Auto : Immer schön locker

Wellness im Wagen? Von Massagesitzen, Schallschluckern und Walddüften

Massagesitze, Duftspender und sphärische Klänge: In den Entwicklungsvorgaben der Hersteller kommen Autos einer Wellness-Oase manchmal ziemlich nahe. Und tatsächlich gibt es ihn, den Trend zum „Wellness-Auto“. Beobachtet hat ihn zum Beispiel Frank Leopold: „Der Mensch verbringt immer mehr Zeit im Auto, deshalb legen wir verstärkten Wert darauf, dass er sich dort auch wohlfühlt“, sagt der Leiter der Vorausentwicklung bei Opel in Rüsselsheim.

Klar ist, dass Leopold nicht an eine Sauna auf Rädern denkt. Doch ihm zufolge gibt es viele kleine Kunstgriffe zur Steigerung des Wohlbefindens während der Fahrt: „Spritspartechnik, Kommunikation und Infotainment, das werden künftig alle Hersteller bieten. Aber mit solchen Themen können wir uns weiter differenzieren.“ Der Entwickler wittert einen Wettbewerbsvorteil.

Die ersten Schritte sind längst gemacht: In der Oberklasse gibt es Fondsitze, die sich wie im Maybach beinahe bis in eine Liegeposition ausfahren lassen. Designer bei BMW, Audi oder Mercedes konzentrieren sich auf die Entwicklung stimmungsvoller Ambiente-Beleuchtung. Parfümspender sorgen für den guten Duft – preiswerter zu haben bei Peugeot, teurer im Maybach Zeppelin. Und in immer mehr Autos gibt es Massagesitze. Waren diese Luxusmöbel bis vor kurzem noch den oberen Zehntausend vorbehalten, gibt es sie im neuen Citroen C4 sogar erstmals in der Kompaktklasse.

Der Trend zu Wellness im Wagen erfordere viel Fingerspitzengefühl, findet Hartmut Sinkwitz, der bei Mercedes in Stuttgart das Interieur-Design leitet: „Denn Wellness klingt schnell auch nach Alter“, mahnt der Experte. Und „Rentnerautos“ wolle schlicht niemand kaufen. Lieber gebraucht Sinkwitz den Begriff „Wohlfühl-Ambiente“.

Dieses werde neben der Materialauswahl über Licht, Luft und Duft erzeugt. Wichtig sei vor allem Geborgenheit, „das Gefühl, wieder zu Hause zu sein, wenn man in sein Auto steigt“. Vertraute Formen, immer wiederkehrende Details und gelernte Bediensysteme zählen für Sinkwitz deshalb ebenfalls zum Trend. Für den Mercedes-Designer zählt zum gelungenen Ambiente auch Ruhe: Scheiben mit eingebauten Dämmschichten werden deshalb immer häufiger eingebaut. In manchen Fahrzeugen kommt sogar eine spezielle Elektronik zum Einsatz, die Störgeräusche mit gegenläufigen Schallwellen neutralisiert.

Bei der Nissan-Edelmarke Infiniti wird an der Klimatisierung gefeilt – mit Anleihen bei der Natur. Für die Klimaautomatik des neuen Infiniti M haben die Japaner nicht nur einen speziellen Waldduft entwickelt, der den Fahrer gleichzeitig entspannen und wach halten soll. Zum ersten Mal kommt auch eine variable Steuerung zum Einsatz, die eine laue Brise durchs Auto fächelt: „Man wird nicht angeblasen, sondern hat tatsächlich das Gefühl, in einer natürlichen Umgebung zu sein“, versichert Infiniti-Sprecher Wayne Bruce. Manchem Kunden mögen solche Spielereien gefallen. VW indes setzt beim Phaeton auf eine absolut zugfreie Klimaanlage mit diffuser Belüftung. Spezielle Klappen vor den Ausströmern lassen sich elektrisch schließen. Zugluft soll so vermieden werden.

Selbst auf die Stimmung des Fahrers nehmen die Entwickler im „Wellness-Auto“ Rücksicht: So arbeitet BMW nach Angaben von Pressesprecherin Katharina Singer an einer „Moodbased“-Playlist. Das Ansinnen: Stets soll die zur Gemütslage passende Musik abgespielt werden können. Seine Laune muss der Fahrer über vordefinierte Spielarten aber noch selbst einstellen. Nissan geht mit seiner Designstudie Nissan Pivo an die Fahrerlaunen anders heran: Eine Art Bordroboter soll Fahrer bei Bedarf mit Grimassen und Scherzen wieder aufmuntern können.

Duftorgeln, Lichtspielereien oder elektronische Pausenclowns – die Bemühungen haben einen ernsthaften Hintergrund, unterstreicht Opel-Entwickler Leopold: „Es geht dabei auch um Sicherheit. Denn ein Fahrer, der sich wohlfühlt in seinem Auto, ist entspannter, fährt aufmerksamer und baut weniger Unfälle.“ tmn

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