Auto : Immer mit der Ruhe

Kein Sportboot, eher ein Ausflugsdampfer: Erste Probefahrt im neuen Hyundai Santa Fe.

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Mittelklasse. Der Santa Fe passt im Programm zwischen den kompakten SUV ix35 und den großen ix55, soll dabei aber mehr als nur Lückenfüller sein – ab 29 990 Euro. Foto: promo/sppr
Mittelklasse. Der Santa Fe passt im Programm zwischen den kompakten SUV ix35 und den großen ix55, soll dabei aber mehr als nur...

Der Neue plustert sich auf wie ein Faun. Dicker Chromgrill, angriffslustige Scheinwerfer, spannende Linien – ein Hingucker. Von einer Weltfirma, die nur so vor Selbstbewusstsein strotzt. Klotzen statt Kleckern: „Hyundai ist kein asiatisches Schnäppchen mehr!“ So gibt Geschäftsführer Schrick die neue Richtung vor. Audi Q5, BMW X3 und Volvo XC 60 sollen fortan ins Visier genommen werden. Und das scheint auf den ersten Blick kein aussichtsloses Unterfangen zu sein – zumindest beim Topmodell Santa Fe 2.2 CRDi 4WD mit 197 PS starkem Diesel, das wir gefahren sind. Die dritte Generation des SUV ist 4,69 Meter lang, 1,88 Meter breit und 1,69 Meter – nur fünf Millimeter länger als früher, aber sieben Zentimeter flacher und einen Zentimeter schmaler. Noch immer eine stattliche Erscheinung. Der Innenraum macht was her; saubere Verarbeitung, wie wir sie von Audi kennen. Materialien, die sich nicht verstecken müssen und die im Detail sogar besser sind als die von BMW. Serienmäßige Lederpolster, bequeme Sitze, die jedoch etwas mehr Seitenhalt vertragen könnten. Im Heck spielt der Santa Fe seine Stärken voll aus. Die sogar heizbare Rücksitzbank lässt sich um zwölf Zentimeter verschieben, der Kofferraum ist riesig, und nach einem einfachen Hebelzug legt sich die Fondlehne automatisch um. 543 bis 1680 Liter passen rein. Kombiformat.

Top. Fahren wir los. Schon nach einigen Kilometern wird klar: Auch der neue Santa Fe ist kein agiles Sportboot geworden, sondern eher ein behäbiger Ausflugsdampfer für die geruhsame Ausfahrt der älteren Generation. Bei der Technik haben die Koreaner, im Gegensatz zur Optik, noch Nachholbedarf. Alle drei Motoren (zwei Diesel mit 150 und 197 PS sowie ein Benziner mit 192 PS) kommen ohne Start-Stopp-Automatik. Der 197 PS starke und gut gedämmte Vierzylinder-Diesel verrichtet seine Arbeit irgendwie lustlos. Die 421 Newtonmeter Drehmoment bei 1800 bis 2500 Touren mag man ihm nicht so recht abnehmen. Das spürbare Turboloch nervt auf Dauer; häufiges Schalten ist angesagt, was zum Glück mit der leichtgängigen und präzisen Schaltung kein Problem ist. Eine Federung von der weicheren Sorte und die indifferente Lenkung passen zu diesem schaumgebremsten Motor.

Lässt man es ruhig angehen, erweist sich dieses SUV als angenehmer Reisebegleiter, der auch für längere Strecken taugt. Fahrzeugwechsel. Statt des Sechsgang-Handschalters ist jetzt eine Sechsstufenautomatik für 1800 Euro extra an Bord. Überraschung. Sie verwandelt den Santa Fe, weil sie dieses lästige Turboloch sehr gut kaschiert und zugleich weich schaltet. Leider agiert sie nicht so aufgeweckt wie moderne Doppelkupplungsautomaten. Dennoch: Diese Kombination passt sehr gut zu diesem komfortablen Reise-SUV. Nachteil: Der Verbrauch steigt um gut einen Liter (laut Bordcomputer von 6,8 auf 7,9 Liter pro 100 Kilometer). Und wer sich in diesem Wohlfühl-Dampfer noch mehr Luxus an Bord holen will, landet plötzlich bei 45820 Euro. Billig war gestern. Das ist fast BMW-Niveau, zumindest beim Preis.

Vom Santa Fe hat Hyundai in den vergangenen elf Jahren weltweit 2,5 Millionen Autos verkauft. Diese Zahl adelt dieses Modell, und deshalb muss es nicht nach der neuen Bezeichnungsweise anonym ix45 heißen, sondern darf als einziger neuer Hyundai seinen alten Namen weiter tragen.

Hierzulande, auf dem anspruchsvollsten Automarkt der Welt, will Hyundai Deutschland gegenüber dem Vorgänger doppelt so viel Autos in Deutschland verkaufen: 4000 statt 2000 Stück pro Jahr. Zum Vergleich: Die weltgrößte Autofabrik, das Hyundai-Werk im südkoreanischen Ulsan mit seiner Produktionsfläche von 354 (!) Fußballfeldern, spuckt an jedem Arbeitstag 5600 Autos aus. Da kommt in Zukunft noch mehr auf uns zu. Und das wird noch weniger ein "asiatisches Schnäppchen" sein als jetzt schon.

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