Hybrid-Antrieb : Ein Strom, der alle mitreißt

Ohne alternative Antriebe geht nach dem Autosalon in Genf nichts mehr: In die Läden kommen Dutzende neuer Hybrid-Modelle.

Krise? Welche Krise? Zwar weiß keiner, wie das neue Jahr tatsächlich laufen wird. „Doch wir sind verhalten optimistisch“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn und fasste damit zum Auftakt des Genfer Autosalons (4. bis 14. März) die Stimmung der Branche zusammen. Die Zuversicht fußt nicht zuletzt auf einer Vielzahl von umweltfreundlichen und spritsparenden Fahrzeugen, mit denen die Hersteller quasi auf einer grünen Welle durch Genf reiten.

„Viele der Elektroautos sind noch Konzepte, denen es an Massenmarkttauglichkeit fehlt“, sagt zwar der Autoexperte Christian Kleinhans von der Managementberatung Oliver Wyman. Bis zum Durchbruch der Elektromobilität werde es noch Jahre dauern. Batteriebetriebene Autos wie der Seat IBE sowie die mit einem „Reichweitenverlängerer“ bestückten Studien Audi A1 e-tron oder Opel Flextreme GT/E haben in seinen Augen zunächst Chancen in Kleinserien und Nischensegmenten. „Doch insbesondere der Hybridantrieb hat an Bodenhaftung gewonnen und macht langsam den Schritt aus der Nische“, sagt der Berater mit Blick auf die vielen Hybridmodelle, die in Genf im Rampenlicht stehen.

Während Hybrid-Pionier Toyota mit dem teilweise elektrifizierten Auris die Golf-Klasse aufrollen und mit dem vornehmen Lexus CT 200h einen Hybrid-Vorstoß gegen Audi A3 und 1er BMW fährt, kontern die deutschen Hersteller mit einer Offensive im Oberhaus: BMW zeigt eine seriennahe Hybrid-Studie des 5ers, die auch ein paar Kilometer elektrisch fahren kann. Audi gibt mit einem A8 Hybrid einen Ausblick auf einen relativ greifbaren Oberklasse-Sparer, und Mercedes rückt nach der S-Klasse die E-Klasse mit elektrischer Unterstützung ins Rampenlicht. Dabei kombiniert der Hersteller den Elektromotor erstmals mit einem Diesel und kommt so auf einen Verbrauch von 4,1 Litern (CO2-Ausstoß: 109 g/km).

Doch die Hybridisierung erreicht in Genf weitere Segmente: Nicht nur die Geländewagen Porsche Cayenne und VW Touareg setzen auf die verbrauchsmindernde Unterstützung eines Elektromotors. Selbst die Sportwagen bekommen ein grünes Mäntelchen umgehängt. Bei Ferrari und Porsche stehen Boliden im Rampenlicht, die zumindest kurzfristig einen elektrischen Schub bekommen und dafür eine jeweils individuelle Weiterentwicklung des Kers-Systems aus der Formel 1 nutzen.

„Die nahe Zukunft allerdings gehört dem Plug-In-Hybrid“, ist Berater Kleinhans überzeugt. „Das ist die Brückentechnologie, mit der elektrisches Fahren alltagstauglich und gleichzeitig bezahlbarer wird.“ An entsprechenden Konzepten herrscht in Genf kein Mangel: Der Mercedes F 800 Style zum Beispiel fährt die ersten 30 Kilometer elektrisch, bevor sich der Verbrenner zuschaltet. Spektakulärer ist der Porsche 918 Spyder, bei dem ein V8-Motor mit mehr als 368 kW/500 PS mit drei E-Motoren mit zusammen 160 kW/218 PS kombiniert werden.

Das Auto schafft nicht nur 325 km/h. Mit einem CO2-Ausstoß von 70 g/km schlägt es auch jeden Kleinwagen. Wenn es nach Porsche-Chef Michael Macht geht, bleibt der Supersportler kein Einzelstück: „Eine Serienfertigung kann ich zwar nicht versprechen. Aber bislang hat Porsche noch nie eine Studie gezeigt, die wir nicht gebaut hätten.“ Zwar fangen die Hersteller in Genf mit ihren effizienten Konzept- und Serienfahrzeugen alle Blicke und geben der Messe einen grünen Anstrich. „Doch die nächsten Jahre verdienen die Konzerne ihr Geld noch mit ganz konventionell angetriebenen Fahrzeugen“, ist Kleinhans überzeugt. Zwischen all den Elektro- und Hybridmodellen stehen deshalb in den Messehallen doch noch überraschend viele Premieren mit Bodenhaftung und direktem Realitätsbezug (siehe Kasten auf dieser Seite).

Auch wenn die Industrie in den nächsten Jahren weiter von Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben leben wird, spielt die Musik auf der Messe ganz klar bei den alternativen Technologien. „Das Rennen um den Antrieb der Zukunft ist eröffnet“, gibt VW-Chef Winterkorn den Ton vor. Und Mercedes-Chef Dieter Zetsche nimmt den Faden auf: „Wir fahren nicht nur in der Formel 1 um den Sieg, sondern auch in der ,Formel Grün‘ - mit Automobilen, die Verantwortung und Faszination vereinen.“ Dabei räumen die Konzernchefs den Technologien großen Stellenwert ein: „Das Herz der Marke schlägt in Zukunft auch elektrisch“, ist VW-Chef Winterkorn überzeugt. In konkreten Zahlen klingt das aber schon nicht mehr ganz so imposant: Gerade einmal drei Prozent der Gesamtproduktion sollen bis 2018 elektrisch fahren.tmn

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