Im Range Rover Evoque gen Osten : Erste Ausfahrt Odessa

Von Berlin bis zum Schwarzen Meer mit einem Range Rover Evoque auf den Spuren der alten Seidenstraße.

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Gen Osten im Range Rover Evoque. Obwohl er nicht der geländegängigste ist, muss sich auch das Kompakt-SUV durch schwieriges Terrain wühlen.
Gen Osten im Range Rover Evoque. Obwohl er nicht der geländegängigste ist, muss sich auch das Kompakt-SUV durch schwieriges...Foto: promo

Als der Gurt reißt, schlingern die Dieselkanister auf dem Dach hin und her. Es sind schöne, weiß lackierte Kanister, die sich auf einem Geländewagen besonders gut machen, auch ein Ersatzreifen ist auf dem Dachgestell festgeschnallt, sehr passend. Aber jetzt rumpelt es plötzlich über den Köpfen der beiden Fahrerinnen, die Kanister drohen auf die Straße zu stürzen. Als sie an der Böschung einer ukrainischen Landstraße zum Stehen kommen, haben sie noch mal Glück gehabt. Zwei Tage vorher habe ich mein Gepäck in den Kofferraum eines Range Rover Evoque gestopft, steige ein und habe keine Vorstellung davon, was 2000 Kilometer bedeuten. Ich weiß auch nicht, was 15 700 Kilometer ausmachen.

So weit wird dieses Auto fahren, das mit Utensilien einer Rallye ausstaffiert ist, einer Batterie von Nebelscheinwerfern am Dachgestell, dem Reifen, den Kanistern und jeder Menge Sponsorenaufklebern. Wenn ich in Odessa wieder aussteige, wird der Wagen ein Achtel seiner Strecke bewältigt haben. Viele andere Menschen werden das Auto danach über Bergpässe, durch Wüsten, über noch höhere Bergpässe und durch den Dschungel steuern. Es ist der spannendere Teil einer epischen Reise, die auf den Spuren der antiken Seidenstraße, dem ältesten bekannten Handelsweg zwischen Europa und Asien, bis nach Mumbai in Indien führt, durch elf Länder und über den Himalaja hinweg.

Die Fußmatte muss es halten

Aber der erste Gurt ist schon hinter Lemberg verschlissen. Alles schienen die Organisatoren dieser 10. Land-Rover-Experience-Tour bedacht zu haben. Jedes der elf Autos ist mit Funkanlage, Kartenmaterial, Trinkwasser, Trockennahrung und speziellen Navigationsgeräten ausgerüstet. Auch an Extragurten fehlt es nicht. Doch irgendjemand hat vergessen, die scharfen Kanten des Dachgepäckträgers mit einer Feile abzugraten. Die Nylonverspannung scheuert durch. Expeditionsleiter Dag Rogge zerschneidet eine Fußmatte, um das Problem mit einer provisorischen Polsterung in den Griff zu bekommen. So geht es weiter.

Von West nach Ost: Nebel verhüllt die Pisten, auf den es gen Osten geht.
Von West nach Ost: Nebel verhüllt die Pisten, auf den es gen Osten geht.Foto: promo

Die erste Etappe führt von Berlin nach Odessa am Schwarzen Meer. Viele Deutsche legen jedes Jahr im Urlaub vergleichbare Strecken zurück. Sie wollen ans Meer, und das ist mitunter weit. Doch träumen manche von mehr. Davon, Gegenden zu durchmessen, mit denen sich auch die Bedeutung eines Autos ändert. Die britische Automarke Land Rover bezieht aus dieser Sehnsucht einen Großteil ihres guten Rufs. Früher gab es die Camel Trophy. Furchtlose Männer in Land-Rover-Jeeps, und die Natur war immer gegen sie. Doch als der Abstecher in die Südsee mit Einbäumen durchgeführt wurde, wussten die Land-Rover-Leute, dass sie sich etwas Neues ausdenken mussten.

Ein weißer Lindwurm

Daraus ging die Land-Rover-Experience-Tour hervor. Seit 2000 werden Länder wie Namibia, Bolivien oder Island auf Wegen durchquert, für die es besonderer Fahrzeuge bedarf. Solcher, die sich im Schlamm eines Flussbetts nicht festfahren, die zuverlässig steile Hänge erklimmen und so cool sind, dass die Unannehmlichkeiten davor verblassen. Das Seidenstraßen-Projekt ist in der langen Reihe erfolgreicher Expeditionen allerdings das ambitionierteste. Wegen der großen Distanz, der vielen Grenzübertritte, aber auch wegen der Größe des Konvois. Wie ein weißer Lindwurm schlängelt sich der Tross über die Straßen. Er besteht aus sieben Modellen der Evoque-Reihe sowie vier Discovery-Begleitfahrzeugen. Eines ist als Werkstatt eingerichtet, das zweite als Multimediaplattform, das dritte fungiert als Kameramobil, in dem das TV-Team sitzt, das vierte als Krankenwagen.

Zuerst wird der richtigen Weg gesucht und dann mit den Tücken der Piste gekämpft.
Zuerst wird der richtigen Weg gesucht und dann mit den Tücken der Piste gekämpft.Foto: promo

Kurz zuvor, an einem Montagmorgen, hatte sich die Kolonne an der Residenz des britischen Botschafters in Berlin-Zehlendorf in Bewegung gesetzt. Die Schauspielerin Jessica Schwarz schwang am Tor des Anwesens den Unionjack. Dann ging es Richtung Görlitz, zur Grenze. Am Abend war Krakau erreicht, die alte Hauptstadt Polens, Sitz der Könige über viele Jahrhunderte.

Diesel gibt es auf der ganzen Welt

Unter den Land-Rover-Modellen ist der Evoque das am wenigsten geländegängige. Deshalb ist das Kompakt-SUV für den Trip ausgewählt worden. Bei dieser Tour geht es um Distanzen. Sie werden überwiegend auf ausgebauten Straßen und Pisten bewältigt, weshalb es nicht nötig ist, auf die behäbigeren Defender-Jeeps zurückzugreifen. Getankt wird Diesel-Kraftstoff. Denn den gibt es überall. "Auf der ganzen Welt fahren Lkw", sagt Dag Rogge.

In der Ukraine tauschen Frauen ihre Waren am Wegesrand.
In der Ukraine tauschen Frauen ihre Waren am Wegesrand.Foto: promo

Die Strecke hat Dag Rogge mit seinem Mitarbeiterteam in zwei Erkundungsfahrten abgesteckt. Ein Jahr brauchte es dafür. Der Sprung nach Odessa ist die Ouvertüre. Die Karpaten werden in einem großen Bogen nördlich umfahren. Manchmal kann man ihre Ausläufer am Horizont erblicken. Zunächst sorgt eine Schnellstraße für Geschwindigkeit, aber hinter Lemberg beginnt das ukrainische Abenteuer. Asphaltpilze wachsen aus der Straße und reißen einem Lkw die Ölwanne auf.

Wasserscheide zwischen Ostsee und schwarzem Meer

Pferdefuhrwerke trotten am Fahrbahnrand. Und auch ein Mütterchen geht tief gebeugt mit einem Sack auf dem Rücken durch den Staub. Am frühen Morgen liegt Nebel schwer in den Tälern Galiziens, dessen Zentrum Lemberg ist. Die Beamten der K.-u.-K.-Monarchie fühlten sich hier wie in der Verbannung. "Wenn es bei uns regnet", sagt ein Stadtführer, "fließt das Wasser von der einen Seite des Daches in die Ostsee und von der anderen ins Schwarze Meer." Die Stadt liegt auf der europäischen Wasserscheide. Etliche Straßen sind gesperrt, wegen Baumaßnahmen. Auch dafür hat der Stadtführer, ein schmächtiger junger Mann, der die Handflächen gegeneinanderpresst, eine Erklärung: "Es ziehen sich die Vorbereitungen der EM 2012 einfach noch ein bisschen hin."

Über Funk werden Wetten abgegeben, wann das Ziel Odessa voraussichtlich erreicht wird. Und weil jedes der Zwei-Personen-Teams, die sich auf die Autos verteilen, da einen anderen Ehrgeiz entwickelt, ist der Tross bald gesprengt. Und jeder mit sich allein. Das Land – aus der Perspektive des Autos ist es eine einzige, endlose Allee. Als sich die Nacht über diese Landschaft senkt, ohne dass eine Ortschaft irgendwo Lichtpunkte in die Finsternis setzen würde, ist die Luft warm und feucht geworden. Das Meer nahe. Für die anderen geht die Fahrt weiter, nach Jalta, auf der Krim. Nach Astrakhan, Samarkant, Taschkent, Golmud und Lhasa. Mythische Orte sind das. Die Autos werden durchhalten, 50 Tage bis Mumbai, und die Teilnehmer werden die Landstriche, die sie sehen, vielleicht erst begreifen, wenn sie heimgekehrt sind.

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