Innenraumreinigung im Auto : Mit Essig und Rasierschaum

Im Auto wird nicht nur gefahren, sondern auch gegessen, getrunken, geraucht und geschwitzt. Das hinterlässt Spuren. Manche Verschmutzungen sind schnell selbst behoben, bei anderen muss der Fachmann ran.

Thomas Mendle
Bei vielen Autos hilft ein Wunderbaum alleine nicht mehr bei der Innenraumreinigung des Fahrzeugs.
Bei vielen Autos hilft ein Wunderbaum alleine nicht mehr bei der Innenraumreinigung des Fahrzeugs.Foto: dpa

Autofahrer verbringen immer mehr Zeit hinter dem Steuer. Im Jahr 2012 spulte jeder in Deutschland zugelassene Pkw im Schnitt 14 300 Kilometer ab. Das ergab eine Erhebung der Deutschen Automobiltreuhand (DAT) im Rahmen des DAT-Reports 2013. Im Jahr zuvor waren es noch 13 660 Kilometer.

Wer viel fährt, setzt seinem Auto nicht nur technisch zu. Auch im Innenraum hinterlassen die Kilometer Spuren. Häufiges Ein- und Aussteigen verschmutzt die Tür- und Fußraumverkleidungen, im Sommer gelangt Schweiß auf die Polster. Und wer beim Fahren viel nascht, ist vor Schoko- oder Fettflecken kaum gefeit. Auf Kaffee- oder Cola-Trinker trifft Ähnliches zu. Wer obendrein noch raucht am Steuer, sorgt im ganzen Fahrzeug für einen unangenehmen und nur schwer zu bekämpfenden Geruch.

Scharfes ist tabu

Wie jeden Gebrauchsgegenstand sollte man zum Werterhalt auch einen Pkw regelmäßig säubern. Für die Innenraumreinigung gibt es im einschlägigen Fachhandel jede Menge, teils teure Reiniger und Hilfsmittel. Bei hartnäckigem Schmutz muss der Profi ran, doch oft kann der Autofahrer auch mit einfachen Hausmitteln Hand anlegen.

Dabei gilt eine Grundregel: "Keine scharfen Reiniger verwenden", sagt Carsten Graf vom ADAC. Gerade Alkohole wie Brennspiritus seien für die meisten Oberflächen tabu. Denn auf vielen Kunststoffen oder lackierten Oberflächen sorgen aggressive Substanzen für Farbabtrag und unschöne Flecken. Auch Haushalts- oder gar chlorhaltige WC-Reiniger haben im Pkw-Innenraum nichts zu suchen. Für das Säubern von Kunststoffoberflächen genügen ein feuchter, nicht fusselnder Lappen und Geschirrspülmittel.

Zur Innenraumreinigung gehören auch die Scheiben

Vorsicht sei immer im Bereich elektronischer Bauteile geboten, sagt der Präsident des Bundesverbands Fahrzeugaufbereitung, Markus Herrmann. Als Beispiel nennt er Schalter in der Mittelkonsole oder Infotainmentsysteme. Eindringende Feuchtigkeit könne hier teure Schäden nach sich ziehen. An diesen Stellen reicht es meist, mit einem Pinsel mit weichen Kunststoffborsten den Staub zu entfernen.

Regelmäßig gereinigt gehören auch die Scheiben. Hier erbringt ein handelsüblicher Glasreiniger die besten Ergebnisse, so Herrmann. „Dabei aber unbedingt mit einem trockenen, sauberen Lappen nachwischen.“ Ansonsten könnten sich Schlieren bilden. Das beeinträchtigt bei tiefstehender Sonne oder beim Scheinwerferlicht entgegenkommender Fahrzeuge die Sicht und damit die Fahrsicherheit.

Polsterreinigung ist ein Fall für Profis

Gerüche lassen sich zumindest temporär mit Essigwasser vertreiben. Gerade gegen Erbrochenes sei das ein probates Mittel, sagt Hermann. Dazu stellt der Autofahrer ein Schälchen der Lösung ins geparkte Fahrzeug. Zusätzlich hilft ein mit Essigwasser getränkter Lappen, oberflächliche Verschmutzungen zu entfernen. Alternativ kann Rasierschaum zum Einsatz kommen. Wichtig ist jedoch stets: Nachbehandeln mit einem mit klarem Wasser befeuchteten Lappen, um die verwendeten Hausmittelchen auch wieder zu entfernen. Denn sonst können die Materialien unter der dauerhaften Einwirkung leiden.

Die gründliche Behandlung der Polster ist indes eine Sache für den Profi. Denn selbst wenn sich Flecken oberflächlich entfernen lassen, ist das Gewebe tiefer durchdrungen. Und um dauerhaft Ausdünstungen zu vermeiden und Bakterien an den Kragen zu gehen, hilft nur eine Schaumreinigung beim Fahrzeugaufbereiter. Dies schlägt pro Polsterteil mit rund 20 Euro zu Buche, für einen Sitz werden 40 bis 50 Euro fällig.

Raucherfahrzeug ist ein harter Brocken

"Von größeren Reinigungsaktionen an den Polstern in Eigenregie sollten die Fahrzeugeigner absehen, denn die Sitze moderner Fahrzeuge enthalten viel Elektronik - vom Seitenairbag und Belegungssensoren über Verstellung und Sitzheizung bis hin zu aktiven Kopfstützensystemen", erläutert Herrmann.

Ein harter Brocken ist der kalte Rauch in einem Raucherfahrzeug. Einfache Mittel wie Essigwasser helfen hier nicht weiter. Abhilfe verspricht eine professionelle Innenraumreinigung für 150 bis 200 Euro und eine anschließende Ozonbehandlung für rund 100 Euro. Dabei wird das Fahrzeug mit dem Gas geflutet, was die geruchsverursachenden Bakterien abtöten soll. Viele professionelle Fahrzeugaufbereiter bieten für beides zusammen günstigere Paketpreise an. (dpa)

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