Auto : Hauptsache, alle sind gut untergebracht

Worauf es in einer Familie ankommt, wissen auch die Autohersteller – viel Platz zu halbwegs bezahlbaren Preisen. Mit diesem Anspruch kommen jetzt zwei neue Vans zum Händler: Der neue (Grand) Scénic von Renault und der Verso von Toyota

Eric Metzler
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als einem Dutzend Staufächer. Fotos: promo

Noch gar nicht so lange her, da standen die Vans bei den Familien dort, wo sie hingehören: vorm Haus und in der Wunschliste ganz oben. Inzwischen, Sie ahnen es, haben die unvermeidlichen SUV die Branche aufgemischt – und das, obwohl sie spätestens ab Kind Numero zwei unpraktischer sind. Im Verhältnis zum täglichen Nutzen sind sie auch teurer. Zahl, Anordnung und Verstellmöglichkeiten der Sitze betrifft das genauso wie den Fach-pro-Mitfahrenden-Faktor. Die beiden Autos, die wir uns heute anschauen, bringen es zusammen auf mehr als 30 Ablagen, Netze und Flaschenhalter; in einem Cayenne oder X3 kann man die Helferlein an einer Hand abzählen. Wer je mit dem eigenen Wagen und der ganzen Korona in den Urlaub gependelt ist, weiß, wovon hier die Rede ist: Das Große ergibt sich aus dem Kleinen. Auf diesen Trichter kommen sicher wieder mehr Leute, wenn der Trend zum Q-irgendwas endgültig passé sein wird. Die Hersteller jedenfalls schöpfen schon neue Hoffnung. Kein Zufall, wenn dieser Tage eine ganze Riege neuer Familiengrößen erscheint. Zwei davon haben wir uns angesehen: den Verso von Toyota und den Renault Scénic.

WAS WAR UND WAS IST:

DIE FAMILIENGESCHICHTE

Die Franzosen machen es einem schwer, die Sache zu begreifen. Der Scénic begründete das Segment; in den Achtzigern, als Chryslers Voyager noch allein auf weiter Flur war. Der Scénic war damals Mitglied der Familie Mégane. In der zweiten Generation beförderte man ihn zu einem eigenständigen Modell; mehr noch, es gab Zuwachs, den Grand Scénic mit mehr Länge und mehr Sitzen. Nun stellt Renault die dritte Auflage vor – wieder als „Scénic“, hinter dem sich aber vor allem der neu entwickelte „Grand Scénic“ verbirgt. Bislang war die große Variante die Ausnahme. Jetzt wird sie umgewidmet zur Regel. Auch Toyota denkt neu. Früher hießen die praktischen Ableger einiger Modelle Verso. Jetzt fährt er solo: Der Verso hat sich selbstständig gemacht.

ERSTE ANNÄHERUNGSVERSUCHE:

DER BLICK AUFS DESIGN

Schwer zu sagen, ob Toyota im Lastenheft neben der Eigenschaft vernünftig auch unauffällig und bieder stehen hatte. Wenn ja, haben die Gestalter einen perfekten Job gemacht. Renault experimentiert zwar inzwischen weniger als in der Vergangenheit, kommt aber immer noch mutiger und flotter daher. Auffällig sind der schmale Schlitz in der Haube und die winkelförmigen Heckleuchten. Auch innen gefällt uns der Scénic besser, seine Materialien wirken schlicht wärmer. Im Verso hat uns trotz Sonne gefröstelt.

JEDEM DAS SEINE:

DER PRAKTISCHE NUTZEN

Beide kommen mit fünf verschiebbaren Sitzen, lassen sich aber zu Siebensitzern aufrüsten. Das Konzept für alle hinteren Plätze ist verschieden. Beim Verso lässt sich alles planeben wegfalten; im (Grand) Scénic kann man die Sitze leicht zu Tischchen umklappen oder – ein bisschen mühsamer – komplett herausbauen. Mehr Ladegut passt dann in den Scénic (bis 2083 Liter). Einkaufspakete dürfen aber auch im Verso bis zu 1,83 Meter lang sein. Kopf- und Kniefreiheit sind abgesehen von den Options-Plätzen jeweils gut; auch an der Übersicht haben wir nichts zu meckern.

VON HAUS ZU HAUS:

LEISTUNG & FAHREINDRUCK

Hier wie dort: Den Motorenentwicklern ist ein Kompliment zu machen. Im Scénic heben wir den turbogeladenen TCe 130 hervor.Was dieser Benziner aus 130 PS und 1,4 Litern Hubraum macht, hätte früher einem Zweiliter zur Ehre gereicht – und das bei einem Verbrauch von 7,3 Litern (173 g CO2). Im Verso funktioniert das Prinzip „mehr Leistung, weniger Sprit“ ebenso – schon beim 1,6-Liter-Basis-Benziner, aber erst recht beim TopDiesel mit 177 PS und einem beachtlichen maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern (Verbrauch 6 Liter, 159 g CO2). Komfortabel und Pkw-ähnlich fahren sich beide. Die Sitze im Scénic sind besser; die Windgeräusche im Verso lauter. Geschmackssache ist der neuartige, gestochen scharfe Digitaltacho des Franzosen.

KOST UND LOGIS:

DIE RECHNUNG BITTE

Beim Einstiegspreis hat Renault die Nase vorn. So, wie der neue Scénic seit einigen Tagen beim Händler steht, gibt es ihn ab 20 200 Euro – wenn man bedenkt, dass der Vorgänger Grand Scénic 1800 Euro teurer war, ein echter Kampfpreis. Die kurze, klassische Version des langjährigen Marktführers, die es weiter geben soll, erscheint im Juni und wird mit mindestens 19 100 Euro veranschlagt. Das Basismodell Expression verfügt über Radio, Klima, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung und elektrische Fensterheber auch hinten. Bemerkenswert ist die Navi-Lösung im Luxe-Modell des Scénic: Darin kommt eine feste Einbau-Lösung von tomtom zum Einsatz. Die funktioniert zwar zuverlässig, passt aber grafisch nicht zum Tacho daneben. Dem günstigsten Toyota Verso ab 21 150 Euro fehlt die Klimaanlage; die ist erst ab Ausstattungslinie „Life“ an Bord. Bei der sind dann auch sieben Sitze und Alus serienmäßig. Insgesamt streckt sich Renault mit seiner Preisgestaltung mehr zur Decke als Toyota – die Japaner liegen mit Blick auf den Touran schon auf Volkswagen-Niveau. Wer sich vorläufig für keinen der beiden Mehr-als-ein-Kombi entscheiden kann, mag im Juni den dritten Weg einschlagen: Dann erscheint ein Crossover von Peugeot, der 3008. Der ist zwar nicht arg schön, aber spannend (Bericht folgt).

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