Auto : Immerzu und immerford

Der Mondeo kann einfach nicht aus seiner Haut: So traut man auch der Neuauflage wieder weniger zu als er kann

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Im Auge des Betrachters.
Im Auge des Betrachters.

Es gibt Widersprüche, die machen einen ratlos – wie im Falle des Mondeo. Einerseits gilt dieser Ford auf deutschen Straßen als Bestbesetzung für den Dienstwagen des Vorwerk-Vertreters. Andererseits wird er seit Jahren in Fachberichten ob seines superben Fahrwerks gerühmt. Das Bild des Biederen passt so überhaupt nicht zu den dynamischen Fahreigenschaften des Modells. Man darf also gespannt sein, wie sich die Dinge mit dem „neuen Mondeo“ entwickeln, der seit dem 4. Dezember im Handel ist.

Der „neue Mondeo“? Die Anführungszeichen verraten, dass diese Ankündigung Spielraum für Interpretationen lässt. Zwar hat Ford bei der Präsentation auf den Messen in Moskau und Paris über alle Maßen herausgestrichen, es handele es ich um eine neue Generation und um „viel mehr als ein Facelift“. Tatsächlich aber dreht es sich beim Mondeo Jahrgang 2011 um einige optische Retuschen, zwei neue Motoren und ein paar technische Neuigkeiten, die man dem Mittelklasse-Modell zuteil werden lässt. An den passablen Platzverhältnissen hat sich bei unveränderten Fahrzeugmaßen nichts verändert, auch nicht am klassenüblichen Ladevolumen.

Was also tut sich bei den Antrieben? Hier wagt sich Ford weiter in die Spitze: Neu sind ein 240 PS starker Turbobenziner und ein 200-PS-Diesel. Der Ottomotor fährt sich kraftvoll, aber weniger spektakulär, als es seine up-to-date-Zutaten erwarten lassen: Immerhin vereint das Aggregat Direkteinspritzung, vollvariable Ventilsteuerung und Turboaufladung. Hochgeschwindigkeitsfahrten von eiligen Handlungsreisenden ermöglicht die High-Tech-Rezeptur souverän; die Tachonadel kommt erst knapp vor der 250 km/h-Marke zum Stehen. Der Top-Benziner ist ausschließlich mit dem präzise und ruckfrei schaltenden Doppelkupplungsgetriebe Powershift zu haben: nach erstem Eindruck eine gelungene Kombination. Auch die neue Nummer eins des Diesel-Angebots geht stark, aber unaufgeregt zu Werke. Andere Autos machen aus einem maximalen Drehmoment von 420 Newtonmeter (beim Boosten kurzzeitig sogar 450 Newtonmeter) mehr Gewese: Der Mondeo bringt sie klag- und beinahe klanglos auf die Straße. Den Verbrauch des Selbstzünders gibt Ford mit sechs Litern an, womit man sich nur um wenige Zehntel von vergleichbar motorisierten Konkurrenten wie Passat, A4 oder Mercedes C-Klasse unterscheidet.

Das größte Plus des überarbeiteten Mondeo ist wie schon beim Vorgänger das Fahrwerk: ein perfekter Allrounder. Es fühlt sich nicht weich an, steckt aber jedwede Störung der Fahrbahn buttersoft weg. Es gibt sich nicht hart, markiert aber in schnell gefahrenen Kurven in stoischer Ruhe den Harten. Kurzum: Es steht einem Audi oder einem Mercedes nicht nach, weil es sich in jeder Situation so verhält, wie es zum Fahrer und seiner jeweiligen Fahrweise passt – und das gilt auch für den Fall, wenn man dem Mondeo mal ungebremst Beine macht.

Spätestens bei hohem Tempo holt uns der eingangs erwähnte Widerspruch ein: Die Optik des Mondeo verrät einfach zu wenig davon, wie gut er sich fährt. Beim Anblick mag einem partout kein Whow entfahren. Facelift hin oder her: Der Mondeo bleibt ein biederer Typ, wobei die Linienführung des Kombi etwas mehr Frische verströmt als das Fließheck (die Version Stufenheck wurde schon im Frühjahr gestrichen). Im Inneren zeugen die Material- und die Verarbeitungsqualität durchaus von der Reife des Modells. Alles am richtigen Platz und alles solide. Eben wie gemacht für die Fahrt des Herrn Vorwerk vom Kunden A zum Kunden B.

Zum Marktstart bietet Ford den Mondeo als Editionsmodell Viva ab 22 950 Euro an. Dafür erhält man eine 120 PS starke Benzinversion der Limousine. Die alte Basisversion kostete noch 23 800 Euro, also runde 1200 Euro mehr. Mit dem neuen Top-Benziner kostet der Mondeo Titanium 34 100 Euro, mit dem stärksten Diesel 33 600 Euro. Wer den Kombi bevorzugt, zahlt jeweils einen Tausender mehr.

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