In Verbundenheit : Kongress für Elektromobilität

Auf einem Kongress für Elektromobilität tauschten sich Fachleute darüber aus, wie man Smartphones im Verkehr sinnvoll einsetzen kann.

Man braucht in Zukunft kein eigenes Auto mehr, solange man ein Smartphone besitzt. Auf diesen kurzen Nenner lässt sich die Vision reduzieren, die Unternehmen wie die Telekom mit dem Elektroauto verbinden. In der Welt, die Horst Leonberger entwirft, spielt das Telefon eine Schlüsselrolle. Zumindest wenn es darum geht, eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 auf deutsche Straßen zu bringen. Das Telefon sei die Schnittstelle, mit der die öffentlichen und privaten Verkehrsnetze der Zukunft gemanagt werden, erläuterte der Vize-Präsident des Geschäftsbereich Connected Car der Telekom jüngst auf dem Kongress für Elektromobilität in Frankfurt.

In seiner Lesart nutzt man für die Mobilität der Zukunft für die lange Strecke die Bahn. Das Ticket hat man online per Smartphone erworben. Im Zug bucht man für den Zielort ein Auto, das man aber nicht traditionell bei einem Vermieter, sondern bei einem Car-Sharing-Projekt bestellt – davon gibt es ja in den letzten Jahren immer mehr. Wo das Auto steht, erfährt man via Mail. Auf dem gleichen Weg erhält man die Zugangsdaten, denn das Smartphone fungiert zudem auch als Wagenschlüssel, ein Sensor am Auto macht es möglich.

Unterwegs leitet einen die GPS-Funktion des Smartphones durch die Stadt und gibt nebenbei dem Vermieter bzw. Eigentümer Auskunft über den Aufenthaltsort seines Fahrzeugs, wenn er das denn möchte. Auf gleichen Weg könnte sich beispielsweise ein Arbeitgeber informieren, wo sein Mitarbeiter gerade steckt oder Eltern den Aufenthalt ihrer mobilen Kinder erforschen.

Diese technischen Möglichkeiten der Überwachungen, die ein wenig an Orwells schöne neue Welt erinnern, regen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in Berlin zum Widerspruch und zum kritischen Hinweis an, dass einiges was technisch machbar ist, aus Gründen des Datenschutzes nicht unbedingt erwünscht sein muss. Der auf der IAA geäußerte Einwand des Ministers dürfte am kommunikativen Geschäftsmodell aber nur wenig ändern, schließlich geben die meisten Smartphone-Nutzer meist frei- und bereitwillig ihre Daten ins Netz.

Apropos Netz: Weil das gewählte Fahrzeug natürlich ein elektrisch betriebenes Auto ist, erfährt der Fahrer via Phone auch den Standort der Ladesäule, an der man das Auto am Ende der Fahrt mit Energie füllen kann. Die Abrechnung dazu erfolgt wieder per Telefon. Der fällige Betrag wird mit der nächsten Rechnung abgebucht. Ein entsprechendes Roaming-Abkommen haben gerade der Stromanbieter RWE und Telefonanbieter Vodafone abgeschlossen. Es ermöglicht auch Menschen, die nicht zum Kundenstamm der Unternehmen gehören, an Ladesäulen des Essener Energiekonzerns Strom zu tanken. Man muss lediglich die Nummer einer Ladestation per SMS an eine auf der Ladesäule vermerkte Telefonnummer schicken und schon fließt die Energie in die Batterie.

Der Ladezustand der Speicher lässt sich dann ebenfalls mittels Smartphone überprüfen. Auch wenn man zu Hause lädt, kommuniziert das eigene Fahrzeug mit dem smarten Handy. Wieder dient die Nachrichtenübermittlung vornehmlich dem Zustand der Akkus. Man kann aber auch beispielsweise die Klimaanlage des Wagens vorab einschalten, um den Innenraum auf Wohlfühltemperatur zu bringen, solange das Auto noch am Netz hängt und für die Heiz- oder Kühlleistung kein Fahrstrom verbraucht werden muss. Denn eines können selbst die allermodernsten Smartphones nicht: die mitunter spärliche Reichweite der E-Autos erhöhen.

(sppr)

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar