Infiniti : Willkommen an Bord

Neu und nobel: Infiniti startet in Deutschland mit fünf Modellen und speziellem Service-Konzept.

Rainer Ruthe
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39 900 Euro), einem sportlichen Coupé (ab 41 950 Euro) und einem Metalldach- Cabrio (ab 50 800 Euro).

Dunkler Holzfußboden, helle Teppiche, coole Designermöbel, Kunst an den Wänden, viel Licht dringt durch die großen Glasflächen. Kurz, ein edles Ambiente im modischen Lounge-Stil. Doch das hier ist weder eine Lounge noch die Lobby eines Fünf-Sterne-Hotels. Das ist ein Autohaus in Hamburg! Kein gewöhnliches natürlich, sondern das erste Infiniti-Zentrum in Deutschland. 22 derartige Auto-Tempel gibt es bereits in Europa, alle nach dem gleichen aufwendigen Konzept gestrickt.

Auf den Glaspalast in Hamburg sollen noch neun weitere folgen, unter anderem in Frankfurt, München, Stuttgart. Im März 2003 ist Berlin an der Reihe. In jedem Zentrum kann man am großen Berührungsbildschirm in HD-Qualität sein Auto individuell zusammenstellen. Es gibt Hunderte von Möglichkeiten unter den fünf Modellen in 13 Ausstattungen.

Nissan hätschelt seine teure Tochter Infiniti, weil deren Autos bei uns nur wenige kennen. Sie sind unbekannte Wesen, von denen man nicht so recht weiß, was man von ihnen zu halten hat. Bis man erst einmal mit ihnen gefahren ist – in unserem Falle war es das Topmodell FX50S. Mit einem Grundpreis von 71500 Euro teuerster Infiniti. Ausgerechnet dieser Crossover im Stile eines BMW X6 verkauft sich in den anderen europäischen Infiniti-Zentren am besten. Motto: Wenn schon exotisch, dann gleich extrem. Und tatsächlich: Selbst im wohlsituierten Hamburg fällt der 4,87 Meter lange, 1,93 Meter breite und 1,68 Meter hohe Zweitonner auf. Das liegt sicher ebenso an der modischen mokkafarbenen Lackierung wie den riesigen 21-Zoll-Rädern und den beiden unterarmdicken Auspuffrohren, deren Soundspektrum vom dunklen Brabbeln bis zum bösen Röhren reicht.

Hat man erst einmal die Höhe zum exzellenten, mit weichem Leder bezogenen Fahrersitz (14-fach elektrisch verstellbar!) erklommen, bietet sich einem ein Arbeitsplatz, der zu den edelsten dieser teuren Spezies zählt. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen. Alles ist schon von Haus aus an Bord – vom Bose-Soundsystem mit elf Lautsprechern über den Abstandsregeltempomaten, der die Distanz zum Vordermann konstant hält, bis zum sogenannten Connectivity System mit 30 GB-Festplattennavi, DVD-Player und 10 GB-Musikarchiv. Wer mit dieser komplizierten Technik nicht zurande kommt, ruft einfach „seinen“ Servicemann bei Infiniti an, der hilft ihm weiter. Die FX50-Ausstattungsliste ist so lang wie das Auto schnell. Wie der 390 PS starke Fünfliter-V8 die zwei Tonnen Masse in Schwung bringt, das verblüfft schon. In 5,8 Sekunden von null auf Tempo 100; bei 250 riegelt die Elektronik ab. Selbst wenn der Tacho schon 200 zeigt, gibt der V8 dem FX50 noch einen spürbaren Schubs, die serienmäßige Siebengang-Automatik schaltet trotz Kickdown-Befehl weich. So soll es sein. Den unzeitgemäßen Preis solcher Kraftausbrüche zeigt der Bordcomputer: 17,2 Liter! Überraschend rustikal geriet die Abstimmung der elektronisch geregelten Dämpfer; ihren Härtegrad scheint man bei Porsches Cayenne entlehnt zu haben. Dafür ist die Lenkung des Asiaten – trotz vieler Testkilometer auf der Nordschleife des Nürburgrings – zu schwammig

Anders als der FX50S fällt die bodenständige Limousine G37 trotz ihrer coupéhaften Anmutung kaum auf. Dieser Infiniti ist das Einstiegsmodell: 20 Zentimeter länger als ein BMW Dreier, doch innen etwas weniger Platz, nur mit einem 320 PS starken und 3,7 Liter großen V6-Benziner lieferbar (aus dem Nissan Sportwagen 370 Z). Grundpreis 39 900 Euro, ein paar Tausender günstiger als der BMW. Gerade dieser Basis-Infiniti dürfte es nicht leicht haben, denn in dieser Klasse punktet man nicht mit Exotik. Aber vielleicht hilft dem Neuling der Top-Service, vor dem sich deutsche Premiumhersteller fürchten sollten: Bis zu einem Umkreis von 250 Kilometern wird jeder Infiniti kostenlos zur Inspektion geholt und auch wieder nach Hause gebracht. Es gibt natürlich ein Ersatzfahrzeug.

Sollte man mal irgendwo in Europa liegen bleiben, wird das Auto kostenlos in die nächste Werkstatt geholt; die Passagiere reisen im Premiumauto weiter, fliegen bei Bedarf Businessklasse oder übernachten im Luxushotel. Dieser Top-Service gilt selbst dann, wenn der Infiniti-Fahrer mit einem Fremdfabrikat unterwegs ist! Und auch beim Spritverbrauch ist Besserung in Sicht: 2010 soll ein V6-Diesel mit 240 PS folgen; außerdem ist ein Hybridantrieb in Arbeit. Rainer Ruthe

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