Hyundai i30 stellt sich vor : Mit breiter Brust

Sie fahren VW und lächeln gönnerhaft, wenn Sie Hyundai hören? Mit Vorurteilen dieser Art räumt der i30 gründlich auf. Der aufgefrischte Koreaner rückt dem Wolfsburger Evergreen richtig nah auf die Pelle.

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Als Golf-Herausforderer muss sich der Hyundai i30 sicher nicht verstecken. Er reizt mit dynamischem Design und solider Verarbeitung.
Als Golf-Herausforderer muss sich der Hyundai i30 sicher nicht verstecken. Er reizt mit dynamischem Design und solider...Foto: Hersteller

Schon lange vor seiner Markteinführung an diesem Wochenende ist der neue Hyundai i30 ein Millionen-Bestseller: Fast 1,7 Millionen Menschen haben bereits auf YouTube jenes Video angeklickt, in dem VW-Boss Martin Winterkorn sich auf der Automobilausstellung in Frankfurt im September 2011 darüber aufregt, dass die Koreaner es geschafft haben, eine klapperfreie Lenkradverstellung im neuen i30 anzubieten. "BMW kann es nicht, wir können es nicht. Warum können die das?", echauffiert sich der VW-Mann. Wir können jetzt, nach der ersten Testfahrt, bestätigen: Herr Winterkorn, da klappert wirklich nichts!

Das gesamte Auto ist ein rollender Beweis für die geradezu unheimliche Fähigkeit der Koreaner, schnell dazuzulernen. Dieser neue i30 ist fortan nicht nur ein Gegner für Opel Astra oder Ford Focus. Er ist ein ernst zunehmender Konkurrent für den Platzhirsch VW Golf. Das hat Winterkorn glasklar erkannt: Hier kommt keine graue Maus. Das wird ein Angstgegner. Die Anlagen dazu hat der neue i30 jedenfalls. Obwohl sich die Abmessungen nur geringfügig geändert haben, bietet der Neue mehr Platz. Vor allem im Kofferraum, der um 38 Liter auf nun 378 Liter wuchs. 28 Liter oder eine große Tasche mehr als beim VW Golf. Nach dem Umklappen der geteilten Rücksitzbank entsteht eine ebene Ladefläche.

Kaum noch ein Unterschied zum Golf

Doch auch für die Passagiere ist bestens gesorgt. In der ersten Reihe herrscht ein großzügiges Raumangebot. In der zweiten Reihe noch immer ein kommodes. Dazu gesellen sich - stilsicher arrangiert - üppiger Chromschmuck, Blenden im Magnesium-Look, die im Gegensatz zu den Billigteilen im neuen Ford Focus richtig edel aussehen. Und alles ist penibel verarbeitet. Da ist kaum noch ein Unterschied zum VW Golf auszumachen. Man hat beim neuen Koreaner das schöne Gefühl, in einem größeren Wagen als in einem Kompaktwagen zu sitzen. Hinzu kommt, dass der i30 ein leises Auto geworden ist, weil Wind- und Fahrgeräusche gut gedämmt sind. Ebenfalls sehr erfreulich, dass die Hyundai-Techniker dem allgemeinen Trend widerstanden, ein betont sportliches Auto auf die Räder zu stellen, das im Alltag mit übertriebener Härte nervt. Der i30 fährt sich komfortabel, die großen Sitze gehen locker als langstreckentauglich durch, und die Zweizonen-Klimaautomatik arbeitet im Soft-Modus sehr dezent. Da passt alles zusammen.

Flott unterwegs: Bei den Motoren überzeugen besonders die beiden kleinsten Antriebe mit je 1,4 Liter Hubraum.
Flott unterwegs: Bei den Motoren überzeugen besonders die beiden kleinsten Antriebe mit je 1,4 Liter Hubraum.Foto: Hersteller

Und doch: Wo Licht ist, gibt’s auch Schatten. Die betont dynamische Form, die den i30 mit breiter Brust und großem Selbstbewusstsein aus der Masse der Kompakten heraushebt, bringt funktionale Nachteile mit sich. Der i30-Fahrer wähnt sich in einem Van mit weit vorn angeordneter schräger Scheibe und dicken A-Säulen, die in der Stadt ständig ein Blickhindernis darstellen – beim Abbiegen genauso wie beim Blick auf die Ampel. Daran muss man sich erst gewöhnen. Ohne Eingewöhnung lässt sich der i30 trotz seiner vielen Schalter und Knöpfe (allein 13 am Lenkrad!) bedienen, weil alles logisch und übersichtlich angeordnet ist.

Kleinsten gefallen am besten

Die Motoren hat Hyundai stark überarbeitet. Mit Erfolg. Vor allem die beiden kleinen Maschinen gefallen: der 1,4-Liter-Benziner mit 99 PS (ab 15.850 Euro) und der 1,4-Liter-Diesel mit 90 PS (ab 17.800 Euro). Bei beiden lässt sich das serienmäßige Sechsganggetriebe butterweich und exakt betätigen; die Anschlüsse passen. Gut, der hubraumschwache Benziner ist kein Ausbund an Kraft. Aber er zieht elastisch ab 1700 Touren los und entwickelt seine Kraft ebenso gleichmäßig wie unspektakulär.

Der Innenraum des i30 wirkt aufgeräumt. Nur die Lenkung ist noch verbesserungsfähig.
Der Innenraum des i30 wirkt aufgeräumt. Nur die Lenkung ist noch verbesserungsfähig.Foto: Hersteller

Im Alltag schwimmt man so gut mit – und selbst bei Autobahntempo 180, das erst nach längerem Anlauf erreicht wird, bleibt er vergleichsweise leise. Am Schluss zeigt der Bordcomputer überraschend günstige 6,8 Liter an (Normwert 6,0 Liter pro 100 Kilometer). Der kleine 1,4er Diesel gibt sich im Umgang spritziger als der 1,6er mit 38 PS mehr Leistung. Dessen Fahrleistungen sind auch nicht so viel besser (185 km/h zu 170 km/h; 11,5 Sekunden zu 13,5 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100), dass er den Aufpreis von 840 Euro wirklich lohnt.

Variable Lenkung mit drei Modi

Es gibt drei Ausstattungslinien Classic, Trend und Style. ESP, sechs Airbags, Klimaanlage und Radio sind immer dabei. Die beste ist die mittlere Version mit zusätzlichem serienmäßigem Fahrerknieairbag; ab 17 720 Euro beim Benziner, die sich laut Hyundai auch am besten verkaufen soll und die sich bei unserer ausgedehnten Testfahrt als angenehmer Begleiter erwiesen hat.

Nur bei der Lenkung haben die Koreaner das hohe Niveau des VW Golf noch nicht erreicht. Da ist noch Feinschliff nötig. Da hilft auch nicht das Gimmick Flex Steer, die variable Lenkung mit den Modi Normal, Sport und Komfort. Deren für den Unterschied wichtige Kennfelder liegen zu dicht beieinander, und in allen dreien Modi überwiegt das synthetische Lenkgefühl, das zu wenig Rückmeldung bietet. Nachholbedarf besteht auch bei den Spritspar-Techniken. Lediglich für den 21.300 Euro teuren i30 blue 1.6 CRDi mit 128 PS bietet Hyundai eine serienmäßige Start-Stopp-Automatik an. Bei allen anderen Modellen ist sie nicht mal gegen Aufpreis im Angebot. Zum Vergleich: VW hat jetzt angekündigt, künftig alle seine Autos serienmäßig mit dieser Spartechnik auszurüsten.

Ganz nah dran

Automatikfreunde werden ein modernes Doppelschaltgetriebe vermissen. Es soll später kommen. Zum Marktstart ist nur für beide große Motoren eine konventionelle Sechsstufen-Wandlerautomatik (1400 Euro Aufpreis) lieferbar.

Dennoch: Dieser Korea-Golf ist ganz nah dran am Bestseller aus Wolfsburg. Mankos in einigen Bereichen (Lenkung, Spartechniken, Direktschaltgetriebe) gleicht er aus mit beispielloser Garantie, nahezu kompletter Ausstattung und beeindruckendem Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Hyundai i30 1.4 Trend für 17 720 Euro ist gut 4000 Euro günstiger als ein vergleichbarer VW Golf! Und es geht weiter: Im Sommer startet der gegenüber der Limousine um 18,5 Zentimeter gestreckte Kombi i30cw mit dem größten Kofferraum seiner Klasse (528 bis 1642 Liter), der dann den bisherigen Lademeister Opel Astra Sport Tourer (500 bis 1550 Liter) ablöst. Anfang 2013 folgt erstmals ein Dreitürer vom i30 – mit Hinguckpotential.

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