Die IAA 2013 in Frankfurt : Weltbewegendes serienweise

In Frankfurt hat die IAA begonnen. Die Hersteller haben trotz anhaltender Krise ein Feuerwerk an Neuheiten mitgebracht. Wir haben die wichtigsten Serien-Neuheiten der Messe zusammengestellt.

Stefan Woltereck
Der wird so sicher nicht in Serie gehen: Smart gibt der Studie Fourjoy einen Ausblick auf das künftige Aussehen des bekannten Smart fortwo.
Der wird so sicher nicht in Serie gehen: Smart gibt der Studie Fourjoy einen Ausblick auf das künftige Aussehen des bekannten...Foto: dpa

"Die IAA ist auch in schwierigen Zeiten ein Stabilitätsanker", frohlockt Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die Flut neuer Modelle lässt in der Tat erwarten, dass die Kauflust steigt – nicht zuletzt in den USA, in China und Russland. Hier läuft es speziell für deutsche Premiummarken gut. Anders als auf Europa fixierte Massenhersteller freuen sie sich über Sonderschichten und Rekordabsatz.

Automessen lassen Träume wachsen – etwa bei BMW. Auf der IAA feiert die 4er-Reihe ihre Premiere als Nachfolgerin des 3er-Coupés und Cabrios, der 5er wird aufgefrischt, der X5 erscheint in dritter Generation. Die Sensationsnummern aber heißen i3 und i8 – beide mit Elektroantrieb, Ersterer mit ultraleichter Karbonkarosserie, bis zu 200 km Reichweite und ab 34 950 Euro überraschend preiswert, Letzterer mit 231 Benzin- plus 131 Elektro-PS ein echter Sportwagen – mit 2,5 Liter Normverbrauch. In beiden übrigens kann auf einer 300-Meter-Strecke sogar (mit-)gefahren werden.

Fliegender Teppich bei Mercedes

Mercedes-Benz zelebriert die neue S-Klasse; mit "Magic Carpet", mit dem sensationellen und im wahrsten Sinn des Wortes vorausschauenden Fahrwerk zumindest im Komfort tatsächlich das beste Auto der Welt. Der GLA, technisch eine hochgesetzte A-Klasse, gibt Ausblick auf einen kleinen SUV, mit dem man erstmals gegen erfolgreiche kompakte Wettbewerber wie den BMW X1 oder den Audi Q3, aber auch gegen den Opel Mokka punkten möchte. Interessant ist auch eine neue Getriebeautomatik mit neun Gängen.

Opel blickt nach jüngsten Erfolgen wieder optimistisch in die Zukunft, unter anderem mit der Studie Monza als besonderem Hingucker. Der Insignia wird vor allem innen neu herausgeputzt, dazu erscheint er als Country-Tourer mit Allradantrieb und rustikalem Auftritt. Wichtiger für Normalkäufer sind die neuen 1,6-l-Motoren als Diesel und Benziner sowie der brandneue Einliter-Dreizylinder. Mit Leistungen bis 115 PS und viel Drehmoment eifert er dem erfolgreichen "Eco-Boost"-Dreizylinder von Ford nach.

Sparsamkeiten bei VW

Mit die größte Zahl an Neuheiten drängelt sich im VW-Konzern. Vom Golf Blue Motion (3,2 Liter Normverbrauch, 85 g CO2) bis zum (15 Zentimeter höheren) Golf plus, vom e-up (26 900 Euro) bis zum e-Golf mit 150 Kilometern Reichweite für erwartete 35 000 Euro zeigt Volkswagen vor allem Modelle, die für Normalkäufer bald große Bedeutung erlangen werden. Audi krönt seine Neuheiten vom supersparsamen A3-TDI ultra (ebenfalls 3,2 l/100 km) über das Cabrio bis zum überarbeiteten A8 mit einer V8-Biturbo-Sportwagenstudie: 600 PS, 800 Nm Drehmoment. Das an den Ur-Quattro erinnernde Geschoss soll in drei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen. Der Biturbo wird auch bei Bentley erwartet.

Mit dem Audi A3 Cabrio haben die Ingolstädter neben einer aufregenden Studie noch was Solides im Gepäck.
Mit dem Audi A3 Cabrio haben die Ingolstädter neben einer aufregenden Studie noch was Solides im Gepäck.Foto: dpa

Seat ergänzt die Leon-Reihe mit einem Kombi (ST) und einem Dreitürer (SC). Beide lassen sich bis zu 180 PS aufrüsten – fast mit den Fahrleistungen des Golf GTI. Skoda bietet im ebenfalls neuen Octavia RS sogar den echten GTI-Motor mit 220 PS. Neu ist dazu der Rapid Spaceback – Format ähnlich wie beim Audi A3 Sportback. Porsche feiert 50 Jahre 911 und startet ins Elektro-Zeitalter: mit dem Panamera Plug-in-Hybrid, über fünf Meter lang, 2,2 Tonnen schwer – und mit einem Normverbrauch von 3,1 Litern. Aber nur, weil der beim elektrischen Fahren verbrauchte Strom nicht gerechnet wird. Auf der IAA steht dazu der 918 Spyder, ebenfalls mit Hybridantrieb und 887 PS – für 768 026 Euro.

Viel Neues in Golf-Klasse

Wichtigste Neuheit bei Peugeot ist der 308 in der Golf-Klasse, er ist 140 Kilo leichter als der bisherige 307. Das RCZ-Coupé erhält in R-Version 270 PS (aus unverändert 1,6 l Hubraum). Ganz anders der 2008: In ihm stellt Peugeot erstmals einen Hybridantrieb vor, der anstelle von Elektromotor und Batterie einen Druckluftspeicher benutzt, und mit ihm im Verbrauch eine Zwei vor dem Komma erreichen soll. Citroën präsentiert die Van-Versionen Picasso und Grand Picasso des C4. Renault nimmt mit seinem überarbeiteten Latitude neuen Anlauf in der gehobenen Klasse, mit dem Captur ist man dazu neu bei den kleinen SUV-Modellen vertreten. Mit Zoe, Fluence, dem Kangoo electric und dem skurrilen Twizy preist man stolz das größte Angebot elektrischer Modelle in Europa. Dacia spendiert seinem erfolgreichen Duster eine neue Front.

Den GLA hinten im Bild gibt es konkret zu kaufen, aber die Studie zum Mercedes S-Klasse Coupé vorne zieht natürlich mehr Besucher in ihren Bann.
Den GLA hinten im Bild gibt es konkret zu kaufen, aber die Studie zum Mercedes S-Klasse Coupé vorne zieht natürlich mehr Besucher...Foto: dpa

Bei Nissan hat der neue Note Premiere – im Charakter ganz der bisherige, aber etwas größer und sogar preiswerter als bisher. Auch der erfolgreiche Qashqai kommt in neuer Auflage. Eine besondere Rolle spielt dazu der Leaf: Mit mehr als 100 000 gebauten Exemplaren ist er das erfolgreichste Elektroauto überhaupt. Toyota bietet mit dem neuen Auris TS eine Alternative zu den neuen Kombis von VW, Seat und Skoda. Auch Honda engagiert sich mit dem markanten Civic Tourer neu in diesem Sektor. Bei Mazda feiert der neue 3er Premiere, Suzuki zeigt den neuen sehr sparsamen SX4 und lässt mit der Studie iV-4 einen Blick auf künftiges Design zu. Fiat verlängert seinen kleinen Van 500 L um 20 Zentimeter zum Siebensitzer. Hyundai feiert den neuen i10: Länger, breiter und flacher bietet er mehr Platz, eine viel moderne Optik und dank neuem Dreizylindermotor auch einen geringeren Verbrauch. Die Schwestermarke Kia gibt einen Ausblick auf ein künftiges Modell in der Polo-Klasse, sie erneuert dazu den Soul.

Teures Vorbild von Tesla

Und der kleine, aber innovative Hersteller Tesla aus Kalifornien fährt elektrisch weiter vorweg: Die neue S-Limousine erreicht 210 km/h und wie ein Turbo-Porsche Tempo 100 aus dem Stand in 4,5 Sekunden. Ihr Akku fasst viermal so viel Strom wie in einem BMW i3 (85 kWh) – und soll bei moderater Fahrweise für 400 Kilometer reichen. Das ist das Vorbild für die gesamte e-Branche, auch wenn das Auto 114 940 Euro kostet.

Am 12. September eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel die Internationale Automobil-Ausstellung auf dem Frankfurter Messegelände. Fachbesuchern steht die "automobilste Show der Welt" (so ihr Motto) ab diesem Tag offen (für 45 Euro Eintritt), Pressevertretern zwei Tage früher, dem Publikum ab 14. September (Eintritt 13 Euro bzw. am Wochenende 15 Euro). Die großen Trends stehen bereits fest: Elektro-Modelle werden für Normalkäufer interessant. Hybride und Plug-in-Hybride stehen vor der Großserie.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

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