Hokus Focus : Der will doch nur spielen – und sparen

Im Econetic kitzelt Ford den Fahrer mit Lob & Tadel Das ist ernst gemeint, aber keine bierernste Sache

Eric Metzler

Hätte sich die Super-Nanny aus dem Fernsehen vor der Wahl nicht schon an die Sozis verkauft, genösse sie vielleicht nun ein Engagement bei Ford. Die Kölner sind beim Anschieben des neuen Focus Econetic auf die Idee verfallen, den Fahrern einen Erziehungsberechtigten zur Seite zu stellen, einen, der interaktiv hilft, das pädogagische Familienziel zu erreichen. Und das heißt Sparen – nicht für und wegen Kopenhagen, aber erst und so richtig seit Beginn der Klimadebatte.

Statt Nanny bekam den Job ein digitaler Prozessor. Der beobachtet und berechnet im Laufe der Fahrt so ziemlich alles, was sich zwischen Gaspedal, Bremse und Schalthebel tut. Mit dem Gewonnenen beantwortet er wichtige Fragen: Sc haltet unser Kandidat rechtzeitig hoch? Fährt er vorausschauend? Und wie steht es mit seinem Trieb nach Tempo? Die Antworten sammeln sich in Form kleiner Blätter unter dem Tacho – ein spielerischer Anreiz für alle, die Ford beim Worte nehmen und danach trachten, in die Nähe der budgetschonenden Traumwerte zu kommen, die im Prospekt stehen: 3,8 Liter/99 g CO2.

Tatsächlich verspricht die Methode, die man in Japan schon länger (und exzessiver) anwendet, Erfolg: Auf Testfahrten führte das Geblätter durchweg zu Verbräuchen zwischen vier und fünf Litern – keiner mochte sich vom Focus sagen lassen, bei geschickterer Fahrweise lasse sich da noch mehr rausholen. Ford kitzelt, Ford belohnt, und wo das verfängt, belohnt sich Ford selbst: Fahrer, die mit sich und ihrer Sparleistung zufrieden sind, sind es letztlich auch mit dem Auto.

An dem gibt es abgesehen von fehlenden Ablagen ohnehin nicht allzu viel auszusetzen: Technisch ist der Focus eines der ausgereiftesten Modelle auf dem Markt. Sein Fahrwerk ist nach wie vor eine Freude, der Komfort gut, das Innere bieder, aber solide. Den1.6-Diesel mit seinen 109 PS kennen wir als treuen Allrounder. Fords Ingenieure haben das Aggregat an allen möglichen Stellschrauben auf sparsam getrimmt, darunter Maßnahmen, wie sie inzwischen von einigen Herstellern angepriesen und umgesetzt werden: Rückgewinnung kinetischer Energie beim Be- und Entschleunigen; Reifen mit weniger Rollwiderstand; eine elektrische Servolenkung, die beim Geradeausfahren keine Energie verbraucht; tieferer Schwerpunkt der Karosserie; geschlossene Lufteinlässe in der Front; längere Übersetzung der manuell zu schaltenden Gänge drei, vier und fünf. Besonders stolz ist Ford auf drei weitere Features, die im Econetic dieser zweiten Generation Premiere haben: einmal auf den verbesserten Riemenanrieb, der Reibungsverluste an Lichtmaschine und Kompressor minimiert. Dann auf die (für 500 Euro optional lieferbare) Start-Stopp-Automatik, die besonders geschmeidig arbeiten soll – diesem Anspruch im Vorserienmodell aber noch nicht hundertprozentig gerecht werden konnte. Die dritte Neuheit kennen sie schon: Fords digitale Spar-Nanny.

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