Auto : Ich hol’ mir mal kurz einen Smart

Neu in Berlin: Carsharing von Sixt

Kerstin Heidecke

Wie das nervt. Die Benzinpreise steigen. Die Autoversicherung auch. Parken in der City wird immer teurer. Und die letzten Winkel der Stadt werden zu Parkzonen. Wer sein Auto nicht täglich braucht, denkt darüber nach, umzusteigen. Aufs Rad, auf Bus und Bahn – oder auf Carsharing. Das gemeinsame Nutzen eines Autos mit anderen Fahrern hat sich in Deutschland längst etabliert. 100 Anbieter gibt’s bundesweit – Tendenz steigend.

Ein Geschäft, das sich Sixt nicht entgehen lassen will. Mit dem Sixti Car Club startet der Vermieter jetzt in Berlin mit 100 Fahrzeugen an acht zentralen Stationen die stundenweise Vermietung – alles per Selbstbedienung. So lässt sich noch 60 Sekunden vor Fahrtbeginn ein Auto buchen, per Internet oder Handy. Der Trick: Sixti pflanzt Clubmitgliedern einen Mikrochip in den Führerschein. Den hält man dann vor ein Lesegerät, das hinter der Frontscheibe sitzt und öffnet so das Mietauto. Drin findet man Schlüssel und ein handliches Terminal, mit dem zum Beispiel Beschädigungen erfasst werden.

Zur Flotte gehören Stadtautos wie der Smart, Mini und der 1er BMW. Keiner soll älter als sechs Monate sein. Pro Fahrzeug rechnet das Unternehmen mit 20 bis 30 Mitgliedern. Reicht das? Generell ist die Verfügbarkeit bei Carsharing der Knackpunkt – wenn kein Auto da ist, wenn man es braucht, nützt die beste Idee nichts. Sixt ist trotzdem gelassen: „Unser Hauptgeschäft ist die Vermietung“, sagt Pressesprecher Frank Elsner, „und da ist das Anpassen von Flotten das A und O.“ Will sagen: Läuft der Sixti Club gut, können jederzeit zusätzliche Autos zur Verfügung gestellt werden.

Selbstredend – bei der Vorstellung des Konzepts vergisst Vorstand Detev Pätsch nicht, den Nutzen des Konzeptes für Mensch und Umwelt hervorzuheben. Das Modell senke die CO2-Emissionen erheblich. Und tatsächlich, so schätzt der Bundesverband Carsharing, ersetzt ein Mietfahrzeug vier bis zehn Privatwagen. Denn die meisten Privaten werden im Schnitt nur 40 bis 60 Minuten am Tag genutzt.

Ein Preisvergleich der Carsharing-Anbieter ist nicht ganz leicht. Die Gebühren für Anmeldung, Jahresmitgliedschaft und Kilometer variieren erheblich. Die jährliche Clubgebühr bei Sixti liegt mit 59 Euro recht günstig. Zum Vergleich: Stadtmobil Berlin berechnet 70 Euro für den Einstieg plus 5 Euro im Monat. Abgerechnet wird nach Zeit und Kilometern. Der Stundenpreis beginnt bei Sixt tagsüber bei 4,50 Euro für den Smart, der Kilometerpreis liegt bei 12 Cent. In dieser Pauschale sind Versicherungs- und Benzinkosten enthalten. Besonders nachts sind Kurzausflüge in einem Sixti-Club-Mobil günstig: alle Modelle für 1,50 Euro die Stunde.

Gleich, welches Fahrzeug man zu welcher Zeit nimmt: Das Sixt-Konzept ist eindeutig für Kurztrips gedacht, weniger fürs tage- oder wochenweise Anmieten. Da bekommt man den klassischen Leihwagen gleicher Größe günstiger. Da es den Sixti Club vorerst nur in der Hauptstadt gibt, eignet sich das Angebot ohnehin vor allem für Touren in und um Berlin. Das Netz wird aber ausgebaut – die Rede ist von München, London, Paris, Amsterdam und Wien. Kerstin Heidecke

www.sixticarclub.de

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

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