Auto : Herzlich willkommen in der Plastikwelt

Das ungewöhnliche Design des Sebring

Sabine Beikler

Man nehme Starbucks Banana Java Chip Frappuccino Blended Coffee, eine Tüte New Blair’s Death Rain Cheddar Cooked Potato Chips Big, setze ein Stars ’n’ Stripes-Basecap auf und öffne die Tür des neuen Chrysler Sebring: herzlich willkommen in der amerikanischen Plastik- und Pappwelt. Nur der erste Schock nach dem Blick in den Innenraum ist nicht mehr so groß wie beim Vorgängermodell: Früher war der Sebring mit Billigplastik ausstaffiert, heute ist er schon „etwas“ besser verarbeitet. Allerdings sind Alu-Flächen, Hartplastik und Schildpatt-Optik nur etwas für Liebhaber schlichteren Stils. Mut und Geld zur schöneren Gestaltung haben offenbar gefehlt.

Chrysler wirbt unter anderem mit dem „attraktiven Design für Karosserie und Innenraum“ und der „eleganten Linienführung“. Wuchtig, ausdrucksstark ist das Auto zwar, doch haben die Designer wenig Stringenz gezeigt. Der typische Chrysler-Grill vorne, vier etwas zu groß geratene Scheinwerfer, breite Rückleuchten, die bis in die Kofferraumhaube hineinreichen: Von vorn erinnert der Sebring an den Crossfire, von hinten aber an ein x-beliebiges japanisches Modell. Es fehlt der echte, individuelle Pfiff.

Mit der 4,85 Meter langen Stufenheck-Limousine will der Autohersteller in der oberen Mittelklasse erstmals mit einem neuen Dieselmodell – der Motor wurde bei VW zugekauft – Käufer akquirieren. Und Chrysler muss sich nach dem Verkauf an Finanzinvestor Cerberus etwas einfallen lassen, um in Europa besser Fuß zu fassen und sich vom amerikanischen Markt unabhängiger zu machen. In Deutschland liegt der Marktanteil bei hauchzarten 0,5 Prozent.

Dazu gelernt haben die Amerikaner bei der Fahrdynamik des überarbeiteten Sebring: Die Federung ist stabil ausgerichtet. Nur bei sehr rasanten Kurvenfahrten tritt ein schwammiges Fahrgefühl bei dem 1,8 Tonnen schweren Fahrzeug ein – trotz Bremsassistent, Antriebsschlupfregelung und ESP. Der gefahrene 2-Liter-Turbo-Dieselmotor mit 140 PS kommt auf knapp über 200 km/h. Aber nur äußerst behäbig beschleunigt der Fronttriebler in 11,1 Sekunden auf 100 km/h. Mit 6,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer hat der Sebring aber einen sehr passablen Durchschnittsverbrauch. Das manuelle Sechsganggetriebe (im Benziner Fünf-Ganggetriebe) lässt sich geschmeidig schalten. Die Übersetzungen sind gut aufeinander abgestimmt.

Attraktiv werden Sebring, Dodge und Jeep-Neuwagen durch das angebotene Rundum-Sorglospaket, das Garantieleistungen für vier Jahre zuzüglich eines Mobilitätsservices anbietet. Serienmäßig gibt es ABS, ESP, sechs Airbags und die Reifendrucküberwachung (Tire Pressure Monitoring TPM), die in US-Neuwagen vorgeschrieben ist. Auch der Preis ist in der Klasse günstig: Den Benziner gibt es ab 24 500, den Diesel ab 26 600 Euro.

Und da wäre noch ein echter Vorteil, den der Sebring den Fans des American Lifestyle bietet: Fettige Rückstände der Cheddar Cooked Potato Chips werden von fleckenunempfindlichen Sitzbezügen in den unerotischen beige-braunen Farben „Slate Gray“ oder „Pebble Beige“ aufgesogen. Wer seinen Starbucks Banana Java Chip Frappuccino Blended Coffee temperieren lassen will, erhält auf Wunsch Cupholder, die Getränke bis zu 60 Grad Celsius aufheizen oder bis zwei Grad Celsius herunterkühlen. Wenn das nichts ist . . . Sabine Beikler

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