Gutachten : Berliner fahren häufiger Auto

Rückgang im Nahverkehr um acht Prozent bis 2020

Berlin - Die Berliner werden in Zukunft erheblich seltener mit Bahnen und Bussen fahren – und dafür häufiger ins Auto steigen. Nach einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gehen die Fahrgastzahlen – auch bei fast gleichbleibenden Einwohnerzahlen – im Nahverkehr bis zum Jahr 2020 um acht Prozent zurück; die Pkw-Fahrleistung werde dagegen um 15 Prozent steigen. Daran werde sich dann auch bis 2050 nicht mehr viel ändern.

Deshalb sei es auch nicht notwendig, weitere Schienenstrecken zu bauen; mit Ausnahme der bereits fest geplanten U-Bahnlinie U 5 vom Alexanderplatz über den Pariser Platz zum Hauptbahnhof und der S-Bahnstrecke S 21 vom Nordring zum Hauptbahnhof. Beschlossen hat der Senat auch den Bau mehrerer Straßenbahnstrecken – vom S-Bahnhof Adlershof in die Wissenschaftsstadt sowie von der Invalidenstraße zum Hauptbahnhof. Auch auf Straßenneubauten könne weitgehend verzichtet werden. Lediglich Engpässe sollten noch beseitigt werden. Wichtig sei, die vorhandenen Anlagen instandzuhalten.

Die Verkehrsbetriebe verlieren nach dem Gutachten Kunden, weil, anders als heute, mehr Frauen einen Führerschein haben werden und weil der Anteil der Auto fahrenden Rentner erheblich steigen wird. Obwohl auch die Zahl der Rentner unter den Fahrgästen stark zunimmt – sie steigt von fünf auf 13 Prozent – behalten nach der Prognose die Erwerbstätigen mit 43 Prozent den höchsten Anteil an den Fahrten im Nahverkehr.

Das DIW hatte im Auftrag der BVG untersucht, wie sich die demografische Entwicklung mit der zunehmenden Zahl älterer Menschen auf den Nahverkehr auswirken wird. Es wäre aber falsch, aus diesem Wandel abzuleiten, das Angebot im Nahverkehr künftig vor allem seniorengerecht zu gestalten, warnte das DIW.

Die BVG hält unabhängig davon nach Angaben ihrer Sprecherin Petra Reetz daran fest, möglichst in allen U-Bahnhöfen einen Aufzug einzubauen. Heute ist damit nur rund ein Drittel der 170 Stationen ausgestattet; bei der S-Bahn sind es über 80 Prozent der 165 Stationen. Zudem wolle man den älteren Menschen so attraktive Angebote machen, dass sie auch dann mit Bahnen und Bussen fahren, wenn sie ein eigenes Autos haben, sagte Reetz weiter. So denkt man bereits an besondere Seniorenkarten, die weniger kosten als Normalfahrscheine. kt

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