Intelligente Automobile : K.I.T.T. auf der Spur?

Auf der Tokio Motor Show zeigten Autobauer, wie schlau ihre Wagen schon sind. Eine Menge ist möglich, aber das Spektakel fehlt.

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Der Nissan Bladeglider kann weit mehr als gut aussehen. Solche Studien auf der Tokio Motor Show zeigen den Weg hin zu intelligenten Automobilen.
Der Nissan Bladeglider kann weit mehr als gut aussehen. Solche Studien auf der Tokio Motor Show zeigen den Weg hin zu...Foto: Felix Lill

"Der Abstand wird zu knapp, wir kommen nicht rüber", warnt der schwarze Sportwagen. "Bete, dass du keine Beule abkriegst, Kitt!", entgegnet ihm sein nervöser Fahrer. Mit Hochgeschwindigkeit rasen Michael, alias David Hasselhoff, und sein Auto namens K.I.T.T. auf eine Kreuzung zu, müssen zwischen Vorder- und Hinterachse eines langen Lkw hindurchfahren, um ihrem Gegner zu entkommen. Die Aktion glückt gerade so, aber das vernünftige Auto rügt seinen Fahrer. "Das ist doch nicht Ihr Ernst, Michael."

Die Szene aus Knight Rider, einst gedreht als Science-Fiction-Abenteuer in den 1980er Jahren, wirkt zunächst nicht mehr weit weg. So der Eindruck, den die Tokio Motor Show vermittelt, die ab diesem Wochenende für Besucher öffnet. Es geht um leistungsfähigere Motoren, innovative Antriebe und neues Design. Gerade die größeren Autobauer brüsten sich aber noch mit einem anderen Thema: der Intelligenz ihrer Fahrzeuge.

Autonomes Fahren im Trend

Ein Hauch der legendären TV-Serie Knight Rider ist schon bald möglich, glaubt etwa Youichi Kishimoto. "Von der technologischen Seite ist heute recht viel machbar", sagt der Ingenieur von Nissan, der in der Abteilung "Autonomes Fahren" forscht. Kishimoto steht vor einem kompakten Wagen seines Arbeitgebers, deutet immer wieder auf das Fahrzeuginnere. "Das Auto kann schon relativ einfach merken, ob der Fahrer müde ist." Rutsche er etwa aus Erschöpfung nach vorne, erkennt das Fahrzeug dies durch die veränderten Druckpunkte auf den Sitz. Vorab könne man bei Nissans derzeit erprobter "Autonomous Drive"-Technologie auch einstellen, ob der Fahrer nicht vielleicht ganz auf Autopilot schalten möchte. Denn seit einem Monat testet Nissan, wie auch andere Hersteller, die Zuverlässigkeit seines Autopiloten im Verkehr. "Auf Schnellstraßen und beim Einparken funktioniert das System schon gut", sagt Kishimoto. Auch die ersten Versuche auf regulären Straßen seien positiv verlaufen. Auf einer knapp einen Kilometer langen Strecke könne das System Fußgänger, Fahrräder und Ampeln erkennen und sich entsprechend verhalten.

Wann sind die Autos also schlau genug, um dem Fahrer alles abzunehmen? Wenn es nach der Sprecherin Keiko Yano von Mazda geht, gar nicht. "Unsere Kunden genießen es doch, zu fahren. Wir werden ihnen nie alle Aufgaben abnehmen wollen." Hinter ihr wird der Mazda 6, der mit der intelligenten Technologie "SkyActiv" ausgestattet ist, von Journalisten beäugt. "Wir haben nur Warnsysteme für den Abstand zum vorderen Fahrzeug oder die Position auf der Straße. Und wir richten unser Design so simpel wie möglich aus, damit man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann."

Das Auto als Reiseführer

Andere Hersteller wie Toyota, Honda und Mitsubishi gehen deutlich weiter. „Je genauer das Auto seinen Fahrer kennt, desto besser kann es sich ihm anpassen“, sagt Takaki Yagisawa von Mitsubishi. Yagisawa ist für Mitsubishis Interaktionsplattform "Emirai 2" verantwortlich, die er bis 2020 zu etablieren hofft. Über das Smartphone soll das Auto alle möglichen Vorlieben des Fahrers erkennen. "Wenn der Fahrer länger auf ein bestimmtes Gebäude an der Straße blickt, kann ihm unsere Software bald erklären, welches Gebäude das ist. Irgendwann wollen wir auch erkennen, ob der Fahrer hungrig ist. Dann können wir ihm die nächste Raststätte vorschlagen."

Für solche Durchbrüche braucht es allerdings nicht nur ausgereiftere Technik. Auch die Infrastruktur außerhalb des Autos muss sich weiterentwickeln. „Wenn sich Fahrzeuge gegenseitig erkennen sollen, müssen alle Hersteller kompatible Technik nutzen und überhaupt einen bestimmten Standard haben“, sagt Youichi Kishimoto. Hinzu kommen Fragen der Qualität der Straßen oder der rechtlichen Verantwortung im Falle eines Unfalls, die geklärt werden müssten. Wie viele Jahre das dauert, traut sich auf der Tokio Motor Show niemand einzuschätzen.

Und dann sind da die Menschen, die das Auto fahren. Auch deren Mentalität ist entscheidend. Keiko Yano von Mazda würde einem Auto etwa nie so sehr vertrauen, dass sie auf Autopilot schalten könnte. Sie sei schließlich nicht der Knight Rider. „Aber den Vorschlag, etwas zu essen“, sagt sie schmunzelnd, „würde ich schon beherzigen.“

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


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