IAA : Klimaschutz: Wettlauf der Konzepte

Klimaschutz ist das Zauberwort der diesjährigen IAA in Frankfurt. Die technische Konzepte zur CO2-Reduzierung der einzelnen Hersteller gehen allerdings in unterschiedliche Richtungen. Diesel, Hybrid oder "Diesotto"? Wie heißt das Antriebskonzept der Zukunft.

Michael Friedrich
IAA Diesotto
Der F700 auf der IAA in Frankfurt: Mercedes kombiniert in dem Forschungsfahrzeug den Diesel- mit einem Otto-Motor und baut noch...Foto: ddp

Frankfurt/MainDiesel, Otto, Hybrid und "Diesotto": Die diesjährige IAA in Frankfurt ist ein Schaulaufen für die Antriebskonzepte der Zukunft. Die Autobauer kämpfen gegen ihren Ruf als vermeintliche Klimaschutzrüpel und überbieten sich in der Ankündigung neuer, spritsparender Modelle.

Insbesondere die deutschen Hersteller, die jahrelang auf sparsame Diesel-Motoren gesetzt haben, wollen in den kommenden Jahren ihre Modellpalette erweitern und ebenfalls Hybridmotoren auf den Markt werfen. Vorausgefahren sind die Japaner, allen voran Toyota. Vor allem in den USA nahmen sie den etablierten Herstellern in den vergangenen Jahren mit ihren kleinen, effizienten Fahrzeugen Marktanteile ab. Die Flaggschiffe der US-Autoindustrie hatten zu lange auf große, spritfressende Geländewagen und Pickups gesetzt. Als die Benzinpreise anzogen, brachen die Verkäufe ein.

In Übersee allerdings war der konventionelle Ottomotor lange Zeit ohne Alternative, Dieselfahrzeuge spielten keine nennenswerte Rolle. Der Treibstoff war zum einen nicht wesentlich günstiger als Normalbenzin, zum anderen sind Dieselmotoren in der Anschaffung teurer. Diese Marktlücke nutzen die Japaner mit ihren Hybridmodellen.

Hybridautos nicht gerade Bestseller

IAA Audi Q7 Hybrid
Audi Q7: Der Spritfresser aus Ingolstadt kommt demnächst mit Hybridmotor. -Foto: ddp

Ganz anders sieht die Situation in Europa und speziell in Deutschland aus. Die Zulassungszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von den 3,467 Millionen Neuzulassungen in Deutschland entfielen laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) im vergangenen Jahr gerade einmal 5278 auf Hybridfahrzeuge. Dieselfahrzeuge hingegen kommen auf einen Marktanteil von fast 50 Prozent. Honda beispielsweise hat in diesem Jahr in ganz Europa 235.000 Fahrzeuge verkauft, gerade einmal gut 6000 hatten einen Hybridantrieb unter der Haube.

Das dürfte sich ändern. Die Märkte weichen zunehmend auf, wer global bestehen will, muss alle Motoren im Angebot haben. Hersteller und Zulieferer haben sich auf ein Nebeneinander der verschiedenen Antriebskonzepte in den kommenden Jahren eingestellt. Die Deutschen nehmen Hybridfahrzeuge ins Sortiment, die Japaner Dieselmodelle. BMW zum Beispiel will seinen neuen Geländewagen X6 ab 2009 als Hybrid anbieten, ähnlich sieht es beim Q7 von Audi, dem Cayenne von Porsche oder der M-Klasse von Mercedes aus.

Mercedes setzt auf "Diesotto"

Audi-Chef Rupert Stadler dämpfte auf der IAA aber allzu große Erwartungen: "Das wird kein Riesenvolumen werden." Mercedes geht noch einen Schritt weiter. Als Konzept-Fahrzeug zeigen die Stuttgarter den F700, der einen sogenannten "Diesotto"- und einen Hybrid-Antrieb kombiniert. Als "Diesotto" bezeichnet der Konzern ein zukünftiges Motorenkonzept, das die Vorteile des Diesel (Sparsamkeit) mit der des Otto-Motors (Sauberkeit) verbinden soll. Der F700 soll auf 100 Kilometer 5,3 Liter Benzin verbrauchen.

Auch die Nachbarn in Frankreich sind auf den Hybridzug aufgesprungen. "Die Technologie beherrschen wir jetzt, die Autos funktionieren. Zur Zeit ist die wichtigste Arbeit, bis 2010 die Kosten zu reduzieren", sagte Peugeot-Deutschlandchef Olivier Dardart am Mittwoch. "Wenn wir die Technologie jetzt einführen würden, wären die Kosten noch zu hoch und die Kunden würden das Auto nicht kaufen."

GM bringt Opel-Diesel in den USA

Doch es geht auch andersherum: General Motors will für den heimischen Markt auf Diesel-Modelle von Opel zurückgreifen. "Dadurch, dass wir in Europa eine starke Präsenz von selbst entwickelten und produzierten Diesel haben, können wir diese auch in Schwesterprodukten in den USA anbieten", sagte General-Motors-Chef Rick Wagoner in Frankfurt der Zeitschrift "auto motor und sport". Und der bayerische Autobauer BMW, der sich in den vergangenen Jahren vor allem die Optimierung konventioneller Motoren auf die Fahnen geschrieben hat, findet in den USA mit seinen spritsparenden Fahrzeugen großen Anklang. Im August kletterte der Absatz im vermeintlichen Dorado der Japaner um 19,3 Prozent, seit Jahresanfang waren es immerhin 8,1 Prozent.

So dürfte es in erster Linie an den Verbrauchern liegen, welchem Antrieb sie den Vorzug geben. Bei Toyota jedenfalls, dem Vorreiter bei Hybridautos, ist die Euphorie ungebrochen. Die Japaner wollen die Produktion bis Anfang des nächsten Jahrzehnts auf eine Millionen Autos pro Jahr hochfahren. (mit dpa)

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