IAA : Rasender Fortschritt

Die Geschichte von der "Grünen Woche" ist nur die halbe Wahrheit: Raketen auf Rädern stehen neben Sparwundern – die einen können von den anderen lernen.

Kai Kolwitz
IAA
IAA-Aussteller: Aufmerksamkeit auch durch brachiale Leistung. -Foto: ddp

Frankfurt/MainDass sie so grün ist wie noch nie, das wissen wir inzwischen. Natürlich haben die Hersteller auf die Klimadebatte reagiert, gelegentlich auch mit Material aus der Hüfte oder der Schublade. Aber trotzdem ist die Geschichte von der „Grünen Woche“ nur die halbe Wahrheit. Denn: Praktisch alle Volumenhersteller machen auf der IAA den Spagat. Mercedes stellt seine Bluetec-Modelle neben SLR McLaren und C63 AMG, BMW preist sein Efficient-Dynamics-Konzept und zeigt das zum SUV X6 aufgebockte 6er-Coupé mit Hybridantrieb, präsentiert aber auch den neuen M3 mit 420 PS und 295 Gramm CO2 je Kilometer. Bei Fiat, Ford, VW und deren Edelablegern ist die Lage kaum anders: Auch in Zeiten der Klimadebatte hilft nicht zuletzt brachiale Leistung den Herstellern dabei, Aufmerksamkeit zu generieren.

„Ohne Hochleistungsfahrzeuge würde der Industrie ein ganz wesentlicher Faszinationsfaktor fehlen“, kommentiert Christoph Stürmer vom Prognosespezialisten Global Insight die Doppelstrategie – aus der man bei Porsche fast schon eine Trotzreaktion lesen könnte: Zwar steht am Stand der für 2009 angekündigte Cayenne-Hybrid, mit dem man den Verbrauch des schweren SUVs auf 8,9 Liter drücken will, doch hat man dem oft als Negativbeispiel in Sachen Umwelt genannten Geländesportler auch in Sachen Leistung einen Nachschlag verpasst. Der GTS hat 405 PS und damit 20 mehr als der Cayenne S, er liegt tiefer – und der Verbrauch? 15,1 Liter gibt Porsche an, weit weg von dem, was als politisch korrekt gilt. Allerdings – und das ist das schöne an der IAA 2007: Die meisten der Spritsparkonzepte werden eher früher als später auch in die ganz schnellen Autos Einzug halten. Zwar wird ein Ferrari nie so sparsam sein wie ein Blue-Motion- Polo, aber Start-Stop-Automatik oder alternative Kraftstoffe funktionieren und machen aus einem Sportler keine Spaßbremse. Die ersten Anzeichen gibt es schon: Einen Tuner-Boliden mit 550 PS und Gastank, Lexus-Luxus mit Hybridantrieb oder Mercedes’ Vision von der schweren Limousine mit fünf Liter Verbrauch. Der Klimadebatte sei Dank.

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