Auto : Im Zeichen des Rhombus

Ein Besuch bei den Designern verrät, wie sich Renault in der Zukunft sieht.

Renault will künftig selbstbewusster auftreten. Zumindest optisch. Mit einer umfassenden Designstrategie plant Renault eine Neuorientierung. Sechs Studien einer Fahrzeugfamilie zeigen, wohin sich die Marke entwickeln soll. Unter dem Motto „der Mensch im Mittelpunkt“ wird die Grundidee von historischen Fahrzeugen wieder aufgenommen, ohne in die Retrofalle zu tappen.

„Renault wird in den nächsten Jahr jugendlicher und sportlicher werden, dabei aber praktisch und bezahlbar sein“, sagt Axel Breun, bei Renault zuständig für das Design der Konzeptmodelle. Unter der Leitung von Chefdesigner Laurens van den Acker haben Breun und sein Team bisher vier Studien vorgestellt, zwei folgen in den nächsten Jahren. „Wir wollen innovativer sein, vor allem in Sachen Raumgefühl, Variabilität und Funktionalität. Denn das waren auch früher schon unsere Stärken.“ Er spielt damit auf Fahrzeuge wie den 4CV, R4, R5, R16, Twingo, Kangoo und Espace an, die zu Beginn in ihren Segmenten durchaus Trends setzen konnten. In der jüngsten Vergangenheit verwässerte das Design der Marke aber zunehmend und wurde immer farbloser.

Im Rahmen eines Sechs-Punkte-Plans entstanden bisher die Studien Dezir, Captur, R-Space und Frendzy. Die Autos sind aber nicht nur reine Fingerübungen. „Der Traum jeden Designers ist der Weg seiner Idee vom Konzept in ein Serienauto.“ Dieser Traum erscheint für den Deutschen in Erfüllung zu gehen, denn alle Studien finden in irgendeiner Form in die Serie. Beim Sportwagen Dezir sind es die auffällige Front und die fließenden Formen sowie das fahrerorientierte Cockpit und die breite Mittelkonsole. Sie werden in die in die nächste Clio-Generation einfließen, die im Oktober auf der Paris Autosalon vorgestellt wird. Aber auch der neue Twingo erhält zumindest das neue Markengesicht mit der geänderten Front.

Auffälligstes Merkmal bei allen Fahrzeugen ist der große Rhombus, das Markenzeichen von Renault. „Wir wollen uns künftig nicht mehr verstecken, sondern stolz zeigen, wer wir sind“, sagt Breun. Insgesamt 459 Mitarbeiter arbeiten dafür in den fünf Designstudios in Paris, Sao Paulo, Mumbai, Bukarest und Seoul.

Auch der Captur hat gute Chancen als kompaktes SUV in den nächsten Jahren auf den Straßen zu rollen. Die Formensprache soll dann eher fließend als kantig sein und mit einer Mischung aus Coupé, Roadster und SUV mehr Raum und Möglichkeiten bieten als konventionelle Geländewagen. Die Plattform der Serie könnte sich der hochbeinige Franzose mit dem Konzernbruder Nissan Qashqai teilen.

Beim R-Space stehen Familien im Mittelpunkt, die viel Platz für Kinder benötigen und eine variable Rückbank mit einzelnen Würfel-Elementen bietet. Diese können hoch und runter sowie hin und her geschoben werden. „Wir wollten damit neue Ideen und vor allem etwas Neuartiges für Kinder entwickeln“, sagt Breun.

Als Elektro-Konzeptfahrzeug zeigt der Frendzy, wie der nächste Kangoo aussehen könnte. Der Hochdachkombi soll für Gewerbetreibende und Familien attraktiv sein und mit einer neuen Werbemöglichkeit glänzen: Über den großen integrierten Monitor an der rechten Fahrzeugseite können Passanten und andere Autofahrer informiert werden. „Diese neue Werbeform wird kommen“, erklärt Breun. Bisher sind die Konzeptfahrzeuge alles Unikate die von der Skizze bis zur fertigen Lackierung innerhalb von einem Jahr entstanden und über eine Million Euro gekostet haben – pro Auto.

Zwei Fahrzeuge in der Konzeptfamilie fehlen noch. Die nächste Studie mit der typeninternen Bezeichnung Z28 soll „spielerisch, leicht und verlockend“ werden, eher ein kompaktes Sportcoupé mit Platz für vier Personen. Ende 2013 folgte ein großes Fahrzeug (Z29), das „Ruhe und Weisheit“ mit sich bringt. Denkbar wäre hier eine Oberklasselimousine oder ein Luxusvan als Espace-Nachfolger mit einem alternativen Antrieb.

Vor allem beim Thema Elektrofahrzeug blüht Breun auf. „Für uns Designer ist es eine tolle Zeit, denn wir können die Autos völlig neu gestalten. Die Fahrzeuge können kompakter werden, der vordere Überhang deutlich kürzer, die Batterien finden in der Sandwich-Bauweise im Fahrzeugboden Platz. Das gibt uns Freiraum für neue Idee und neue Gestaltungsmöglichkeiten“, sagt der 53-Jährige, der seit 1988 bei Renault im Design arbeitet. Das erste Ergebnis ist die Studie Zoe, die nächstes Jahr den Weg in die Serie finden wird. Das Design mit den beiden prägnanten Seitenlinien wird sich optisch stark von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren unterscheiden und ein eigenständiges Auto sein, ohne in die Vergangenheit zu blicken, denn so Breun: „Die Franzosen lieben mehr die Idee und die Zukunft und nicht den Blick zurück“. sppr

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