Hyundai i30cw : Kein Außenseiter mehr: Koreas neuer Spieler

Der Hyundai i30cw ist auf europäischem Niveau.

Ingo Wolff

Die Teststrecke ist rund, eine Fahrt dauert 90 Minuten und der nächste Parkplatz ist immer der schwerste. Bei einer Hyundai-Proberunde ist es derzeit fast unmöglich, nicht an Fußball zu denken. Das Ziel des koreanischen Autoherstellers, als Sponsor über die WM 2006 seine Bekanntheit in Europa deutlich zu steigern, ist gelungen. Sportlich gesehen, könnte man das als Außenseitersieg feiern. Doch die Erwartungen nach so einem Erfolg sind hoch und da muss man sich für das nächste Turnier gut vorbereiten. Deshalb hat sich Hyundai vor der Fußball-EM in diesem Jahr auf zwei Positionen verstärkt und eine sogar neu besetzt: Die Koreaner schicken mit dem Hyundai i30cw erstmals seit acht Jahren einen Kombi aufs Spielfeld.

Ganz unbekannt ist das Modell nicht, immerhin baut es auf der Limousine i30 auf, die seit Sommer 2007 in der Golf-Klasse die Konkurrenz mit niedrigen Preisen und guten Ergebnissen bei Vergleichstests mächtig unter Druck setzt. Dennoch ist der i30cw der erste Kombi bei Hyundai, seit 1999 der Lantra still verschwand. So gestärkt gehen die Koreaner in diesem Segment in die Offensive gegen VW Golf Variant, Astra Caravan, Ford Focus Turnier, Renault Megane Grandtour und Skoda Octavia Kombi. Eine harte Gruppe könnte man meinen. Doch die Chancen auf eine gute Platzierung stehen nicht schlecht. Hyundai leistet sich wenige Schwächen. Solide Verarbeitung, feste Sitze und ein angenehmes Interieur lassen die koreanische Familienkutsche auf europäischem Niveau mitfahren, allerdings mit tatkräftiger deutscher Unterstützung: Das Design stammt von Thomas Bürkle.

Ein weiteres Kaufargument für den 4,50 Meter langen Fünftürer könnte das Fahrgefühl sein. Der i30cw ist für einen Kombi sehr sportlich. Die Langvariante verhält sich fast genauso handlich wie die Limousine und ist ähnlich agil. Sogar bei Beladung und flotter Kurvenfahrt bereitet er Freude, dabei sind die kombitypischen höheren Fahrgeräusche im Fond kaum wahrnehmbar.

Beim Komfort fährt Hyundai also vorne mit. Einzig die unebene Ladefläche bei umgeklappten Sitzen und die schlecht sichtbare blaue Displayanzeige bringen Minuspunkte. Und noch etwas könnte ein Nachteil sein für Familien: Mit einem Ladevolumen von 415 Litern bis 1395 Litern fasst der i30cw weniger Gepäck als alle anderen Modelle in der Golf-Klasse. Selbst der weitgehend baugleiche Cee’d Sporty Wagon, das Pendant von der Konzernschwester Kia, hat trotz ähnlicher Abmessungen mehr Platz. Dafür bietet der Hyundai viel Raum für die Passagiere, er entsteht aus dem fünf Zentimeter weiteren Radstand gegenüber der Limousine.

Seit April rollt der „Cross Wagon“, denn das genau soll das „cw“ hinter dem Modellnamen heißen, nun schon auf deutschen Straßen und wird dabei wie bei den Limousinen mit je vier Motoren und vier Ausstattungen zu Preisen ab 17 490 Euro angeboten. Er ist damit rund 1000 Euro teurer als die Limousine, aber immer noch 3500 Euro günstiger als die deutschen Wettbewerber. Der 1,6-Liter-Benziner mit 126 PS nimmt dabei die Position des Sparers ein, der gleich große, 115 PS starke Diesel ist mit Common-Rail-Einspritzung und Nockenwellenantrieb per Kette statt wartungsintensivem Zahnriemen auf der Höhe der Zeit. Dazu kommen je ein 2,0-Liter-Motor als Diesel und Benziner mit 140 beziehungsweise 143 PS. Im Juli folgt noch ein 1,6-Liter-Diesel mit 90 PS.

Außerdem kann der Koreaner mit seiner Serienausstattung punkten. Klimaanlage, Audiosystem und Dachreling sind an Bord, ab der zweiten Version Comfort ist der Kombi mit Gepäcknetz, Rollo, vier Fensterhebern und einer Klimaautomatik schon voll familientauglich. Insgesamt scheint es, dass die Hersteller nach einer Zeit der großen Spaßautos für Familien wieder die Mitte suchen. Denn Vans sind teuer und durstig. Und das kann man beim i30cw nicht behaupten. 6,2 Liter Super beziehungsweise 4,9 Liter Diesel verbrauchen die 1,6-Liter-Motoren – so dass der neue Spieler nicht zu früh zu einem Stehgeiger wird.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben