HIN & WEG : Je später der Motor

Unterwegs im Alltag – heute mit einem japanischen Crossover, den es endlich auch als Diesel gibt

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Auf den ersten Blick…

kommt es bei diesem Mazda mehr als bei vielen anderen Autos auf die Perspektive an: Whow, sagen die mit dem halbvollen Glas in der Hand, endlich mal ein SUV, der nicht so kantig, sondern elegant daherkommt. Die anderen stellen das halbleere Glas kopfschüttend zur Seite: Oh Gott, was für ein klobiges Teil! Wenn die Urteile über ein Modell so auseinander driften, spricht alles dafür, dass die Designer ihren Spezial-Auftrag für den CX-7 perfekt erledigt haben: Einen Crossover sollten sie schaffen; eine neumodische Gattung, die ihre Individualität daraus bezieht, dass sie von allem etwas im Blech trägt: SUV, Coupé, Limousine, Kombi.

Pluspunkte gibt es vor allem für…

die überfällige Entscheidung des Importeurs, dem durstigen 2,3-Liter-Benziner in Europa einen ebenso ausgereiften wie sauberen Selbstzünder zur Seite zu stellen. Der 2,2-Liter-Turbodiesel ist mit einem speziellen Katalysator ausgestattet, der die Abgase von giftigen Stickoxiden befreit. Der Motor passt trotz einer klitzekleinen Anfahrtschwäche richtig gut zu diesem schweren Oschi – wiegt immerhin 1,8 Tonnen, der kleine Japaner. Schon bei 2000 Umdrehungen produziert der Common-Rail sein maximales Drehmoment von 400 Newtonmeter; ein Wert, den man sich nicht merken muss; wichtiger ist das Empfinden, da schiebt wer anständig an. Außerordentlich gut hat uns die Laufruhe des Motors gefallen. Gerade bei mittlerem Tempo auf der Autobahn verdient sich das Euro- 5-Aggregat das Prädikat „seidenweich“. Unser Verbrauch im Alltag fiel mit gut acht Litern noch vertretbar aus. Das Fahrwerk bietet einerseits guten Komfort, ist aber andererseits und gottlob nicht amerikanisch, sondern sportlich ausgelegt. In Verbindung mit der knackigen Sechsgang-Schaltung und der erfreulich direkten Lenkung ergibt sich so ein freudvolles Handling, dass man bei einem derart großen Auto nicht erwarten würde.

Weniger Charme hat…

die Anfass-Qualität der verwendeten Materialien. Der Kunststoff im Armaturenträger, die alulackierten Teile, selbst das Leder – alles sieht im ersten Moment besser aus, als es sich im zweiten anfühlt. Schade ist das auch deshalb, weil es an der reinen Verarbeitung nichts zu meckern gibt. Schief gegangen ist das Experiment, einem großen Auto mit winzigem Navi den rechten Weg zu weisen: Das kleine Display sitzt zwar schön weit oben, wirkt aber in der Weite des Plastiks wie ein mickriger Witz. Der vergleichsweise günstige Preis von 720 Euro tröstet da nicht wirklich – dann lieber gleich eine externe Lösung. Weitere Mali: Die Klimaanlage ist stark, aber zugig; die Sitze bieten zuwenig Seitenhalt.

Das spannendste Detail…

verbirgt sich im Kofferraum. Wagt man mit dem allradgetriebenen CX-7 mal einen Ausflug in matschiges Geläuf, nimmt ein drehbarer Ladeboden hinterher die nassen Schuhe und allen weiteren Schmutz klaglos auf – die Unterseite ist wasserdicht und hart im Nehmen.

Unterm Strich die richtige Wahl für…

alle, die einen BMW X6 nicht haben wollen oder nicht haben können. Auch der CX-7 lässt sich dynamisch fahren und bietet einer Familie ordentlich Platz. Aber anders als bei den Bayern beginnt Mazdas Spaß schon bei knapp 30 000 Euro. Gut, ganz und gar premium ist der Mazda nicht. Nicht mal eine Automatik gibt es – dafür aber auch keine Preisliste, für die es ein eigenes Studium und einen eigenen Sponsor braucht. Eric Metzler

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