Comeback der Elektroautos, neue Cabrios und Kompakte : Alle gegen Tesla

Selten war eine IAA so digital wie in diesem Jahr. Der Kampf um die Vorherrschaft bei der digitalen Revolution ist vollends ausgebrochen. Die Deutschen positionieren sich aber auch gegen einen gemeinsamen Gegner, der gar nicht vor Ort ist.

von und Patrick Broich
Blick in die Zukunft: Der Mercedes Concept IAA will vor allem zeigen, was in Sachen Aerodynamik und bei der Entwicklung neuer Bedienkonzepte möglich ist.
Blick in die Zukunft: Der Mercedes Concept IAA will vor allem zeigen, was in Sachen Aerodynamik und bei der Entwicklung neuer...Foto: dpa

Wenn alle über einen reden, dann hat man entweder ziemlich viel falsch oder ziemlich viel richtig gemacht. Im Falle von Tesla trifft wohl eher letzteres zu. Das kalifornische Startup spart sich kurzerhand die IAA und beschränkt sich in der Pressearbeit vor allem auf die Tweets seines Gründers Elon Musk. Und siehe da, es funktioniert! Auch in Frankfurt ist Tesla in aller Munde. Allerdings weniger wegen neuen Ankündigungen. Auf der diesjährigen IAA liegt das eher an den Gegnern von Tesla, die sich dort eindrucksvoll in Position gebracht haben. Audi, Porsche und Mercedes zeigen Studien, die direkt die Modelle von Tesla ins Visier nehmen. Bleibt es bei Mercedes noch bei einem Plug-in-Hybrid, so strecken sich Audi und Porsche in Sachen Elektromobilität nach den Sternen. 500, respektive 600 Kilometer Reichweite versprechen die beiden VW-Töchter. Der einzige Hersteller, der bisher mit einem Elektroauto in solche Dimensionen vordringen konnte sind die Kalifornier.

„Tesla geht voran und die anderen laufen hinterher“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen über die Kalifornier und ihre kühnen Pläne. Erst vor einigen Tagen kündigte Elon Musk den Bau eines bezahlbaren, sprich weniger als 40 000 US-Dollar teuren Elektroautos an. Im Luxussegment hat Tesla mit dem Model S schon jetzt ein Pfund in der Hand. Laut Dudenhöffers Zahlen verkauft sich das Modell in den USA besser als die S-Klasse von Mercedes und selbst in der Schweiz greifen die Kunden lieber zum kalifornischen Stromer als zur schwäbischen Luxus-Limousine.

Weltrekord für Mercedes Concept IAA

Mit der Studie Mercedes „Concept IAA“ will Daimler nun zeigen, wie das Auto der Zukunft aussehen könnte. In Sachen Antrieb belassen es die Schwaben bei einem Plug-in-Hybriden, der auf insgesamt 279 PS Leistung kommt. Weitaus interessanter ist das Karosserie-Konzept. Teile der Außenhaut ändern ab einer Geschwindigkeit von 80 km/h ihre Form und verlängern so beispielsweise das Heck oder decken die Radkästen ab. Damit wird ein cw-Wert von 0,19 erreicht. Windschlüpfriger war vorher noch kein viertüriges Automobil. Auch beim Bedienkonzept geht Mercedes neue Wege. Das gesamte Cockpit ist überspannt von einem riesigen Touchscreen-Display, mit dem sämtliche Funktionen des Autos abgedeckt werden. Kippschalter oder Tasten gibt es nicht mehr. Gleichzeitig kommuniziert der „Concept IAA“, IAA steht dabei für „Intelligent Aerodynamic Automobile“, mit anderen Autos und nach Möglichkeit mit der Infrastruktur. So sollen Unfälle künftig nahezu ausgeschlossen werden.

Der Gegner ist klar definiert: Der Audi E-Tron Quattro Concept gibt einen Ausblick auf den in zwei Jahren kommenden Audi Q6. Das Elektro-SUV wird das Tesla Model X angreifen, das dieses Jahr noch zu den Kunden kommen soll.
Der Gegner ist klar definiert: Der Audi E-Tron Quattro Concept gibt einen Ausblick auf den in zwei Jahren kommenden Audi Q6. Das...Foto: dpa

Schöne neue Welt aus einer fernen Zukunft, möchte man sagen. Bis auf das Cockpit, das in der neuen E-Klasse im nächsten Jahr so ähnlich kommen soll, stimmt das auch. Wesentlich näher an der Serie sind da Porsche und Audi. Aus Zuffenhausen kommt die Studie „Mission E“. Vom Design her an den 911er angelehnt, fährt sie aber rein elektrisch. Porsche verspricht eine Reichweite von 600 Kilometer bei einer Leistung von 600 PS. Das ist eine Ansage, natürlich in Richtung Tesla. Auch hier ist das Interieur besonders interessant. Neue Bedienkonzepte, vom Touchscreen-Display bis hin zur Steuerung mit Gesten und Blicken, stellt Porsche vor. Und 2018 soll ein solcher Sportwagen auch in Serie gehen.

Die vielleicht progressivste Studie ist der Porsche Mission E. In Zuffenhausen wird bereits intensiv über einen elektrischen 911er nachgedacht. 2018 wird er wahrscheinlich kommen.
Die vielleicht progressivste Studie ist der Porsche Mission E. In Zuffenhausen wird bereits intensiv über einen elektrischen 911er...Foto: dpa

Das will Audi mit dem „E-Tron Quattro Concept“ toppen, denn nach den Plänen der Ingolstädter könnte ihr Elektro-SUV schon ein Jahr früher auf den Markt kommen. Bei den technischen Daten bleibt das Modell zwar mit 500 Kilometern Reichweite und 503 PS hinter der konzerninternen Konkurrenz zurück. Aber durch einige nette Ideen, wie einen variablen Allradantrieb, Allradlenkung und ein Solarzellen-Paneel auf den Dach verschafft sich der E-Tron Concept dennoch Respekt.

Unter die Haube schauen darf man bei Audi allerdings auf der IAA zumindest nicht. Stellt sich die Frage, ob Geheimniskrämerei, Hektik bei der Fertigstellung oder gar etwas Hochstapelei der Grund ist. Klar ist jedenfalls, dass alle drei Hersteller den Twitterankündigungen Teslas nun Fakten entgegen stellen wollen. Allerdings: Es muss auch geliefert werden. Erst die kommenden Jahre werden zeigen, ob die drei deutschen Premiumhersteller wirklich den Charme des Newcomers mit starken Serienmodellen entzaubern können. Denn in diesem Feld hat Tesla schon geliefert. Egal ob mit 279, 503 oder 600 PS – hinterher fahren sie erst mal alle drei.

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