Auto : In welchem Zustand auch immer

Dieser BMW will ein echter Roadster sein – und da sorgt ein Metalldach natürlich für Zündstoff. Heute kommt der neue Z4 zu den Händlern

Ingo von Dahlern

Es ist passiert – begleitet von bitteren Kommentaren zwischen „Stilbruch“ und „unmöglich“ bei den traditionsbewussten Gegnern und einem zufriedenen „endlich“ bei den Befürwortern: Der neue Z4 hat als erster Roadster mit dem weiß-blauen BMW-Emblem ein klappbares Blechdach. Beenden wir also die bewegte Debatte über das Für und Wider einer solchen Lösung und sehen uns unvoreingenommen an, was die nun realisierte Entscheidung gebracht hat. Denn wenn die Überraschung erst einmal überwunden ist, muss man gestehen: Der hat was.

Das feste Dach fügt sich überraschend harmonisch in die Gesamtlinie des neuen Z4 ein. Aber das tritt schnell in den Hintergrund. Denn was den Neuen vor allem prägt, ist seine kraftvolle und selbstbewusste Front. So breit, so flach, so herausfordernd ist keiner der Vorgänger aufgetreten. So, wie er mit seiner über die Radhäuser reichenden Motorhaube und der breiten, ein wenig nach vorn geneigten Niere nun satt auf der Straße steht, scheint er in einer ganz anderen Liga mitzuspielen als bisher. Diesen Eindruck unterstreicht auch ein Blick aufs Heck. Noch nie zuvor hat die Linienführung den Auftritt des offenen BMW-Zweisitzers so konsequent geprägt. Das gilt vor allem auch für den Blick auf seine Silhouette. Die betont lange Motorhaube, das kurze Heck, die Passagierkabine kurz vor der Hinterachse, kurze Überhänge, der lange Radstand von 2,50 Meter und die alles verbindende dynamische Schulterlinie sind unverkennbar klassische Roadsterelemente. Kurzum, optisch kann dieses Auto spielend überzeugen.

Das gilt auch beim Blick ins Interieur. Die hochwertigen und perfekt verarbeiteten Dekorflächen sorgen für eleganten Luxus. Damit allerdings vollzieht der neue Z4 einen klaren Bruch mit klassischen Roadstern. Denn die Zweisitzer waren ursprünglich geradezu spartanische Fahrzeuge, bei denen die Optik kaum, das Fahrvergnügen dafür umso mehr zählte. Komfortelemente waren da allenfalls eine Zugabe. Diese klassische Philosophie hat BMW nun endgültig aufgegeben. Doch Komfort und das Fahrvergnügen, das ein echter Roadster bietet, müssen sich keinesfalls ausschließen.

Selbst dann nicht, wenn man so weit geht wie BMW beim neuen Z4. Denn schon auf den ersten Kilometern erwies sich der auch im Fahrverhalten als ausgeprägt komfortabel, als ein Auto, das geradezu zum entspannten Cruisen einlädt. Das steht in hartem Kontrast zum straffen und manchmal sogar recht ruppigen Vorgänger – und ist trotzdem keine endgültige Abkehr vom Fahrerlebnis, das man von einem Roadster erwartet.

Denn der immer umfassendere Einsatz elektronischer Regelsysteme erlaubt es heute problemlos, das eine zu tun, ohne das andere lassen zu müssen. So reicht heute ein kurzer Druck auf den richtigen Schalter, um den Charakter eines Fahrzeugs in Sekundenbruchteilen grundlegend zu verändern. Und die Z4-Entwickler haben diese Möglichkeit konsequent genutzt. So wird aus dem gerade noch gleitenden Auto von einer Sekunde auf die andere einladend ein brettharter Sportler, mit dem es ein wahres Vergnügen ist, das Fahrwerk in schnell genommenen Kurven auszureizen – und das sogar noch konsequenter als beim Vorgänger.

Über die erforderliche Kraft verfügt der neue Z4 allemal, denn vorerst liefert BMW ihn nur mit Sechszylindern aus. Deren schwächster liefert bereits 204 PS, während das Twin-Turbo-Spitzentriebwerk stolze 306 PS liefert, die den kleinen Roadster zu einem Hochleistungssportler machen.Besonders gefallen beim Spitzenmodell hat das als Extra verfügbare automatisierte Siebengang-Getriebe mit Doppelkupplung. Diese Technik, die ruckfreie Gangwechsel auch unter Volllast erlaubt, gehört zu den derzeit überzeugendsten Automatik-Lösungen. Wer trotzdem meint, es von Hand besser zu können, kann das über den Schalthebel wie auch mit Schaltwippen am Lenkrad versuchen.

Und apropos schnell: Gerade einmal 20 Sekunden dauert es, den neuen Z4 in ein offenes Auto zu verwandeln. Auf den ersten Blick besteht dann zwischen dem Vorgänger und dem Neuen kein Unterschied. Die Ingenieure haben das Verstauen des Dachs auf einem bemerkenswert knappen Raum gelöst, für den es auch nicht nötig war, die Heckpartie anzuheben, wie bei so vielen Autos mit Metalldach.

All das ändert aber nichts daran, dass der bei geschlossenem Dach 310 Liter große Laderaum bei offenem Dach auf 180 Liter schrumpft. Das verlangt überlegtes Kofferpacken. Praktisch ist, dass der Z4 nun eine Durchlademöglichkeit für Skier bietet. Und unabhängig von der Jahreszeit sehr praktisch ist die Querablage hinter den Sitzen im Passagierraum.

So bleibt als erstes Fazit, dass es BMW überzeugend gelungen ist, das klassische Roadster-Thema neu und zeitgerecht zu interpretieren. Das allerdings schlägt sich mit Blick auf den hohen Komfort auch im Preis nieder. Denn neue Z4, der im Mai zu den Händlern kommt, kostet zwischen 35 900 und 47 450 Euro – und damit hat er sich vom preiswerten Roadster dann doch um einiges entfernt.

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