Hyundai Tucson folgt ix35 : Cowboy aus der Mucki-Bude

Billig war gestern: Mit dem neuen Hundai Tucson will sich die Marke auf den Weg ins Premiumsegment machen. Vorausgeschickt wird mit dem Kompakt-SUV das absatzstärkste Modell. In großen Teilen kann der Koreaner mit europäischen Wurzeln den Anspruch erfüllen.

von
Nun schaut er grimmig: Der neue Hyundai Tucson setzt sich optisch so weit wie möglich von seinem Vorgänger, dem eher brav gezeichneten Hyundai ix35 ab.
Nun schaut er grimmig: Der neue Hyundai Tucson setzt sich optisch so weit wie möglich von seinem Vorgänger, dem eher brav...Foto: promo

Wer künftig ein SUV von Hyundai sucht, der findet sich jetzt endgültig im wilden Westen wieder. Nach dem großen Santa Fe rückt nun der kleinere Tucson nach. Der hieß früher ix35 und davor schon mal Hyundai Tucson. Verstehen muss man es nicht, doch das tut der Sache keinen Abbruch: Die Marke Hyundai befindet sich auf dem Weg nach oben. Das gilt nicht nur für die Absatzzahlen sondern auch für die Produktpalette. Auf den Spuren von Volkswagen pirschen sich die Koreaner nach und nach ins Premiumsegment. Auch wenn es da schon ganz schön voll ist.

Gerade für die Premiumambitionen ist der Hyundai Tucson ein ganz wichtiger Meilenstein. Daher zeigt sich das neue Kompakt-SUV erst mal wie ein zorniger Audi Q5. Auffallen muss sein, war doch der ix35 noch eher brav gezeichnet. Zu diesem Eindruck trägt der hexagonale Kühlergrill, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Single-Frame-Dauerbrenner aus Ingolstadt hat, maßgeblich bei. Doch der erste Verdacht verflüchtigt sich schnell, denn der Tucson kommt noch mal eine Spur bulliger daher, hat seine Kotflügel weit ausgestellt und mit seinen schmalen Leuchten guckt er grimmig drein. „Wir wollen emotionaler werden“, sagt Chefdesigner Peter Schreyer zu dem Look des Weltautos. Denn den Hyundai Tuscon gab und gibt es unter diesem Namen schon immer in Fernost und den USA. Ist gelungen, lässt sich da nur sagen.

Dabei ist der wuchtige Auftritt nur ein Teil der Mission des Hyundai Tucson. Der Arnie mit dem Westernnamen steht auf einer komplett neuen Plattform, die in den kommenden Monaten für einige neue Modelle mit dem Hyundai-H sorgen wird. Da macht das absatzstärkste Modell der Koreaner nur den Anfang. Aber der Tucson will noch mehr als nur Vorreiter sein: Wichtigste Eigenschaft ist nun Technologieträger. Vor allem bei den Assistenzsystemen geht man jetzt in die Vollen. Notbremsassistent, Tot-Winkelwarner, Spurhalteassistent oder Parkautomat, der jetzt auch quer kann – Hyundai beherrscht mittlerweile fraglos die gesamte Klaviatur an elektronischen Helferlein. Und noch mehr, denn bei einer Kollision mit Fußgängern oder Radfahrern hebt sich nun sogar die Motorhaube zum Schutz leicht an. Und der Hersteller bietet nun auch über ein TomTom-Navigationssystem aktuelle Verkehrsdaten an. Die ersten fünf Jahre sind dabei inklusive.

Auf den ersten Blick scheinen auch die praktischen Veranlagungen zu stimmen. Eine tiefe Ladekante gibt den Raum für ein Ladevolumen von 513 Liter frei.
Auf den ersten Blick scheinen auch die praktischen Veranlagungen zu stimmen. Eine tiefe Ladekante gibt den Raum für ein...Foto: promo

Im Innenraum ist dem Koreaner, der in Rüsselsheim entwickelt und in Tschechien gebaut wird, anzusehen, dass er in der Länge um sechs Zentimeter zugelegt hat. Das Platzangebot ist gegenüber dem Vorgänger spürbar gestiegen. Auch hinten können es sich Erwachsene recht gut gehen lassen, auf den vorderen Plätzen ohnehin. Zum Wohlgefühl tragen auch Materialien und Verarbeitung bei. Das einst bei Hyundai so breit gestreute Hartplastik findet sich nur noch an wenigen Stellen. Wertige Kunststoffe, zu großen Teilen unterschäumt, hinterlassen bei der ersten Sitzprobe einen guten Eindruck. Der Kofferraum ist im Vergleich zum Vorgänger kräftig gewachsen und bietet nun beachtliche 513 Liter an Stauvolumen im Normalzustand. Damit liegt der Koreaner an der Spitze in seinem Segment.

Im Interieur ist der neue Anspruch der Marke deutlich zu erkennen: Der Hyundai Tucson 2015 will ins Premiumsegment.
Im Interieur ist der neue Anspruch der Marke deutlich zu erkennen: Der Hyundai Tucson 2015 will ins Premiumsegment.Foto: promo

Angenehm aufgeräumt ist auch die Mittelkonsole, wo sich die Mehrzahl der Tasten auf die Bedienung von Klimaanlage und dem sieben Zoll großen Infotainmentsystem beschränkt. Nur in der Mittelkonsole verraten weitere Tasten, wie etwa der für die Bergabfahrhilfe, dass sich dieser Cowboy tatsächlich auch in der Prärie zurecht finden würde. Zumindest, wenn sich der Ausritt auf halbwegs kultivierte Feldwege beschränkt. Denn allzuviel Bodenfreiheit bietet dieser City-Cowboy jetzt nicht. Da fügt er sich nahtlos in die Ausrichtung seiner Konkurrenten ein.

Bei all den Neuerungen: Für die Antriebe greift man dagegen wieder auf Bewährtes zurück. Zur Wahl stehen Front- und Allradantrieb. Zwei Varianten eines 1,6 Liter großen Benziner mit 135 oder turboaufgeladenen 176 PS. Dieser Motor wurde für den Tucson gleichzeitig auch neu aufgelegt. Bei den Selbstzünder steht ein 1,7 Liter großer Motor mit 115 PS und ein Zwei-Liter-Diesel mit 136 und 184 PS zur Verfügung. Preislich wird der neue Hyundai Tucson eine Handvoll Dollar mehr kosten. Konkretes verriet Hyundai noch nicht, aber bei rund 21 000 Euro dürfte es losgehen.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

3 Kommentare

Neuester Kommentar