Hyundai ix20 : Viel Platz – auch für Verbesserungen

Hyundai ix20 Die Koreaner bringen einen kleinen Familienvan an den Start, der in Europa für Europa entwickelt wurde Das Ergebnis kann sich spontan sehen lassen, gefällt nach dem Einstieg, offenbart aber Schwächen auf der Probierfahrt.

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Preisfrage: Warum wohl sind solche Hochdachminis wie Citroen C3 Picasso, Skoda Roomster, Opel Meriva, Kia Venga und Renault Modus bei Familien so beliebt? Na, sie sehen schick aus, sind nicht zu groß (Parkplatzsuche!), haben einen variablen Innenraum, und sie sind noch erschwinglich. Sagt der Kopf. Der Bauch: Man sitzt angenehm hoch und fühlt sich daher so schön geborgen im hektischen Großstadtdschungel.

Und außerdem werden sich wohl die Mütter dieser Welt am pfiffigen Klappmechanismus der Rückbank beim Hyundai erfreuen. Die lässt sich um bis zu 13 Zentimeter verschieben. Was einem Plus oder Minus von 100 Liter Volumen entspricht. Doch das ist noch nicht alles. Platz ist in diesem gegenüber einem VW Golf gut zehn Zentimeter kürzeren, aber zwölf Zentimeter höheren Auto ohnehin mehr als man sich von außen vorstellen kann: 440 bis 1485 Liter Kofferraum; das ist vom Maximalwert her fast so viel wie in einem VW Golf Variant. Der Ladeboden kann in zwei Höhen eingehängt werden. Die obere Position ergibt einen ebenen Boden, der sich von außen einfach beladen lässt. Eine praktische Sache.

Einfach gestaltet sich auch der Einstieg nach vorn; man gleitet fast hinein, denn der Sitz thront acht Zentimeter höher als im VW Polo. Die Hyundai-Sessel sind groß und körpergerecht geformt, an den Wangen jedoch zu weich, so dass der Seitenhalt besser sein könnte. Besser könnte auch – trotz der höheren Sitzposition – die Rundumsicht sein. Vorn stören die breiten A-Säulen, die Motorhaube ist unsichtbar, nach schräg hinten ist die Sicht fast Null. Das Einparksystem (320 Euro) ist daher ein Muss.

Serienmäßig komplett ist das Cockpit eingerichtet; mit schönen, wie bei VW blau hinterleuchteten Instrumenten. Trotz hohem Hartplastikanteil macht das Interieur einen wohnlichen Eindruck. Das kompliziert zu bedienende Navisystem (1330 Euro), das zuweilen zudem auch nicht das schnellste ist, sollte man sich schenken. Dafür besser die Klimaanlage mit kühlbarem Handschuhfach für 1000 Euro ordern, die beim ansonsten empfehlenswerten Basismodell Classic (ab 14 690 Euro) fehlt.

Das Fahrwerk ist von der soften Sorte, nur bei wirklich fiesen Straßenunebenheiten reagiert es unwirsch, und dann poltert auch die Hinterachse leicht. Aber das passiert zum Glück selten.

Hyundai bietet drei Motorisierungen für den ix20 an; zwei Benziner mit 90 PS (6,0 Liter Verbrauch) und 125 PS (6,4 Liter Verbrauch) sowie einen Diesel mit 90 PS (4,5 Liter Verbrauch). Gegen einen Aufpreis von 300 Euro kann für alle Triebwerke eine Start-Stopp-Automatik (Blue-Version) geordert werden, die den Verbrauch um bis zu 0,5 Liter senken soll.

Wir sind den kleinsten Benziner gefahren, der laut Hyundai am häufigsten gekauft werden wird. Der 1,4-Liter-Vierzylinder läuft bis in mittlere Drehzahlen leise und unaufgeregt. Aber er ist leider sehr durchzugsschwach. Wer zum Überholen auf der Landstraße ansetzen möchte, muss deshalb oft gleich zwei Gänge zurückschalten. Die Hand geht sehr oft zum (gut erreichbaren) Hebel des knochig zu schaltenden Fünfganggetriebes, denn die Drehzahl darf nicht abfallen. Wir verbrauchten auf rund 390 Kilometer Testfahrt in bergigem Land 7,4 Liter Super. Viel.

Der 125-PS-Benziner ist subjektiv etwas besser, aber gleich happige 3910 Euro teurer, weil es ihn erst ab der Comfort-Ausstattung gibt. Und der mit einer leichten Anfahrschwäche gehandicapte 90-PS-Diesel (ab16 490 Euro) ist nur etwas für Vielfahrer.

Erstmals in Deutschland setzt Hyundai bei einem seiner Modelle Scheinwerfer mit Abbiegelicht ein, allerdings erst ab Ausstattungslinie Comfort, für die mindestens 17500 Euro verlangt werden. Nur stimmt die Feinabstimmung noch nicht richtig. Schon bei mittleren Kurven schaltet sich das Abbiegelicht unvermutet zu und irritiert den Fahrer. Zumal die Hauptscheinwerfer des ix20 eher Funzeln sind; das Fahren bei Nacht daher auf Dauer anstrengend wird. Das Fernlicht ist auch nicht besser; es strahlt merkwürdig nach oben; leuchtet die Fahrbahn nicht richtig aus. Deshalb unser Tipp: Fahren sie bei einer Probetour mit dem ix20 unbedingt mal bei Dunkelheit – und entscheiden Sie dann selbst: Will ich mit diesem Licht fahren? Moderne Xenon-Scheinwerfer wie bei Opel Mervia sind beim ix20 nicht lieferbar.

Nachbessern sollten die Koreaner schleunigst bei der Steuerung der elektrischen Fensterheber. Die besitzen nämlich nur auf der Fahrerseite einen Einklemmschutz. Hinten im Fond, wo normalerweise Kinder sitzen, gibt es bislang keinen. Die Fenster können beim ungebremsten Hochfahren zarte Kinderhände quetschen. Also: Vorsicht.

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