Auto : Haute Couture

Unterwegs im Alltag – heute mit einem britischen Schönling: Der Evoque ist nicht billig, aber gut und individuell.

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Gegenprobe. Unser Autor mag eigentlich keine SUV: zu schwer, zu durstig, zu teuer. Das ist der Range Rover Evoque auch – und trotzdem ist bei diesem Fahrzeug manches anders.
Gegenprobe. Unser Autor mag eigentlich keine SUV: zu schwer, zu durstig, zu teuer. Das ist der Range Rover Evoque auch – und...

Auf den ersten Blick.....

hat sich hier ein Exponat moderner Kunst auf die Straße verirrt. Mit dem Evoque beschert Land Rover der Gegenwart einen Gruß aus der Zukunft – wahlweise mit fünf Türen oder als Coupé mit derer drei. Gewiss, die allgegenwärtigen SUV versuchen in den letzten Jahren durch die Bank, dem Biedermeier zu entkommen. Aber keiner inszeniert sich derart aufreizend wie der Evoque: große Räder, schmale Sehschlitze, hoher Stand mit flacher Kabine. Wüsste man nicht, dass es so viel Kompromisslosigkeit tatsächlich zu kaufen gibt, man hielte ihn noch immer für ein Concept Car, bei dem es die Zeichner mal so richtig krachen lassen, weil man auf das wahre Leben ausnahmsweise keine Rücksicht nehmen muss.

Pluspunkte gibt es vor allem für....

den inhaltlichen Spagat zwischen Tradition und Moderne: Land Rover verhilft seiner Allrad-Kompetenz auch beim Evoque zur Ehre. Dank des ausgereiften „Terrance-Responce“-Systems kommt der Wagen weder auf Glitsch noch über Stolpersteine ins Straucheln: Der Fahrer wählt am Drehregler die Beschaffenheit des Untergrunds und freut sich, wie perfekt die Traktion jeweils ausbalanciert wird. Auf den zweiten Drehregler in der Mittelkonsole kann man gut und gerne verzichten: Zum einen macht die Handschaltung ihre Sache gut, zum anderen ist die verfügbare Sechsgang-Automatik längst nicht mehr Maß der Dinge. Der 190-PS-Diesel unseres Testwagens SD4 erwirbt sich das Prädikat „Idealbesetzung.“ Er läuft wunderbar leise, zieht immer dann kräftig davon, wenn man ihn braucht und lässt sich angesichts des permanenten 4x4 vertretbar sparsam fahren (knapp neun Liter im Zwei-Wochen-Durchschnitt). Für die Dämmung zeigt der Daumen ebenso nach oben wie für das fein austarierte Fahrwerk: Der Evoque ist hart genug, um dem dynamischen Outfit gerecht zu werden. Zugleich federt er die meiste Unbill der Straße effektiv und schaukelfrei weg.

Weniger Charme hat...

die Preisliste. Wie uns zwei freundliche Händler bestätigen, darf man den Einstiegs-Diesel eD4 mit 150 PS getrost als Lockangebot bezeichnen: Einen Land Rover mit „Frontantrieb kauft nun mal kaum einer“. Für die Mehrheit beginnt der Spaß demnach bei 36 300 Euro aufwärts. Dafür gibt es die leidlich gut ausgestattete Version „Pure“, die nach intensivem Studium der zahllosen Extras schreit und schnell zu einer traurigen Erkenntnis führt: Mit verführerischem Luxus und teils schwer verdaulichen Ausstattungspaketen greift Land Rover tief in die Taschen der Evoquisten. Wer an dieser Stelle nicht aussteigt: Unser Favorit ist die mittlere Ausstattungslinie „Dynamique“, die dem progressiven Charakter des Modells am besten gerecht wird.

Das spannendste Detail...

ist noch in Arbeit und kommt zum Bedauern aller Beteiligten erst den Käufern der nächsten Evoque-Generation zugute: eine gescheite Bedienung für Klima, Navi und Medien. Die Umstandskrämerei des aktuellen Systems ist im Vergleich zu anderen Premium-Herstellern eine nervenaufreibende Zumutung, die neben vielen Usability-Fragen im Detail auch eine grundsätzliche aufwirft: Warum hat man das niemanden mit gesundem Menschenverstand ausprobieren lassen, bevor es in Serie ging? Am Rande: Mit der ersten Überarbeitung des Evoque Anfang nächsten Jahres wird es auch eine Neun-Stufen-Automatik geben.

Unterm Strich...

fährt der Evoque lässig in die Liste unserer Lieblingsautos. Der Brite sieht unverschämt gut aus. Und von sehr schnellen Kurven abgesehen fährt er auch so. Doch schade, schade: Mit Allrad, 190 PS und einer schnieken Ausstattung geht unter 50 000 Euro wenig. Vielen ist es das wert: Der Evoque hat sich im Programm von Land Rover zum unangefochtenen Bestseller entwickelt. Eric Metzler

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