Honda Accord Tourer : Die reinste Accord-Arbeit

Honda zeigt sein neues Mittelklasse-Modell: In diesem bildschönen Kombi fahren zig Assistenten mit.

Eric Metzler

Manchmal geht es so schnell, da hält man trotz aller Studien und Marktforscher nicht mit. Vor wenigen Wochen verkündete Honda, man wolle und werde vom neuen Accord weniger Benziner und deutlich mehr Selbstzünder verkaufen. Obwohl der Accord-Diesel ein ausgezeichneter Motor ist, muss man sich das wohl abschminken – angesichts der Preise entwickelt sich Diesel zum Luxustreibstoff.

Auf das zweite Ziel der Japaner dagegen darf man getrost wetten: Jawohl, der neue Kombi, der bei dieser Marke „Tourer“ heißt, wird der Limousine fix den Rang ablaufen. Wir finden, er sieht blendend aus. Besonders von hinten gefällt das stämmige, aber nicht wuchtige Bild. Die gegenüber dem Vorgänger breitere Spur und der niedrigere Schwerpunkt zeigen optisch Wirkung – und schaden unterwegs gleich gar nicht: Der Accord liegt satt auf der Straße; das Fahrwerk schluckt viel, lässt aber nie das Gefühl aufkommen, über die Straße zu schaukeln.

Um die beiden Karosserieformen mit mehr identischen Bauteilen als bisher produzieren zu können (75 Prozent), hat Honda den Kombi geschrumpft und 400 Liter Ladevolumen geopfert. Die Limousine dagegen hat in allen Dimensionen zugelegt; sie schluckt nun mehr Gepäck als ein 3er BMW (und ein bisschen weniger als ein A4). Will man die Rücklehnen umlegen, reichen jetzt zwei Finger an einem Hebel; die leidigen Schlaufen wurden eliminiert. Die Heckklappe öffnet sich auf Wunsch von allein; ein Komfort, der uns immer wieder irritiert, weil wir instinktiv unsere Hände einsetzen wollen, um an die Alditüten zu kommen.

Der Innenraum des Accord wirkt luftig und qualitätsvoll; was gebraucht wird, ist gut zu erreichen. Die Mittelkonsole ist für unseren Geschmack ein wenig schwülstig geraten. Beeindruckt hat uns, wie wenig Fahr- und Motorgeräusche ans Ohr dringen: Vom 2,2-Liter-Diesel, der uns für eine Ausfahrt zur Verfügung stand, war kaum etwas zu hören. Mit der 150-PS-Maschine ist der Accord in jeder Lage adäquat motorisiert. Die Sechsgang-Handschaltung macht keine Probleme – anders als das zuweilen störrische Navi.

Im dichtgedrängten D-Segment will Honda mit einem Paket an Assistenzsystemen punkten, bei dem in der Mittelklasse derzeit nur Volvo mithalten kann. Spurhalteassistent, adaptive Geschwindigkeitsregelung und Kollisionswarnsystem sollen dem Fahrer in kritischen Situationen helfen, das Richtige zu tun (siehe Kasten). Honda wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass der Fahrer die Hoheit über das Auto behält und nicht umgekehrt. Man weiß um die Ängste, High-Tech-Autos könnten ein Eigenleben entwickeln. Nach unserem Eindruck wird es noch eine ganze Weile dauern, bis die elektronischen Helfer auf breiter Front akzeptiert werden.

Noch nämlich ist schwer zu begreifen, was wo und in welcher Reihenfolge gedrückt werden muss, um diesen oder jenen Part zu aktivieren. Und werden wir uns im Krisenfall wirklich besinnen, wozu uns welches Signal gerade auffordert?

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