Auto : Große Klappe, der Kleine

Den Peugeot 207 gibt es jetzt auch als Kombiversion – obwohl er nicht viel größer geworden ist

Kai Kolwitz

Seltsam eigentlich. Wer im Kleinwagensegment unterwegs ist und nach klassischen Kombis Ausschau hält, der findet dort eine Auswahl vor, die alles andere ist als reichhaltig. Lieber gehen die Hersteller bei ihren Kleinsten in die Höhe à la Opel Agila oder verweisen gleich ganz auf die Familienschiffe der Golf- oder Passat-Variant-Dimension. Dabei haben die Kleinen mit der ganz großen Klappe durchaus ihre Vorteile: Brauchbare Ladekapazität paart sich mit Außenabmessungen, die die Wagen auch in die Parklücke vor dem Kindergarten passen lassen, vor der der Vorausfahrende im Mondeo Turnier gerade kapituliert hat. Und dass sich mit den kleinen Großen ein paar Scheine sparen lassen – gerade im Familienbetrieb dürfte das wohlwollend zur Kenntnis genommen werden.

Bei Peugeot hält man dem Konzept schon lange die Treue. Und so ist es nur logisch, dass seit kurzem nach Schrägheck und Cabrio nun auch eine Kombiversion des Peugeot 207 bei den Händlern steht. Den Radstand teilt sich der 207 SW mit dem konventionellen Bruder, auch in der Länge sind gerade mal 12,6 Zentimeter dazu gekommen. Allerdings hätte man aus dem Bauch heraus getippt, dass der Unterschied größer ist, als ihn die Zahlen kennzeichnen – vor allem natürlich deswegen, weil beim Design des Kombi-Hecks Ladevolumen vor Schnittigkeit ging und der Dachabschluss deshalb deutlich steiler in den Himmel ragt als bei der Schrägheck-Limo.

In Zahlen schlägt sich das wie folgt nieder: 337 Liter Kofferraumvolumen sind 67 mehr als beim Schrägheck. Legt man die Rückbank um, wodurch sich das Gepäckabteil mit wenig mehr als einem Handgriff in eine völlig ebene Ladefläche verwandeln lässt, dann sind es 1258 Liter, schon 335 Liter mehr als beim Normal-207. Zum Vergleich: Der Skoda Fabia Combi, der immer noch mit der Karosserie des Vorgängers der aktuellen Limo auskommen muss, steckt 426 und 1225 Liter weg, eine Klasse höher bietet der Golf Variant allerdings schon 745 und 1550 Liter Ladevolumen.

Dafür kann Peugeots kleiner Großer im Innenraum richtig punkten: Die Verarbeitung wirkt wertig und fasst sich gut an. Nichts rappelt, selbst dann nicht, wenn es in forschem Tempo über einen „schlafenden Gendarmen“ geht (so heißen in Frankreich, wie wir seit der Präsentation des Wagens wissen, die geschwindigkeitsreduzierenden Buckel auf der Fahrbahn), die Sitze sind kommod, die gute Dämmung lässt nur wenig von Motor- und Umweltgeräuschen durch, und die weit nach vorn gezogene Frontscheibe sorgt für gutes Raumgefühl.

Für die hinteren Sitze haben die Designer einen Kunstgriff übernommen, den sich Peugeot im Minivan-Segment abgeguckt hat: Die Rückbank liegt höher und ein bisschen weiter hinten als im Schrägheck. Da der Kombi auch insgesamt etwas weiter in den Himmel ragt, sitzen auch Erwachsene in der zweiten Reihe, ohne den Kopf einziehen zu müssen – und können sich so voll auf den innigen Kontakt konzentrieren, den die Schienbeine mit dem Vordersitz aufnehmen, falls der Fahrer etwas größer ist. Aber das dem 207 SW vorzuwerfen, wäre nicht fair – immerhin befinden wir uns immer noch im Kleinwagensegment.

Zum Start bringt Peugeot den 207 SW mit insgesamt fünf Motoren, von denen vier bereits aus den anderen Modellvarianten bekannt sind. Neu ist einzig der 1,4-Liter-Benziner mit 16 Ventilen und 95 PS, den Peugeot-Mutter PSA gemeinsam mit BMW entwickelt hat und für den die Bayern variable Ventilsteuerung und -hub auf der Einlassseite spendiert haben. Den Motor macht das zu einem ausgesprochen agilen Triebwerk, das richtig gut am Gas hängt, konstant durchzieht und bei höheren Drehzahlen mit dezent-kernigem Sound zu Werke geht. Dann allerdings wird der von Peugeot angegebene Verbrauch von 6,3 Litern Super (entspricht 150 Gramm CO2 pro Kilometer) endgültig zur theoretischen Größe: zwei Liter mehr sind es dann locker. Auch der 1,6-Liter-Benziner stammt aus der französisch-bayerischen Kooperation, als Einstiegsmodell dient ein 1,4-Liter mit 73 PS. Zwei Diesel mit Partikelfilter und 90 sowie 109 PS komplettieren das Angebot – auch der von uns ausprobierte größere der beiden spricht spontan an und lässt in puncto Fahrspaß nichts zu wünschen übrig.

12 800 Euro kostet mit Basis-Benziner und -ausstattung bis Ende September der Einstieg in Peugeots kleine Kombi-Welt, genau so viel, wie auch für das fünftürige Schrägheck zu zahlen ist. Ab der 1 750 Euro teureren Tendance-Ausstattung gehören Panoramadach, einzeln zu öffnende Heckscheibe und manuelle Klimaanlage mit zum Umfang. Pädagogisch nicht wertvoll ist allerdings Peugeots Entscheidung, den Wagen mit Komfort vollzustopfen, sich das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, das echten Sicherheitsgewinn bringt, aber mit 460 Euro extra bezahlen zu lassen (Serie nur in Sport-Ausstattung). Trotzdem bleibt unter dem Strich: mehr Platz bei wenig mehr Länge zum gleichen Preis wie das Schrägheck – was spricht eigentlich gegen einen kleinen Kombi?

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