Hyundai i10 und Peugeot 108 im Vergleich : Klein. Aber auch oho?

Die Fast-Zwillinge: Hyundai i10 und Peugeot 108 sind ähnlich teuer, sie zielen auf die gleichen Kunden im Kleinwagenmarkt. Welcher von beiden ist der bessere Mini?

Sven Jürisch
Frankreich gegen Korea. Der Peugeot 108 ist der Vorzeige-Kleinwagen der Franzosen.
Frankreich gegen Korea. Der Peugeot 108 ist der Vorzeige-Kleinwagen der Franzosen.Foto: Promo

Die ganz Kleinen sind es, die den Herstellern Kopfzerbrechen bereiten. Einerseits verkaufen sich Kleinwagen wie geschnitten Brot, andererseits ist die Zeit vorbei, in der es genügte, ein karg ausgestattetes Mager-Auto ins Sortiment zu nehmen. Und dann war da ja auch noch die Sache mit dem Gewinn... Schwere Zeiten für Peugeot und Hyundai, die mit dem neuen Peugeot 108 und dem Hyundai i10 um die Gunst der Kundschaft buhlen. Der Koreaner ist seit 2013 auf dem Markt, der Franzose ist seit Juni zu haben.

Gucken wir drauf. Die Form der Kleinen sollte von Beginn an gefallen. Dem Peugeot gelingt dies mit ausgestellten Radkästen hinten und Chromdetails vorn. Dazu kommen eine Fülle von Individualisierungsmöglichkeiten. Die beschränken sich aber auf Foliendekors, farbige Zündschlüssel und bunte Plastikblenden. Macht nix, der Mini hat gezeigt, dass die Kundschaft so etwas liebt. Wer's luftig mag, kann für 1 200 Euro Aufpreis ein riesiges elektrisches Faltdach ordern. Das macht aus dem im Fond etwas engen Peugeot ein Fast-Cabrio für vier.

Korea gegen Frankreich: In Sachen Motor der Hyundai i10 überlegen
Korea gegen Frankreich: In Sachen Motor der Hyundai i10 überlegenFoto: Promo

Weniger Style, dafür mehr Qualität beim i10

Mit so viel Style kann der deutlich geräumigere Hyundai nicht punkten. Bunten Bling sucht man bei ihm vergebens, dafür bietet er deutlich mehr fühl- und sichtbare Qualität. Eine solide Karosserie und Details wie die Heckklappe, die eben nicht wie beim Peugeot nur aus einer rahmenlosen Glasscheibe besteht, hinterlassen guten Eindruck. Auch im Innenraum scheppert wieder mal nix. Besonders bemerkenswert: die Schalter, beleuchtet und mit angenehmem Bediengefühl, wie in der Oberklasse. Dazu Spaltmaße und Oberflächen, die auch Kunden aus dem Premiumsegment gefallen dürften. Alle Achtung. Der Peugeot scheint da aus einer völlig anderen Zeit zu stammen. Einziger Vorteil. Der ziemlich strenge Plastikgeruch im Hyundai-Innenraum bleibt der Peugeot-Besatzung erspart.

Innovativ: Der Peugeot 108 spiegelt das Smartphone ins Armaturenbrett ein.
Innovativ: Der Peugeot 108 spiegelt das Smartphone ins Armaturenbrett ein.Foto: Promo

Verzichten muss die aber auf noch mehr Dinge. So berechnen die Franzosen die beiden hinteren Türen mit 450 Euro extra, ohne Fensterheber, bei Hyundai sind sie Serie. Auch in Sachen Gepäckraum bietet der Hyundai mit seinen 252 Litern (erweiterbar auf 1.046 Liter) und der adretten Vollverkleidung eindeutig mehr. Und: Bereits bei der mittleren Hyundai-Ausstattungsversion „Trend“ gehören Nettigkeiten wie Lenkradheizung, Tempomat, elektrische Fensterheber überall und Bordcomputer dazu. Peugeot setzt in diesem Bereich auf digitale Ziffern, die entfernt an eine Küchenwaage erinnern. Nur im Franzosen kann man allerdings die Oberfläche seines Smartphones auf den Touchscreen im Wagen beamen. Bei Hyundai gibt’s nur eine Bluetooth-Freisprechanlage.

Hochwertig: Auch bei der Qualitätsanmutung liefern die Asiaten einen Standard, der nicht nur nach Kleinstwagenmaßstäben beeindrucken kann.
Hochwertig: Auch bei der Qualitätsanmutung liefern die Asiaten einen Standard, der nicht nur nach Kleinstwagenmaßstäben...Foto: Promo

Kleine Autos sind längst keine reinen Stadtwagen mehr. Leider mutet Peugeot dem Fahrer des 108 einen durchzugsschwachen, laut lärmenden Dreizylinder alter Schule zu, mit dem bereits die Stadtautobahn zur Nervenprobe wird. In seiner 69-PS-Basisversion muss man ständig schalten, während die stärkere 82-PS-Version halbwegs ordentlich Fahrleistungen bringt: Höchstgeschwindigkeit 170 km/h und in elf Sekunden von null auf 100. In Sachen Laufkultur allerdings: siehe oben.

Preislich auf Augenhöhe

Den Umstieg in den i10 mit seiner 1,2-Liter-Maschine erlebt man wie den Wechsel in eine komplett andere Welt. Der 87 PS starke Motor ist mit seinen vier Zylindern laufruhig, drehfreudig und bietet in Kombination mit dem Fünfgang-Getriebe in jeder Fahrsituation genug Leistung. Selbst Strecken von 1000 Kilometern am Tag arten mit ihm nicht zur Quälerei aus, der Motor schiebt den i10 nachdrücklich, aber stets diskret, bis zur Höchstgeschwindigkeit von knapp 180 km/h.

So kann man auch mal in Urlaub fahren. Kleinwagenmäßig ist allenfalls der Verbrauch, denn der liegt selbst bei zügiger Fahrt bei nur 5,8 Litern. Ein Wert, auf den auch der Peugeot kommt, wenn man am Hyundai dranbleiben will – aber Spaß macht das nicht. Dass zum Bremsen im Peugeot an der Hinterachse auch noch anachronistische Trommeln verbaut sind, macht die Sache nicht besser. Da können dann auch das gelungene Fahrwerk und die leichtgängige elektrische Servolenkung des Franzosen nichts mehr ausgleichen – zumal der Hyundai in diesem Punkt ebenfalls keine Schwäche zeigt.

Preislich nehmen sich die beiden Wagen nicht viel. Der Hyundai i10 1,2 Liter kostet in der ausreichend ausgerüsteten Trend-Version 12 120 Euro. Damit liegt er auf Augenhöhe mit dem Peugeot 108 Active, der kostet als Dreitürer mit 69 PS 11 100 Euro, als Fünftürer mit 82 PS 12050. Allerdings hat der Peugeot nur dann eine Klimaanlage, wenn man noch 540 Euro drauflegt. Peugeot bietet lebenslange Mobilitätsgarantie, bei Hyundai sind es fünf Jahre. Aber den Franzosen kann das auch nicht mehr retten.

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