Auto : Großes Kleinklein: Die Ka-Frage stellt sich neu

Heute startet die Neuauflage des Baby-Ford. Wir haben schon mal eine Runde gedreht

Stefan Jacobs

Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch Autos: Als der Ford Ka 1996 auf den Markt kam, wurde er mit Ahs und Ohs und Preisen überschüttet. Dabei steckte in dem schicken Outfit ein ganz normaler Kleinwagen; weder besonders geräumig noch allzu sparsam oder anderweitig revolutionär. Die Revolution hatte schon drei Jahre vorher in Frankreich stattgefunden – und den Renault Twingo hervorgebracht: außen XS, innen L.

Nachdem Renault den Twingo durch einen grundsoliden Langweiler ersetzt hat, wurde es auch Zeit für einen neuen Ka. Der wird im selben polnischen Werk gebaut wie der Fiat 500, bei dem der Knuddelfaktor bekanntlich serienmäßig ist. Der Ka dagegen ist kein bisschen Retro, sondern von vorn ganz klar ein nagelneuer Ford, von der Seite ein Ei und von schräg hinten, nun ja, ein Ebenbild des dreitürigen Opel Corsa. Diese Mischung reicht nicht unbedingt für Liebe auf den ersten Blick, aber Vertrauen erweckt sie allemal.

Der Eindruck bestätigt sich beim Einsteigen, sofern man dabei nicht die ungeschützte Tür ans Nachbarauto stößt. Auf knapp geschnittenen, aber bequemen Sitzen thront man in einer Plastiklandschaft, die so tut, als bestehe sie teilweise aus Stoff und teils aus Aluminium. Angesichts von Preisen um die 10 000 Euro ist dieser Kompromiss aus Geiz und Glanz optimal.

Der erfreuliche Unterschied zwischen preiswert und billig zeigt sich auch unterwegs: Nichts klappert und knarzt, zumindest bis Tempo 100 heult kein Sturm um die Ecken, und das Motörchen brummt zwar gut hörbar, aber nicht unangenehm. Letzteres gilt auch für den Diesel, der dem Benziner erstaunlich ähnelt: gleiche Beschleunigung, gleiches Höchsttempo, ähnliche Getriebeabstufung. Die Gänge flutschen vor allem dank des weit oben platzierten Schalthebels wunderbar, auch die Federung macht ihrem Namen Ehre. Das Beste aber ist die ebenso leichtgängige wie direkte Lenkung, die auch an der Grenze zwischen sehr schnell und zu schnell noch ein sicheres Gefühl vermittelt. Je enger die Kurven, desto besser, zumal der Ka extrem wendig ist. Schade nur, dass sich dieser Trumpf beim Einparken nicht ganz nutzen lässt, weil von der Motorhaube nichts zu sehen ist, so dass man angesichts der kratzempfindlichen Stoßstangen lieber einmal mehr zurücksetzt und kurbelt. Auch die Sicht nach schräg hinten ist lausig. Umso segensreicher sind die großen Außenspiegel.

Wer zügig um die Kurven fährt, wird von den Sitzen ebenso gehalten wie vom Beifahrer, der ungewohnt dicht neben einem sitzt. Man könnte sich sogar unterhaken beim Fahren; für Dicke ist der Ka zu schmal. Für dicke Koffer übrigens auch, aber zumindest eine große Tasche passt in das Loch hinter der Rückbank. Wobei man das meiste wohl ohnehin auf die Rücksitze werfen wird, weil dort im Ka bestimmt niemand sitzen mag und weil die Heckklappe mangels Knopf nur mit dem Schlüssel zu öffnen ist. Das nervt – selbst wenn andere Kleinwagen größere Marotten haben.

Und die Revolution? Ist Fords Sache nicht. Der Ka ist weder die sparsamste noch die innovativste Neuigkeit auf dem Markt. Aber in der Summe seiner Eigenschaften trotzdem eines der besten Autos für Stadt und Wochenendausflug, die zu bekommen sind – ab diesen Sonnabend.

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