Hunde im Auto : Tierschutz: Da schnallste ab

Wie verhält es sich eigentlich mit Hunden im Auto? Versicherer und Tierschützer wissen Rat.

Aliki Nassoufis
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Zum Glück.dpa

Autotür auf, Hund rein und losfahren: Während die meisten Menschen ihre Kinder anschnallen, fahren viele Vierbeiner ungesichert mit – im Fußraum oder auf der Rückbank. Doch das ist riskant. Denn springt ein Hund plötzlich wild herum, kann das den Fahrer ablenken und einen Unfall verursachen. Zudem: Die Kasko-Versicherung muss in einem solchen Fall nicht den gesamten Schaden übernehmen.

„Hunde gelten wie andere Tiere verkehrsrechtlich als Ladung, die im Auto gesichert werden muss“, sagt Maximilian Maurer vom ADAC in München. Wer das nicht tut, riskiert bei einer Polizeikontrolle ein Bußgeld in Höhe von bis zu 50 Euro und drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei. „Laut Straßenverkehrsordnung muss sich der Fahrer eines Wagens so verhalten, dass kein anderer geschädigt oder gefährdet wird“, sagt Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Und dazu gehöre, Hunde so zu transportieren, dass sie keinen Unfall verursachen können. Grundsätzlich gilt: Autos sind nicht auf Tiere an Bord ausgelegt. „Schon bei scharf gefahrenen Kurven oder plötzlichen Bremsvorgängen kann ein stehender oder sitzender Hund das Gleichgewicht verlieren und von seinem Platz rutschen“, erläutert Christoph Lauterwasser von der Allianz in München. Crashtests bei dem Versicherungsunternehmen hätten gezeigt, dass selbst kleine Hunde, die ungesichert sitzen, bei einem Aufprall ungebremst durchs Auto fliegen und dabei verletzt oder getötet werden können.

Nicht nur das: Ein Hund, der durch den Innenraum katapultiert wird, ist auch eine Gefahr für die menschlichen Insassen, so Lauterwasser. „Kratz- und Bissverletzungen durch das verschreckte oder verletzte Tier stellen ein zusätzliches Gefahrenpotenzial dar.“ Deshalb gehört laut ADAC-Sprecher Maurer ausnahmslos jeder Vierbeiner gesichert: Je größer der Hund, desto aufwendiger muss die Sicherung sein.   Dafür gibt es mehrere Varianten. „Mit einem speziellen Gurtsystem wird das Tier auf der Rückbank angeschnallt – ähnlich wie ein Baby, aber ohne Schale“, erklärt Maurer. Der Hund habe so zwar wenig Bewegungsfreiheit, sei aber gut gesichert. Eine andere Möglichkeit sind Schutzdecken. „Sie bilden zwischen der hinteren Rücklehne und der Rückseite der vorderen Lehne eine Art Wanne.“ Dadurch können die Tiere nicht plötzlich zum Fahrer vordringen.   

In Kombis und Vans werden Hunde oft auch im Laderaum hinter der Rücksitzbank untergebracht. Ein stabiles Gitter oder ein Fangnetz kann dann vor Verletzungen schützen. „Bei älteren Fahrzeugen fehlen dafür aber oft die erforderlichen Befestigungspunkte“, so Maurer. Zudem kamen im Allianz-Test Netze und geklemmte Gitter nicht gut weg, wie Lauterwasser berichtet. So gaben bei einem Netz-Modell die Befestigungsbänder und deren Metallringe schon bei geringfügigen Belastungen nach, so dass das Tier mitsamt Netz praktisch ungebremst durchs Auto flog. Eine weitere Möglichkeit sind Tier-Transportboxen. Feste Vorschriften zur Größe dieser Boxen gibt es zwar nicht. Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn empfiehlt jedoch, sie so zu wählen, dass der Vierbeiner darin aufrecht sitzen und sich auch problemlos hinlegen kann. Für einen recht großen Hund wie etwa einen Husky empfehle sich eine Transportbox mit folgenden Mindestmaßen: gut 100 Zentimeter lang, etwa 70 Zentimeter breit und gut 75 Zentimeter hoch.

„Die Boxen für kleinere Tiere sind meist aus Plastik und können im Kofferraum verstaut oder auf der Rückbank mit dem Sicherheitsgurt angeschnallt werden“, erklärt Maurer. Für größere Vierbeiner seien Varianten aus Leichtmetall zum Einbauen besser. „Sie können nicht im Auto herumfliegen.“ Allerdings sei nicht in jedem Auto Platz für eine solche Box.

Wer all das für übertriebenen Aufwand hält, der sollte laut Lübke vom GDV wissen: Im Fall eines Unfalles hat er mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Problem. Denn lässt sich nachweisen, dass ein ungesicherter Hund den Zusammenstoß ausgelöst hat, wird von grober Fahrlässigkeit seitens des Halters ausgegangen. „Hat sich der Fahrer grob fahrlässig verhalten, ist das relevant für die Vollkasko-Versicherung“, so Lübke. Sie werde in einem solchen Fall wahrscheinlich nur einen gewissen Teil des Schadens bezahlen. „Kommt es am eigenen Auto durch den Unfall beispielsweise zu einem Schaden von 5000 Euro, kann es sein, dass die Versicherung nur 75 Prozent übernimmt.“    

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