Hyundai : Klein wird groß

Mit dem i20 präsentiert Hyundai den Nachfolger des Getz: praktisch im Alltag, aber mit ein paar Schwächen im Finish.

Sven Jürisch

Des einen Leid, des anderen Freud: Während vor allem die Premiumhersteller über Kunden stöhnen, die nicht kaufen wollen, kommen diejenigen noch am besten über die Runden, die Kleines und Preiswertes anbieten können. Hyundai zum Beispiel: Durch eine geschickte Modellpolitik können die Koreaner Vorteile verbuchen. Das rundum erneuerte Modellprogramm spricht besonders Kunden mit begrenztem Einkommen an. Der Nachfolger des erfolgreichen Getz, der Hyundai i20, soll helfen, diese Position trotz der schlechten Rahmenbedingungen weiter auszubauen. Die Voraussetzungen dafür stehen nicht schlecht.

Der neue, im indischen Chennai produzierte Kleinwagen ist ein Kind des Hyundai Entwicklungszentrums in Rüsselsheim – und vorbei die Zeiten, als Autos aus Korea fragile Fahrzeuge nach asiatischem Standard waren. Der wahlweise als Drei- oder Fünftürer lieferbare i20 tritt mit einem gefälligen Styling nach europäischem Muster an und empfiehlt sich sowohl als idealer Partner für die Shoppingtour als auch für den Wochenendtrip. Einen wesentlichen Anteil daran hat die hohe Funktionalität des Hyundai. So lassen sich Einkäufe bequem über die niedrige Ladekante in den mit 295 Liter geräumigen Kofferraum laden und mit den vier seitlich angebrachten Verzurr ösen sichern. Steht der Wochenendeinkauf auf dem Plan, kann durch Umklappen der Rückbank das Gepäckabteil auf 1060 Liter erweitert werden. Einziger Wermutstropfen: Die Rückenlehnen klappen leider nicht so, dass ein ebener Ladeboden entsteht. Auch dann nicht, wenn zusätzlich die Sitzfläche aufgestellt wird, was mit der Benutzung eines etwas filigranen Mechanismus verbunden ist.

Dafür sind auch die Insassen im i20 gut untergebracht. Sie finden durch weit öffnende Türen leichten Zugang zu den bequemen Sitzen, die auf den vorderen Plätzen über aktive Kopfstützen verfügen. Zusätzlich bietet Hyundai zum Schutz der Passagiere bereits im Basismodell sechs Airbags serienmäßig an. Daneben gehören bei allen Modellen ABS, ESP,Gurtstraffer und eine Isofix-Kindersitzbefestigung zur Grundausstattung. Weitere Sicherheitsmerkmale sind einstellbare Lenksäule und Gurthöhenverstellung, durch die auch großgewachsene Mitteleuropäer eine entspannte Haltung hinter dem Lenkrad finden.

Doch die Begeisterung bekommt einen Dämpfer bei näherer Betrachtung der verwendeten Materialien im Innenraum. Hartplastik an den Türverkleidungen und Verkleidungsteile aus schlecht entgratetem Kunststoff passen nicht zu dem von Hyundai erhobenen Qualitätsanspruch. Eine Ausnahme bildet das ansprechend gestaltete Armaturenbrett. Es verfügt in der höherwertigen Version Style über einen kleinen, wenn auch schlecht ablesbaren Bordcomputer.

Heizung und Klimaanlage sind einfach zu bedienen, auch die Vielzahl von Ablagemöglichkeiten macht das Leben leichter. Als besonderes Bonbon spendiert Hyundai Aux- und USB-/iPod-Schnittstelle in der Mittelkonsole, mit der mp3-Player angeschlossen werden können. Damit nicht nur die Musik Freude beim Fahren macht, bietet Hyundai vier Vierzylinder mit einer Leistung von 78 bis 126 PS an. Die 11 250 Euro teure Einstiegsmotorisierung ist dabei die ideale Lösung für den Stadtverkehr, wo er den kleinen Wagen flott in Gang hält. Eine Leistungsstufe höher sorgt der 1,4-Liter mit 101 PS für deutlich mehr Fahrspaß – bei höherem Tempo allerdings auch etwas brummig. Ähnlich rustikal geht der i20 auch mit der Spitzenmotorisierung zu Werke, der aus dem i30 bekannte 1,6-Liter mit 126 PS. Dabei kann sich dieser Motor nicht so deutlich von seinem schwächeren Bruder absetzen, wie es die Zahlenwerte vermuten lassen. Dieselfreunde kommen mit dem laufruhigen 1,6-Liter-Commonrail mit 116 PS auf ihre Kosten. Mit ihm ist der i20 auch für lange Strecken optimal motorisiert. Die Verbrauchswerte des Selbstzünders können sich sehen lassen: Nur 4,4 Liter Diesel gibt Hyundai als Mittelwert an.

11 250 Euro kostet der Einstieg in den i20 mindestens, womit der Wagen auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern liegt. Hyundai möchte vom i20 pro Jahr europaweit 110 000 Fahrzeuge absetzen. Ob das klappt, dürfte wohl davon abhängen, ob die Kunden in genügender Zahl bereit sind, sich mit den kleinen Schwächen im Innenraum abzufinden.

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