Honda : Was jeder macht, kann ja jeder

Typisch Honda. In zwei Wochen bringen die Japaner ein Mini-Coupé an der Start, das einem frechen Experiment gleich kommt – den CR-Z.

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Wenn Honda ein neues Modell ankündigt, muss man mit allem rechnen. Mit einem ansehnlichen Designknäuel wie dem CRV, einem coupéhaften SUV. Mit bunten Cockpit-Comics wie im Insight, dem unförmigen Hybriden. Oder mit phänomalen Lade-Ideen wie im Kleinwagen Jazz, dessen Rücksitze sich aufrecht wegklappen lassen, um Gummibäume durch die Stadt zu schippern. Jetzt tun die Japaner es wieder – und kreieren eine Mixtur, die es so noch nicht gegeben hat. Optisch ist der CR-Z ein durchtrainiertes Schnuckelchen, gefühlt zwei Autos in einem und technisch ein Hybrid Marke light.

Das „light“ haben wir hinzugefügt. Sonst geht vielleicht unter, dass der CR-Z nicht rein elektrisch zu fahren vermag, auch keine kurze Strecke. Honda verfügt zwar über die Technik und das Know-how dafür – siehe Insight. Aber den CR-Z will und muss man anders positionieren, um in einer Nische zwei- bis dreitausend Autos im Jahr absetzen zu können: Der Kleine soll in erster Linie ein Spaß- und kein Vernunftauto sein. Deshalb hat man sich für eine Lösung entschieden, bei der ein E-Motor mit 14 PS allein dazu dient, dem braven Verbrenner Dampf zu machen. Er hilft beim Beschleunigen in einem Drehzahlbereich, wo der 1,5 Vtec-Benziner mit seinen (solo) 88 PS naturgemäß schwächelt – bei unter 2500 Touren. Hier puscht der kleine Elektromotor das Drehmoment des CR-Z um 78 Newtonmeter auf 174 und verhilft ihm so zu dynamischen Fahrleistungen. Wunder darf man allerdings auch dann nicht erwarten, wenn beide Aggregate mit vereinten Kräften zu Werke gehen.

Beeindruckend ist die erste Ausfahrt allemal. Weil die tiefe Position und die wohlkonturierte Beschaffenheit der Sitze selbst wirklichen Sportwagen zur Ehre gereichte. Und weil wir schnell spitz kriegen, dass der Fahrprogramm-Schalter links vom Lenkrad mehr ist als ein Gag. Beim Start ist generell der Modus „Normal“ eingestellt. Der geriert sich, wie er heißt: langweilig. Dann gibt es die Position „Econ“. Da wird es schon spannender. Jetzt fühlt sich das Auto so müde, so angestrengt an, als trage es einen Altersanzug. Dieses Kleidungsstück haben Forscher entwickelt, um bei jüngeren Menschen die Lasten des Alters zu simulieren. Das Grün leuchtende Armaturenbrett entschädigt für den Econ-bedingten Verzicht auf Fahrspaß: Wir sind spritsparend unterwegs, hätten wohl eine reele Chance, dem Prospektverbrauch von 5,0 Litern nahe zu kommen.

Das auszuprobieren, vertagen wir auf den Alltagstest im Herbst. Einstweilen schalten wir in den „Sport“-Modus - und sind baff erstaunt. Weniger, weil die Anzeigen nun blau illuminiert sind (oh Gott, der Verbrach!!). Sondern mehr, weil es sich schlagartig anfühlt, als sitze man in einem anderen Auto. Heißa – der CR-Z hat seinen Altersanzug bei laufender Fahrt über Bord geschmissen. Augenblicklich agiert die Lenkung weniger teigig, das Gas spricht direkter an, die Gänge lassen sich ausdrehen. Jetzt erst zu merken, wie gut der CR-Z liegt, wie nah man der Straße ist. Doch, doch–- so macht die Zwei-Autos-in-einem-Idee Laune. Ob und wie oft Honda-Fahrer auf Dauer tatsächlich durch die Fahrprogramme zappen werden, wird man sehen – Fortsetzung folgt.

Für alle, die mit dem CR-Z liebäugeln: Der Preis ab 21 990 Euro erscheint uns fair – auch wenn der Zweisitzer wirklich nur ein Zweisitzer ist. Außen fehlen die Türgriffe wie beim Ur-Twingo selig; die Sicht nach hinten ist wegen des Kammhecks miserabel. Aber die Ausstatttung stimmt und Honda bietet endlich Optionen an, um das gute Stück zu einem individuellen zu machen. Vor allem aber hat das Auto Charakter – insofern ist das Experiment geglückt.

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