IAA : Wie auf der Playstation

Auch mit ungewöhnlichen Innenausstattungen machen die Hersteller ihre Studien zum Hingucker. Das Gebotene reicht vom reinen Styling-Gimmick bis zum ernst gemeinten Blick in die Zukunft.

Kai Kolwitz
C-Cactus
Der Generaldirektor von Automobiles Citroen, Michel Gilles, kniet neben einer Studie des C-Cactus. -Foto: ddp

Frankfurt/MainAm radikalsten geht die Studie C-Cactus mit dem Thema Armaturenbrett um, die Citroen auf der IAA zeigt: Es gibt keins. Anzeigen, Schalter und einen Touchscreen hat man stattdessen auf Lenkradnabe und Mittelkonsole verteilt. So spart man Kosten und Gewicht, dem Betrachter bleibt allerdings ein etwas irritierendes „Da fehlt was“-Gefühl. Überhaupt übt sich der Kaktus mit Hybridantrieb im Innenraum in Verzicht: Aus rund 200 Einzelteilen besteht er, ein normales Fahrzeug hat doppelt so viele.

Nicht nur unter der Haube gibt es in Frankfurt viel zu entdecken – auch mit ungewöhnlichen Innenausstattungen versuchen die Hersteller, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und Marktchancen auszuloten. Teils ist das Gebotene reines Styling-Gimmick, teils aber auch ein ernst gemeinter Blick in die Zukunft.

Zur Kategorie eins dürfte das von einem Surfbrett inspirierte Interieur der Hyundai-Studie Veloster gehören: Die Form findet sich in der Mittelkonsole genauso wieder wie in den Türablagen. Dagegen dürfte Renault beim Innen-Styling des Kangoo Compact, ebenfalls einer Studie, handfestere Hintergedanken gehabt haben: Die Rückbank ist drehbar, dazu kann auch die Heckklappe heruntergeklappt als Sitzgelegenheit dienen – der Ort fürs Picknick wäre damit bereitet, nur auf ein Lagerfeuer im Wageninneren sollten die Benutzer verzichten. Dazu werden auf Knopfdruck die Heckfenster versenkt und das Glasdach schiebt sich nach vorn, was die Studie zum Dachlattentransporter oder zum Halbcabrio macht. Mal sehen, was die nächste Kangoo-Generation davon mitbringen wird. Schließlich hat das Raumwunder schon immer mit unkonventionellen Ideen gepunktet, die Gimmicks könnten die Idee in die Zukunft führen. Auch Daihatsus Studie HSC könnte man sich als Inspiration für die Serie vorstellen – mit Selbstmördertüren und Bedienelementen, die in Satelliten zusammengefasst sind.

Bei Nissan ist dagegen fraglich, ob man das Innendesign des Mixim in einem zivilen Fahrzeug wird bewundern können – zumindest hierzulande. Denn der Flügeltürer mit Elektroantrieb trägt ein Cockpit, das jeder Playstation zur Ehre gereichen würde: Der Fahrer sitzt mittig vor dem Lenkrad im Formel-1-Stil, in das Bedienknöpfe integriert sind, dazu kommen gelb-rote Anzeigen und als Clou Kameras an der Frontstoßstange, deren Bilder sich auf ein Display im Innenraum übertragen lassen. Rennsportperspektive pur. Auch wenn die Idee dahinter gar nicht so neu ist: Schon vor Jahren trug der Nissan Skyline GT-R Telespiel-Gimmicks an Bord, bis hin zum G-Meter, einer Anzeige der jeweils anliegenden Längs- und Querbeschleunigung als Balkenskala. Japaner und Amerikaner waren ganz wild auf die Spielereien. Hierzulande wurde der Skyline nie verkauft, die Idee mit der Anzeige hat Lamborghini allerdings für den Reventón übernommen.

Aber vielleicht liegt die Revolution der Innenraumgestaltung ja doch im kargen C-Cactus. Denn was nicht da ist wie das Armaturenbrett, muss auch nicht bezahlt werden. Ganz so schlimm ist die Sache übrigens nicht: Zwar fehlt dem Citroen aus naheliegenden Gründen ein Handschuhfach. Doch die Designer lassen die Mitfahrer nicht im Regen stehen. Rechts vorne ist eine Tragetasche befestigt – aus Filz, der Umwelt zuliebe.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben