Hightech in der Windschutzscheibe : Mercedes in den Wolken

In Las Vegas war zu sehen, wie sich das Gehirn der Autos in Zukunft entwickeln wird. Immer mehr Informationen werden dem Fahrer zur Verfügung gestellt. Die Windschutzscheibe wird dabei immer mehr zum Display.

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Vernetzt hinter der Scheibe: Abhängig vorm Ort werden künftig auch Informationen aus Sozialen Netzen eingeblendet.
Vernetzt hinter der Scheibe: Abhängig vorm Ort werden künftig auch Informationen aus Sozialen Netzen eingeblendet.Foto: Hersteller

Die Stuttgarter haben uns auf der Spezialmesse in Las Vegas mal in ihre technologische Glaskugel blicken lassen, um uns ihre Version zu zeigen, wie man zukünftig Auto fahren dürfte. Das wird nicht mehr, wie heute, ein reines Fortbewegungsmittel von A nach B sein. Aus dem Automobil wird eine Auto-Mobilität – quasi ein Smartphone auf Rädern. DICE (Dynamic Intuitive Control Experience) nennt Mercedes das Cockpit des Autos der Zukunft, das zum intelligenten und mitdenkenden Mobilitätspartner des Autofahrers mutiert.

Und wie? Die Frontscheibe wandelt sich zur iPad-Oberfläche, das Armaturenbrett zum Riesendisplay, das Informationen zur Fahrzeugumgebung, Fußgängern, anderen Autos, interessanten Orten, Restaurants und so weiter digital in Echtzeit präsentiert. Das System steuert man per Gesten oder Sprache. Führt die Fahrt zum Beispiel an einem Club vorbei, kann man mit einer Handbewegung die Musik, die dort gerade gespielt wird, per Life-stream ins Auto übertragen. Oder man lässt sich Infos zu einer Brücke oder zu einem Bauwerk einblenden. Alles, was man vor sich sieht – ähnlich wie bei einer beliebten App auf dem iPhone. Oder man kann über das Menü Social sich jene Freunde zeigen lassen, die sich gerade in der Nähe des Autos aufhalten. Vielleicht trifft man sich spontanzu einem Kaffee? Die iPad-Frontscheibe kann aber auch vor einer Kreuzung "um die Ecke sehen" – indem Infos von anderen herannahenden Autos einblendet werden. Oder, ein weiteres wichtiges Sicherheitselement, das eigene Auto warnt automatisch ein ihm folgendes vor einem Stauende oder vor einer Glatteisstelle.

Mercedes-Chef Zetsche bei seiner Rede auf der CES in Las Vegas. Gerade für Premium-Hersteller wird die Vernetzung des Autos mit anderen Geräten immer wichtiger.
Mercedes-Chef Zetsche bei seiner Rede auf der CES in Las Vegas. Gerade für Premium-Hersteller wird die Vernetzung des Autos mit...Foto: Hersteller

Erste Ergebnisse auf dem langen Weg zum Smartphone auf Rädern gibt es bereits. Nach dreijähriger Forschungsarbeit wird Mercedes (zusammen mit seinen Partnern Audi, BMW, Opel, VW, Bosch und Continental sowie einigen Hochschulen) ab Frühjahr den weltweit größten Feldversuch zur Car-to-X-Kommunikation mit 120 Fahrzeugen im Rhein-Main- Gebiet starten. Dabei "unterhalten" sich die Autos; sie rufen Daten von Ampeln sowie anderen Info-Punkten ab. Das erweitert ihren telematischen Horizont. Beispiele gefällig? Sie können den nächst gelegenen freien Parkplatz angezeigt bekommen. Oder das Hirn des Autos blendet dem Fahrer die Info ein: Wenn Du konstant 42 km/h fährst, bleibst Du in der grünen Welle und sparst so und soviel Sprit. Oder die Ampel bleibt noch 54 Sekunden auf Rot. Du solltest dem Motor ausschalten.

Erste Mercedes-Modelle (B-, C-, E- und M-Klasse) fahren bereits "in den Wolken". So verfügt die im Herbst 2011 eingeführte B-Klasse über die jüngste Generation von Command online, allerdings zum stolzen Preis von 3118 Euro. Völlig kostenlos hingegen sind die pro Jahr zehn bis 15 zusätzlichen Mercedes Benz-Apps, welche den Serviceumfang ständig erweitern. Dafür muss das Auto nicht mal in die Werkstatt; diese Apps werden aus dem Cloud, also der Datenwolke von Mercedes über eigene sicherere Serververbindungen automatisch aufgespielt. So kann selbst ein mehrere Jahre alter Gebrauchtwagen auf dem neuesten Kommunikations- und Sicherheitsstand gehalten werden. Bislang verbinden sich Smartphones mit dem Auto per Bluetooth; ein umständlicher Prozess bei den vielen Standards. Ab Mitte 2012 bietet Mercedes das iPhone Interface Plus als optimale Andockverbindung an, die viele Möglichkeiten dieses Taschencomputers nutzen kann. Besitzer von Android-Handys müssen ein Jahr länger auf das System Near Field Communication (NFC) warten. Die Übertragungsdistanz reicht bewusst nur fünf Zentimeter weit, um das Ganze abhörsicher zu machen. Umständliche Gerätesuche, Auswahl und Austausch des Pass-Codes wie bei Bluetooth entfallen. Smartphone einfach an die per NFC-Logo gezeichnete Fläche halten, und der rollende Mobilitätspartner ist bereit.

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1 von 123Foto: dpa
06.01.2012 09:31In der Autobranche haben die Korken letztes Jahr besonders laut geknallt. Ein Rekordjahr ging für die Branche zu Ende....

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