Autos verkauft. Damit ist dieser Markt viermal so groß wie der deutsche. Aber klarer wird die Dimension noch, wenn man unsere Steigerungsraten ins Verhältnis setzt: 2011 haben wir 85 000 Audi mehr verkauft als im Jahr davor – wir haben also so viele Fahrzeuge zusätzlich an den Mann gebracht wie es in Frankreich in einem Jahr insgesamt der Fall ist. Für Audi China bedeutet das: Wir müssen im Blitztempo Strukturen aufbauen, die in Europa über Jahrzehnte wachsen konnten. Auch deshalb erlebt jeder von uns, der hier mitmacht, eine Zeit ungeheurer Intensität.“

UND DARÜBER, WIE AUDIS

STAMMWERKE IN CHINA MITHELFEN

„Allein 2012 planen wir für die Händler in China 70 000 Trainingstage. Da helfen uns natürlich Erfahrung und Programme der Audi-Akademie. In der Produktion sind wir eng verzahnt – vom Werkzeugbau über die Ausbildung bis zur Qualitätskontrolle. Vor jedem Serienstart schicken wir Chinesen nach Deutschland; dann kommen deutsche Meister und Werker zu uns. Dauerhaft kümmern sich im Stammwerk etwa hundert Kollegen ausschließlich um die Produktionsplanung in China. Am Ende wird jedes Teil, das hier produziert wird, in Ingolstadt oder Neckarsulm freigegeben – unser Qualitätsstandard ist also absolut gleich.“

Dietmar Voggenreiter ist ein fröhlicher Mensch. In der letzten Zeit lacht er noch mehr als gewohnt – die Geschäfte von Audi laufen aber auch einfach zu gut. Voggenreiter hat in China den Hut auf. Im letzten Jahr hat seine Mannschaft hier mehr als 300 000 Autos verkauft; eine Rekordmarke, die sich am besten einordnen lässt, wenn man nachschlägt, wie viele Autos es waren, als der Manager seinen Job in Asien 2006 antrat: 80 000.

Das Wachstum des chinesischen Automarktes schwächt sich zwar ab, aber zweistellig ist es noch immer. Besonders die Premiums profitieren vom Wohlstand einer neuen Oberschicht. „Eine glückliche Phase“, sagt Voggenreiter und schiebt das Verkaufsziel fürs Jahr 2015 hinterher: 700 000 Autos. Von denen will man natürlich möglichst viele direkt in China produzieren. Nur so lassen sich die 25 Prozent Einfuhrzoll sparen, die das clevere Regime für Importe erhebt. Bis jetzt baut Audi in China den Q5 sowie die Langversionen von A4 und A6 – in zwei neuen Werken sollen bald der Q3 und eine Version des A3 hinzukommen.

DARÜBER, WAS ES AUSMACHT,

AUTOS IN CHINA ZU VERKAUFEN

„Wir Deutsche lassen uns erst beraten und suchen ein neues Auto zu Hause in aller Ruhe aus. Und dann bestellen wir das konfigurierte Wunschmodell. Anders unsere chinesischen Kunden: Die kommen ins Autohaus und wollen ihr Wunschfahrzeug gleich mitnehmen. Das ist hier noch ausgeprägter als in Amerika. Für die Händler ist das nicht leicht: Sie müssen viel mehr Autos vorrätig haben als in Europa. Dafür ist natürlich die Liste der wählbaren Extras viel kürzer. Fast alles läuft über fertige Ausstattungspakete. Am Rande: 90 Prozent unserer Kunden sind Privatleute. Und 80 Prozent der Autos werden auf einen Schlag bezahlt.“

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