IAA : Boxer mit Biss

Subaru ist unauffällig, aber nicht uninteressant: Legacy und Legacy Outback kommen mit frischem Design und stufenloser Automatik.

Sven Jürisch
301364_3_xio-fcmsimage-20090925003945-006005-4abbf5317cf7f.heprodimagesfotos8111200909252009380099_0001.jpg
Fünfte Generation. Der Legaxy wird seit 20 Jahren gebaut. -

Subaru und der Boxermotor. Eine Kombination, die seit nunmehr fast 30 Jahren bestens funktioniert. Denn bis auf Porsche sind die Japaner der einzige Hersteller, der auf die gegenläufig operierenden Kolben mit dem perfekten Massenausgleich setzt. Und das mit einer bemerkenswerten Konsequenz. Denn erst jüngst stellte Subaru den ersten Selbstzünder als Boxermotor vor. Mit zwei Litern Hubraum, 150 PS Leistung und einem Drehmoment von 350 Nm bewegt sich der Diesel dabei auf klassenüblichem Niveau und verhilft auch der neuesten Generation der Limousine Legacy und deren rustikaler Variante, dem Legacy Outback, zu Fahrleistungen, die sich sehen lassen können. Die 100 km/h werden nach nur 9,7 Sekunden erreicht und die Höchstgeschwindigkeit beträgt rund 205 km/h.

Dennoch kommen Dieselfans bei Subaru nicht vollständig auf ihre Kosten, denn ihnen bleibt derzeit eine Kombination des Selbstzünders mit einem Automatikgetriebe versagt. Dies ist umso ärgerlicher, als der Drehmomentverlauf des mit 6,1 Liter Diesel recht sparsamen Motors hierfür die besten Voraussetzungen böte. So bleibt Vielfahrern nur der Griff zum Schalthebel der gut abgestimmten und sauber zu schaltenden Sechsgang-Box mit Allradantrieb, während sich die Vierzylinder-Benzinmotoren mit einem neu konstruierten stufenlosen CVT-Getriebe kombinieren lassen. Dieses von Subaru und dem Kupplungshersteller LUK entwickelte Aggregat setzt dabei auf ein Prinzip, wie man es aus verschiedenen Kleinwagen kennt.

Zwei im Durchmesser variabel arbeitende Kegelrollenpaare werden dabei mit einer metallischen Schubgliederkette verbunden und treiben so ein mit Allradantrieb versehenes Zwei-Wellen-Getriebe an. Die Wahl der richtigen Übersetzung erfolgt dabei völlig ruckfrei durch die Verstellung der Kegelrollenpaare. Das Prinzip ist nicht neu und feierte sein Debüt bereits 1958 im legendären DAF unter dem Namen Variomatik.

Beim Legacy sucht man die von früheren Konstruktionen dieser Bauart bekannten Nachteile vergebens. Die Kombination des neuen Automaten mit dem 167 PS starken 2,5-Liter-Boxer-Benziner ist ideal. Der Subaru sprintet binnen 10 Sekunden auf 100 km/h und macht auch bei Überholvorgängen auf der Landstraße eine gute Figur. Das früher oft zu beobachtende quälend lange Aufheulen des Motors ohne nennenswerten Zuwachs an Vortrieb kennt der Legacy mit stufenlosem Antrieb nicht. Und selbst den manuellen Eingriff in die Übersetzungswahl durch die am Lenkrad angebrachten Schaltpaddel pariert das von einer sensiblen Elektronik gesteuerte Getriebe perfekt und ändert spontan die Übersetzung. Der Verbrauch (nach Subaru-Angaben 8,4 Liter Super), ist guter Klassenstandard und lässt sich mit vorausschauender Fahrweise noch verbessern. Denn: Wer nach Erreichen der gewünschten Geschwindigkeit den Fuß vom Gas nimmt, „segelt“ bei niedriger Drehzahl durch den Verkehr und spart so den einen oder andern Liter Benzin. Dies ist nicht zuletzt dem Verzicht auf den bei herkömmlichen Automaten üblichen energieverzehrenden Drehmomentwandler geschuldet, dessen Aufgabe nun von einem Kupplungspaket übernommen wird.

Lediglich im mit einem durstigen 3,6- Liter-Sechszylinder-Boxermotor ausgerüsteten Topmodell (260 PS) kommt noch eine herkömmliche Wandlerautomatik mit fünf Fahrstufen zum Einsatz. Mit 230 km/h und einer Beschleunigung von 7,5 Sekunden auf 100 km/h sind die Fahrleistungen über den Vierzylindermodellen angesiedelt, der Verbrauch mit rund 10,0 Litern jedoch ebenfalls.

Dank einem verbesserten Luftwiderstandsbeiwert von 0,34 (Outback) und dem Verzicht auf die rahmenlosen Türscheiben gehören Windgeräusche, wie sie bei früheren Legacy-Modellen anzutreffen waren, der Vergangenheit an. Die Passagiere des Subaru reisen, nicht zuletzt wegen des laufruhigen Motors, komfortabel und wähnen sich eher in einer höheren Fahrzeugklasse. Dazu trägt auch das aufgewertete Interieur und die jetzt deutlich bessere Materialqualität bei. Speziell für den Fahrer wird dieser Eindruck durch die optisch ansprechende Schalttafel und die übersichtliche Bedienung noch gesteigert. Lediglich die Unterbringung der Konsole für die Lichtbetätigung in unmittelbarer Nähe des linken Knies lässt Raum für Verbesserungen erkennen – obwohl der neue Subaru mit 5 Sternen im NCAP-Crashtest hervorragend abschneidet. Wenig Sorgen muss sich die Subarubesatzung um das Raumangebot der rund 4,80 m langen Limousine machen. Auf allen fünf Plätzen herrscht ein üppiges Platzangebot mit reichlich Bein- und Kopffreiheit und auch das Gepäck findet in dem variablen und mit robusten Materialien ausgekleideten Kofferraum (486 Liter bei der Limousine und bis zu 1726 Liter beim Kombi) seinen Platz. Zudem sorgen zahlreiche Staufächer für festen Halt von allerlei Kleinkram.

Allradantrieb, exotischer Motor, hochwertige Verarbeitung: All das hat seinen Preis. Mit Preisen ab 28 100 Euro ist die gut ausgestattete Basisversion namens Trend der Subaru Legacy Limousine in der oberen Mittelklasse kein Sonderangebot. Der Dieselmotor schlägt mit einem Mehrpreis von rund 2000 Euro zu Buche und das moderne CVT-Getriebe erfordert noch einmal den gleichen Betrag. Wer jedoch dem herrschenden Einerlei der bekannten Marken in dieser Klasse entfliehen möchte, kann ruhigen Gewissens zum Subaru greifen. Drei Jahre Garantie, ein gut aufgestelltes Händlernetz und ein hoher Wiederverkaufswert sind eine Empfehlung wert.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben